Autor: Arno Strobel
Umfang: 400 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 19. Januar 2012

Klappentext:
Wenn Bestseller Angst machen – der neue packende Psychothriller von Arno Strobel!
Eine Studentin bekommt per Post rätselhafte Botschaften zugeschickt – auf Menschenhaut geschrieben. Die Polizei verdächtigt den früheren Bestsellerautor Christoph Jahn: In dessen Roman schneidet ein Serienkiller jungen Frauen die Haut vom Körper, um darauf den Anfang seines Romans, der von allen Verlagen abgelehnt worden ist, auf grausige Weise neu zu schreiben. So erhofft er sich die Aufmerksamkeit für sein Werk, die es seiner Meinung nach verdient hat. Doch Jahn schiebt die Schuld auf einen geisteskranken Fan, der bereits vor Jahren Verbrechen aus seinen Romanen ›nachgestellt‹ haben soll, aber nie gefasst wurde. Die grausige Geschichte scheint sich zu wiederholen …
Ein Entführungsfall, ein Serienkiller und ein Hauptverdächtiger mit beängstigender Phantasie: Brutal raffiniert erzählt Arno Strobel eine furchterregende Geschichte mit doppeltem Boden.

Zum Roman:
Oberkommissar Stephan Erdmann arbeitet seit drei Tagen in der Besonderen Aufbauorganisation (kurz: BAO) Heike, welche das Verschwinden einer jungen Frau untersucht. Diese ist die Tochter des Herausgebers einer großen Hamburger Tageszeitung und so zieht der Fall ein großes Medieninteresse auf sich. Neben Erdmann wurde unter anderem auch Hauptkommissarin Andrea Matthiessen dem Ermittlungsteam zugeteilt, was bei dem selbstbewussten Polizisten aufgrund der pedantischen und rechthaberischen Art seiner neuen Partnerin nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgt. Die Untersuchungen im mutmaßlichen Entführungsfall gehen zudem nur sehr schleppend voran, was den öffentlichen und internen Druck auf das nicht wirklich eingespielte Team noch zusätzlich erhöht.

Als eine junge Studentin jedoch von einem ihr unbekannten Absender ein Paket erhält, kommt langsam Bewegung in die Ermittlungen. In dem Päckchen befindet sich nämlich eine rätselhafte Botschaft, besonders beunruhigend ist aber das Material, auf dem die wenigen Wörter geschrieben wurden. Dabei handelt es sich nämlich um ein Stück Haut, das noch dazu von einem Menschen stammt. Zudem ist auf dem Stück Haut ein Teil einer Tätowierung zu erkennen, welche zu der entführten Frau passen könnte. Auch die Bedeutung der eigentlichen Nachricht kann recht schnell entschlüsselt werden, denn die Zeilen stammen aus dem Serienkiller-Roman eines Hamburger Schriftstellers, dessen Handlung nun anscheinend in die Tat umgesetzt wird…

„Das Skript“ ist nicht nur der dritte Psychothriller des deutschen Autors Arno Strobel, der bereits mit „Der Trakt“ und „Das Wesen“ große Erfolge feierte. Gleichzeitig ist dies auch der Titel des fiktiven Buches in der Geschichte, welches nun von einem brutalen Killer nachgestellt wird. Sogar das Cover stimmt mit dem des realen Stobel-Buches überein – es gibt hier also praktisch ein Buch im Buch. Natürlich ist die Idee von einem Serienmörder, der die Taten einer Romanhandlung in die Realität umsetzt, nicht wirklich neu (erinnert sei hier z.B. an den Auftakt der TV-Serie „Castle“ oder den Patterson-Thriller „Der 1. Mord“ mit ähnlichen Szenarien). Trotzdem übt dieses Thema immer wieder eine besondere Faszination auf mich aus, da es dem Leser ermöglicht, die folgenden Taten vorherzusehen und die ermittelnden Figuren gezwungen sind, die Fortführung des festgelegten Drehbuches zu unterbrechen.

Naheliegend ist es da natürlich, erst einmal den Verfasser des Romans ganz oben auf die Liste der Hauptverdächtigen zu stellen, im Falle von „Das Skript“ wäre dies der eher mäßig begabte Autor Christoph Jahn. Erhärtet wird der Verdacht zudem dadurch, dass dieser bereits vor Jahren in einen ähnlich angelegten Mordfall involviert war, als ebenfalls ein Verbrechen aus seinen Romanen in die Tat umgesetzt wurde. Jahn galt damals schon als Tatverdächtiger, konnte aber durch sein Alibi entlastet werden – der wahre Täter wurde jedoch nie gefasst. Doch durch den Rummel um diesen Mord stiegen die Verkaufszahlen von Jahns Buch in atemberaubende Höhen und der eher durchschnittliche Roman wurde zum Bestseller. Da das große Geld von den Buchverkäufen aber mittlerweile weitestgehend aufgebraucht ist, käme dem Autor eine Wiederholung der Ereignisse duchaus gelegen…

Arno Strobel liefert mit seinem neuen Thriller interessante Einblicke in die Buchbranche und das Geschäftsgebaren von profitgierigen Verlagen und Autoren. Auch wenn Strobel in den Danksagungen betont, dass die in „Das Skript“ erwähnten Machenschaften fiktiv und ihm in der Realität noch nicht untergekommen sind, so erscheinen diese doch gar nicht mal so unrealistisch. Auch der Rolle von Buchrezensionen kommt in der Handlung eine große Bedeutung zuteil, teilweise mit verheerenden Auswirkungen. Dass diese gar nicht mal so überspitzt dargestellt werden, zeigen nicht zuletzt aktuelle Beispiele aus der Bloggerszene. Insgesamt ergibt sich dadurch ein sehr stimmiges Gesamtbild, welches gerade an der Literatur- und Verlagsszene Interessierte sehr ansprechen dürfte. Denn zwangsläufig ergibt sich dadurch eine Vielzahl an Verdächtigen, sei es aus Profitgier, gekränkter Eitelkeit, Fanatismus oder Rachsucht.

