Autor: Michael Crichton
Sprecher: Oliver Rohrbeck
Länge: 12 Std. 23 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Flug 545 der TransPacific Airlines befindet sich auf dem Nonstop-Flug von Hongkong nach Denver, Colorado. Es ist 5 Uhr 18 an einem Montagmorgen, als die Großraummaschine vom Typ N-22 zwei Flugstunden westlich von Los Angeles plötzlich in heftige Turbulenzen gerät. Mit ungeheuerer Wucht werden die schlafenden Passagiere aus ihren Sitzen geschleudert. Um 5 Uhr 43, nach einem fast halbstündigen rasanten Steig- und Sinkflug, bittet der Pilot endlich um Notlande-Erlaubnis in Los Angeles. Mehrere Menschen sind schwer verletzt worden, einige von ihnen sogar tödlich.

Der Beinahe-Absturz ruft sofort Casey Singleton auf den Plan: Als Chefin der Fertigungskontrolle soll sie für den Flugzeugkonzern Norton die Ursachen für den Zwischenfall untersuchen und ergründen, wie das Flugzeug derart außer Kontrolle geraten konnte. Zeit bleibt ihr für die Aufklärung keine, denn der Norton-Konzern steht kurz vor dem Abschluss eines Millionendeals mit China und muss unter allen Umständen nachweisen können, dass seine Flugzeuge technisch einwandfrei sind. Doch Caseys Ermittlungen werden nicht nur durch die Gewerkschaft empfindlich behindert, die um den Verlust amerikanischer Arbeitsplätze zu Gunsten Chinas bangt. Auch die berüchtigte TV-Sendung „Newsline“ schaltet sich ein, da ihr Filmmaterial über den Flugzeugunfall zugespielt wurde. Und die ehrgeizige Journalistin Jennifer Malone glaubt nun, dass für sie mit dieser Story die Stunde ihres Durchbruchs gekommen ist, und sie setzt alles daran, Casey und den Norton-Konzern zu Fall zu bringen…

Zum Hörbuch:
Der renommierte amerikanische Flugzeughersteller Norton steht kurz vor dem Abschluss eines äußerst lukrativen Vertrages mit einer chinesischen Fluggesellschaft, welcher eine Großbestellung an neuen Maschinen betrifft. Norton ist auf diesen Deal dringend angewiesen, denn in den letzten Jahren sind die Verkaufszahlen deutlich zurückgegangen und nur noch wenige Flugzeuge konnten verkauft werden. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, nämlich wenige Tage vor dem alles entscheidenden Treffen, ereignet sich auf dem Flug 545 von Hongkong nach Denver ein tragisches Unglück. Die Maschine gerät in der Nähe von Los Angeles in heftige Turbulenzen, bei der ein Großteil der Passagiere quer durch das Flugzeug geschleudert wird. Dabei kommen drei Menschen ums Leben, über vierzig weitere werden teilweise schwer verletzt. Erst nach mehr als einer halben Stunde in totalem Chaos bekommt der Pilot die Maschine wieder unter Kontrolle und kann schließlich notlanden.

Bei Norton sorgt dieser Zwischenfall für große Unruhe, vor allem bei den Verantwortlichen für den Milliarden-Deal mit China. Als Chefin der Fertigungskontrolle wird Casey Singleton mit den Untersuchungen beauftragt und soll unter hohem Zeitdruck schnellstens für die Aufklärung des Unglücks sorgen. Allerdings sind Casey und ihr Team ratlos, denn die Maschine ist offenbar in tadellosem Zustand und auch der Pilot gehört zu den besten und zuverlässigsten der asiatischen Airline. Während Singleton fieberhaft nach dem Auslöser der Turbulenzen sucht, gerät sie selbst in die Schusslinie, denn durch das Unglück sieht die Gewerkschaft einen großen Teil der Arbeitsplätze bei Norton gefährdet, was zu Anfeindungen durch die um ihre Existenz besorgten Arbeiter führt. Als wäre das nicht genug, sind auch die Medien auf den Zwischenfall aufmerksam geworden und Norton läuft Gefahr, durch die öffentliche Berichterstattung den China-Deal zu verlieren…

