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Nach der kleinen Deutschland-Reise von letzter Woche geht es nun im zweiten Teil meiner „Thriller Urlaub 2015“-Reihe über die Landesgrenzen hinaus. Ziel der Reise ist der hohe Norden und damit für viele Krimi- und Thrillerfans DIE Region schlechthin: Kurt Wallander, Harry Hole, Carl Mørck, Sebastian Bergman – die Liste der legendären skandinavischen Ermittler ist lang und die oft schwermütigen Charaktere, die abgelegenen Orte und einsamen Landschaften sowie die daraus resultierende meist eher düstere Atmosphäre ziehen Millionen Leser in schöner Regelmäßigkeit in den Bann.

Auch für mich sind Länder wie Schweden, Norwegen, Dänemark oder Island literarisch (und auch im wirklichen Leben) immer eine Reise wert und ich könnte alleine über Schwedens Hauptstadt Stockholm schon ein Themenspecial erstellen, denn gefühlt verschlägt mich fast jeder zweite nordische Krimi dorthin. An dieser Stelle sollen nun aber auch die oft vielleicht eher unbeachteten Krimireihen ein wenig Aufmerksamkeit bekommen und hoffentlich ist auch für euch der ein oder andere Geheimtipp dabei 😉

Bisherige Stationen:

Teil #1: Mörderischer Heimaturlaub
Teil #2: Eiskaltes Morden im Norden
Fortsetzung folgt…

1) Odense (Dänemark): „Totenzimmer“ von Susanne Staun
Los geht es im Nachbarland Dänemark, und zwar in der drittgrößten dänischen Stadt Odense. Nun mag dies vielleicht nicht gerade DAS Reiseziel für Dänemark-Touristen sein, der Ausflug dorthin lohnt sich aber alleine schon für ein Treffen mit Maria Krause, der durchgeknallten Rechtsmedizinerin in Susanne Stauns Krimi „Totenzimmer“, deren oft verstörende Eigenheiten einen traurigen Hintergrund haben: Krause wurde vor Jahren vergewaltigt und lebt seit der nachfolgenden Abtreibung mit ihrer imaginären Tochter – bis diese plötzlich tot vor ihr auf dem Autopsietisch liegt. Stauns Roman ist sicherlich kein einfaches Buch, hebt sich aber auf interessante Weise vom 08/15-Einheitsbrei ab und bietet eine der originellsten Ermittlerfiguren im Sub-Genre der Skandinavien-Krimis. (Rezension)

2) Kopenhagen (Dänemark): „Die Auserwählten“ von A.J. Kazinski
Das nächste Reiseziel ist Dänemarks Hauptstadt, wo Kommissar Niels Bentzon eine mysteriöse weltweite Mordserie untersucht, deren Spur ausgerechnet nach Kopenhagen führt. Zugrunde liegt der Geschichte dabei die jüdische Legende der 36 Gerechten – 36 von Gott ausgewählte gute Menschen, deren Existenz die Menschheit am Leben hält. Und genau auf diese Auserwählten scheint nun ein wahnsinniger Fanatiker Jagd zu machen. Kazinskis Roman ist zwar eher Mystery-Thriller statt Krimi, punktet aber mit der faszinierenden Ausgangsidee und einer spannenden, religiös angehauchten Verschwörungsstory. (Rezension)

3) Helsingborg (Schweden): „Und morgen du“ von Stefan Ahnhem
Weiter geht es über die Landesgrenze hinüber in die schwedische Provinz, wo Kriminalkommissar Fabian Risk nach ein paar unschönen Ereignissen bei der Stockholmer Kripo nun in Helsingborg einen beruflichen und familiären Neuanfang startet. Mit der erhofften Ruhe wird es dort aber auch nichts, als plötzlich ein ehemaliger Klassenkamerad des Ermittlers ermordet wird und Risk selbst ins Visier des Mörders gerät. Packende Story, clever erzählt und mit einigen falschen Fährten – ein starkes Krimidebüt von Stefan Ahnhem! (Rezension)

4) Ystad (Schweden): „Die fünfte Frau“ von Henning Mankell
Kein Krimi-Urlaub in Schweden ohne den absoluten Klassiker: Henning Mankells Kult-Ermittler Kurt Wallander, der in der beschaulichen Küstenstadt Ystad regelmäßig auf Mörderjagd geht. Ich habe mir aus der langen Krimireihe den 6. Band „Die fünfte Frau“ herausgepickt, weil dieser mein absoluter Lieblingsteil ist – was vielleicht auch daran liegt, dass die Geschichte um fünf rätselhafte und verstörende Morde der wohl brutalste Band der Wallander-Serie ist. Und während Ystad in der Realität alles andere als eine Hochburg des Verbrechens ist – ich konnte mir vor zwei Jahren während eines Schweden-Trips selbst ein Bild von diesem verschlafenen Ort machen (inkl. einem Abstecher zu Wallanders „Wohnhaus“) – geht es bei Henning Mankell stets düster, melancholisch und immer sehr spannend zu.