Strobel legt in seinem Buch ein hohes Erzähltempo an den Tag, welches den Leser schnell in den Bann der Handlung zieht. Immer wieder überrascht die Geschichte mit neuen Enthüllungen, sodass mögliche Langeweile schon im Keim erstickt wird. Auch die Protagonisten des Romans sind gelungen, obwohl sowohl die Hauptkommissarin Matthiessen als auch Oberkommissar Erdmann bei ihrem ersten Auftreten durch ihre gegenseitigen Anfeindungen erst einmal grundunsympathisch wirken. Doch diese schweißen schon nach kurzer Zeit zu einem verlässlichen Team zusammen, nicht zuletzt weil Matthiessen aufgrund ihrer schwierigen Polizei-Vergangenheit bei ihrem Vorgesetzten keinen guten Stand hat und sich häufig offenen Anfeindungen ausgesetzt sieht, was ihrem neuen Partner übel aufstößt. Insgesamt bleibt die Charakterzeichnung ein wenig oberflächlich und man erfährt verhältnismäßig wenig über die beiden Ermittler. So nimmt das Privatleben Matthiessens und Erdmanns eine sehr untergeordnete Rolle ein, was aber andererseits auch gar nicht so verkehrt ist. Schließlich ist es auch mal recht angenehm, wenn die Protagonisten einer Krimi- oder Thrillerhandlung nicht immer ein Alkoholproblem oder eine gescheiterte Ehe vorzuweisen haben. Außerdem haben die beiden Polizisten durchaus Potenzial zu einer eigenen Romanreihe, dort könnte man die Charakterisierungen dann ja noch ein wenig vertiefen.

Der Fokus des Autors liegt hier stattdessen eindeutig auf dem Wesentlichen, nämlich dem Plot selbst. Schnörkellos und ohne ellenlange Beschreibungen (und somit ganz im Gegenteil zu seinem fiktiven Schriftsteller Christoph Jahn) entwickelt Strobel seine Geschichte, die sich dadurch sehr flüssig lesen lässt. Aufgelockert wird die Handlung auch immer wieder von kurzen Perspektivwechseln, in denen der Leser das Geschehen aus der Sicht eines der Opfer des Serienkillers verfolgen kann. Aufgrund des erbarmungswürdigen Zustands der Frau sind diese Schilderungen in der Regel sehr bruckstückhaft und oft verstörend, vor allem weil diese Passagen die brutalsten des ansonsten eher unblutigen Romans sind. Hier muss der Leser miterleben und mitfühlen, wie den Frauen die Haut abgezogen wird oder wie diese immer am Rande der Strangulation in ihrem Verlies gefangengehalten werden. Diese Szenenwechsel erstrecken sich aber meist nur über ein bis zwei Seiten, sodass auch zartbesaitete Gemüter die ein wenig schockierenden Stellen verkraften dürften. Hier gibt es aber meiner Meinung nach auch einen der wenigen Schwachpunkte des Buches, denn leider wiederholen sich diese „Häutungssequenzen“ inhaltlich recht schnell. Das im Mittelpunkt stehende Opfer befindet sich immer am Rande des Bewusstseinsverlustes und sieht nur verschwommen, was mit ihr oder anderen Frauen passiert. Ab und zu gibt es einen kurzen verklärten Blick auf den Täter, doch erst gegen Ende hin findet in diesen Szenen eine wirkliche Entwicklung statt.

Mein Fazit:
„Das Skript“ von Arno Strobel ist ein sehr spannender und mitreißender Psychothriller, den ich innerhalb von knapp 24 Stunden verschlungen habe. Der Autor legt ein sehr hohes Erzähltempo vor und hält seine Leser immer wieder mit unvorhergesehenen Entwicklungen und Überraschungen bei Laune. Eine große Stärke liegt zudem in der interessanten Thematik der Handlung mit ihrer Ansiedlung in der Literaturszene. Ob Verlage, Lektoren, Schriftsteller, Fans oder Rezensenten – jedem dieser Faktoren schenkt Strobel seine Aufmerksamkeit und entwirft so ein schlüssiges und in sich glaubwürdiges Szenario, welches die unterschiedlichen Motive und Standpunkte der einzelnen Figuren differenziert und abwechslungsreich darstellt. Zwar könnten die beiden ermittelnden Hauptfiguren ein wenig tiefgründiger charakterisiert werden, doch darüber lässt sich zugunsten des konstant hohen Spannungsniveaus ruhig hinwegsehen. Auch die sich ein wenig wiederholenden Schilderungen aus der Opfersicht trüben den Lesespaß nicht wirklich. Für alle Fans von fesselnden und abwechslungsreichen Psychothrillern sei also an dieser Stelle eine ausdrückliche Kaufempfehlung ausgesprochen (und nein, ich schreibe dies nicht, weil ich die im Buch aufgeführten Folgen einer negativen Rezension fürchte…).

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
„Das Skript“ von Arno Strobel ist im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen und hat einen Umfang von 400 Seiten. Das Buch ist für 8,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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