Der erfolgreiche amerikanische Bestsellerautor Michael Crichton veröffentlichte den Roman „Airframe“ bereits 1996, das Hörbuch zum Technik-Thriller um eine Fluggesellschaft ist aber erst jetzt, gut 16 Jahre nach der Buchvorlage, erschienen. Das sorgt natürlich zwangsläufig dafür, dass die technischen Details im Jahr 2012 nicht mehr hundertprozentig auf dem aktuellen Stand sind, doch dies wird vermutlich nur eingefleischten Flugzeugfans auffallen. Der Kern der Geschichte, nämlich die Aufklärung eines Flugzeugunglücks unter dem Einfluss von Gewerkschaftsstreitereien, einer sensationsgierigen Medienlandschaft und profitorientierten Firmenchefs ist auch heute noch hochinteressant und wirkt zu keinem Zeitpunkt angestaubt oder veraltet.

Dabei scheint das zentrale Ereignis, auf welchem die Handlung in „Airframe“ aufbaut, vergleichsweise harmlos. Kein Flugzeugabsturz mit hunderten Toten steht im Mittelpunkt der Story, sondern „nur“ starke Turbulenzen auf einem Linienflug zwischen Hongkong und Denver. Natürlich gibt es auch hier Verletzte und sogar Tote, doch verglichen mit anderen Flugzeugunglücken erscheint dieser Zwischenfall als Aufhänger für einen Thriller beinahe etwas ungeeignet, schließlich dürstet man als Leser gerne nach schockierenden Tragödien. Dass Michael Crichton diese Sensationsgier nicht befriedigen will, ist ihm hoch anzurechnen und verpasst seiner Geschichte zudem ein enormes Maß an Glaubwürdigkeit. Stattdessen setzt der Autor lieber auf eine gut konstruierte Story, sorgfältige Charakterzeichnung und ein großes Maß an Detailwissen, welches vermutlich umfassende Recherchen vorausgesetzt hat.

In jeder Minute hat man als Hörer das Gefühl, dass Crichton genau weiß, wovon er hier schreibt. Bei der Spurensuche nach der Unglücksursache geht es um kleinste Flugzeugteile, deren Funktion und Bedeutung der Autor ausführlich und verständlich erklärt. Dabei wird man zwangsläufig mit vielen Typenbezeichnungen konfrontiert, doch Fachbegriffe und Zahlenreihen halten sich immer in erträglichen Grenzen. Allerdings erfordert „Airframe“ Geduld und die volle Aufmerksamkeit des Publikums, denn ein Thriller für Nebenbei ist das Hörbuch auf keinen Fall. Man muss kein Flugzeug- oder Technik-Fan sein, um an dem Titel seinen Spaß zu haben, doch ein gewisses Grundinteresse für technische Zusammenhänge sollte man absolut mitbringen, denn sonst wird man von „Airframe“ wahrscheinlich entweder hoffnungslos überfordert oder aber gnadenlos gelangweilt.

Damit die Geschichte aber nicht zur trockenen Physikstunde verkommt, hat Crichton die zentrale Unglücksaufklärung in einer ansprechende Rahmenhandlung verpackt. Knallharte Verhandlungen zwischen Flugzeughersteller und Fluglinie, Sicherheit im Luftverkehr, Kampf um Arbeitsplätze und Boulevardjournalismus – interessante Themen bietet „Airframe“ zweifellos zur Genüge. Vor allem Crichtons kritische Sicht auf die Arbeitsmethoden der Medien ist faszinierend und wird am Beispiel der sensationsgierigen Journalistin Jennifer Malone beeindruckend geschildert. Als aufstrebende Mitarbeiterin einer bekannten TV-Sendung ist Malone jedes Mittel recht, um dem Publikum eine reißerische Story zu bieten und ihr selbst einen Karrieresprung zu ermöglichen. Dabei werden Tatsachen verdreht, falsche Schuldige gesucht und wichtige Informationen unterschlagen, damit der Unterhaltungswert der Nachrichten nicht in Gefahr gerät. Der Autor schlägt sich hier sehr eindeutig auf die Seite der Fluggesellschaft und lässt die Presselandschaft in einem ziemlich schlechten Licht dastehen.