5) Stockholm (Schweden): „Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson
Wohl mindestens jeder zweite Schwedenkrimi spielt in der Hauptstadt Stockholm, folglich tummelt sich dort auch eine Vielzahl an fiktiven Ermittlern. Viel zu wenig beachtet ist meiner Meinung nach aber die Reihe von Kristina Ohlsson um Kriminologin Fredrika Bergman und ihren Kollegen Alex Recht. Bereits der erste Fall, der Mord an einem kleinen Mädchen, ist dramatisch und geht an die Nieren, die Reihe steigert sich aber mit jedem Band immer weiter und bietet nicht nur Hochspannung, sondern auch starke, jedoch nicht immer ganz einfach Charaktere. Für Schwedenkrimi-Fans ein klares Must-Read! (Rezension)

6) Oslo (Norwegen): „Sterblich“ von Thomas Enger
Von Hauptstadt zu Hauptstadt: Auch in Norwegen geht es alles andere als friedlich zu, allerdings soll hier einmal nicht Jo Nesbøs Star-Ermittler Harry Hole im Mittelpunkt stehen, sondern Thomas Engers Protagonist Henning Juul, seines Zeichens auch kein Polizist, sondern Journalist. Nach einer zweijährigen Auszeit wegen eines Wohnungsbrands, bei dem Juul seinen kleinen Sohn in den Flammen verlor, kehrt Henning nun wieder ins Berufsleben zurück und recherchiert im Mordfall einer jungen Studentin, die möglicherweise einem Ehrenmord zum Opfer fiel und zu Tode gesteinigt wurde. Wie schon bei den Ohlsson-Krimis gilt auch hier: Ein Band ist besser als der vorherige, zudem zieht sich Juuls Privatermittlung im Todesfall seines Sohnes wie ein roter Faden durch alle Teile, was für den ein oder anderen fiesen Cliffhanger sorgt. (Rezension)

7) Saloinen (Finnland): „Kolibri“ von Kati Hiekkapelto
Von der Großstadt Oslo geht es weiter ins Nachbarland Finnland, wo Kati Hiekkapeltos Nachwuchs-Ermittlerin Anna Fekete gerade ihre erste Stelle als Kriminalkommissarin in ihrer Heimat, der finnischen Provinz, angetreten hat und gleich ihren ersten Mordfall lösen muss: eine junge Frau wurde während ihrer Jogging-Runde im Wald überfallen und getötet. Was zunächst nach einer Beziehungstat aussieht, wird schon bald durch einen zweiten Mord deutlich verkompliziert, zudem muss sich Anna den Attacken ihres routinierten Partners erwehren.

8) Kautokeino (Norwegen): „Einsam und kalt ist der Tod“ von Lars Petterson
Wem es in Kati Hiekkapeltos Krimi immer noch zu warm ist, für den dürfte Lars Pettersons Roman „Einsam und kalt der Tod“ genau das richtige sein, denn hier geht es noch weiter in Richtung Polarkreis, nämlich nach Lappland. Dort kehrt die Stockholmer Staatsanwältin Anna Magnusson in ihre Heimat zurück und muss ihren Cousin verteidigen, der angeblich eine Frau vergewaltigt haben soll. Klirrende Kälte, eine rauhe Atmosphäre und interessante Einblicke in die faszinierende Kultur der Samen heben Pettersons Krimi wohltuend aus der Masse hervor – die Auszeichnung für das „Beste schwedische Krimidebüt 2012″kommt nicht von ungefähr.

9) Hesteyri/Isafjördur (Island): „Geisterfjord“ von Yrsa Sigurðardóttir
Das Highlight meiner kleinen Rundreise durch Nordeuropa habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: Ein Abstecher nach Island, der selbst hartgesottenen Lesern das Fürchten lehren sollte. Zunächst beginnt alles recht harmlos: Drei Freunde wollen an einem einsamen Fjord ein altes Haus renovieren, während in der Kleinstadt Isafjördur ein Psychiater den Selbstmord einer alten Frau untersucht. Die düstere Atmosphäre sorgt jedoch ab der ersten Seite für Gänsehaut und wenn Yrsa Sigurðardóttir dann erst einmal in Fahrt kommt, entsteht fast ein Wettbieten der beiden Handlungsstränge mit nervenzerreißender Spannung, fiesen Cliffhangern und einem wirklich hohen Gruselfaktor. Eine grandiose Geistergeschichte und schlichtweg das unheimlichste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe – ein krönender Abschluss der Reise! Wenn ihr auch nur eines der hier vorgestellten Bücher lesen wollt: NEHMT DIESES! (Rezension)

Seid ihr ebenfalls Fans von nordischen Krimis und Thrillern und welche Bücher haben euch besonders gut gefallen?


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