Auch die Charaktere sind differenziert gezeichnet und berücksichtigen alle vertretenen Personengruppen. Im Fokus der Geschichte steht natürlich eindeutig Casey Singleton, deren Handlungen jederzeit plausibel und nachvollziehbar begründet werden und welche für den Hörer zudem einen Sympathieträger darstellt. Doch auch die Firmenleitung, Airline-Mitarbeiter, einfache Angestellte, die Presse, neutrale Flugzeugexperten und die Opfer des Flugunglücks sind vertreten und ermöglichen so einen sehr umfassenden und ausgewogenen Blick auf die Geschichte.

Zum Hörbuch:
Wieder einmal war ich beim Lesen der Produktbeschreibung eines Hörbuches überrascht, als ich den Namen „Oliver Rohrbeck“ bei der Sprecherangabe entdeckt habe, da dieser von mir (wie vermutlich auch von vielen anderen) immer noch mit den drei Fragezeichen, Ben Stiller oder einem Bill-Bryson-Titel verbunden wird. Zwar hat Rohrbeck bereits in der Neuauflage von „Jurassic Park“ gezeigt, dass er auch ernsthaftere Inhalte glaubwürdig präsentieren kann, trotzdem war ich auch dieses Mal wieder positiv überrascht. Der Sprecher hat hier einwandfreie Arbeit geleistet und schafft es ohne Probleme, die Thematik seriös an den Hörer zu bringen. Er verpasst den Protagonisten differenzierte Stimmen, welche man auch in Dialogen gut auseinanderhalten kann und vermag es auch die durchaus vorhandenen humoristischen Passagen mit dem nötigen Augenzwinkern zu transportieren.

Mein Fazit:
„Airframe“ von Michael Crichton ist ein packendes und hochinteressantes Hörbuch, welches sich auf faszinierende Art und Weise mit der Ursachenforschung nach einem Flugzeugunglück befasst. Die Geschichte überzeugt durch glaubwürdige Charaktere, eine umfassende Beleuchtung der beteiligten Parteien mit ihren verschiedenen Perspektiven und nicht zuletzt durch sehr gut recherchierte technische Details. Dabei gerät die Erklärung von physikalischen Zusammenhängen oder der Funktionsweise einzelner Flugzeugteile zu keiner Zeit langatmig und dröge, sondern trägt einiges zur spannenden und sehr akribischen Spurensuche bei. Allerdings ist „Airframe“ keine Geschichte für Jedermann, denn wer mit Flugzeugen oder technischen Beschreibungen überhaupt nichts anfangen kann, sollte um das Hörbuch lieber einen Bogen machen. Ein gewisses Interesse an der inhaltlichen Thematik ist Grundvoraussetzung für den Genuss der abwechslungsreichen Handlung, welche zudem durch überraschende Wendungen und eine sehr gut gelungene Auflösung besticht. Für Flugzeugfans ist „Airframe“ ein Muss und auch für Hörer, die sich ein wenig für Technik, Wirtschaft und/oder Journalismus interessieren, könnte sich Crichtons auch heute noch aktueller Krimi zu einem Geheimtipp entwickeln.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
Das Hörbuch „Airframe“ von Michael Crichton hat eine Länge von 12 Stunden und 23 Minuten und ist ungekürzt für 24,95 € bei audible.de erhältlich. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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