Autor: Simon Beckett
Umfang: 432 Seiten
Verlag: rororo

Klappentext:
Sterben kann ewig dauern – aber der menschliche Körper beginnt kaum fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen – und wird dann zu einem gigantischen Festschmaus für andere Organismen. Zuerst für Bakterien, dann für Insekten. Fliegen. Die Larven verlassen die Leiche in Reih und Glied, in einer Schlangenlinie, die sich immer nach Süden bewegt. Ein Anblick, der jeden dazu veranlassen würde, das Phänomen zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen. Und so entdecken die Yates-Brüder, was von Sally Palmer übrig geblieben war … Die Tote war Schriftstellerin, eine Außenseiterin in Devonshire. Verdächtiger Nummer eins ist der schweigsame Fremde im Dorf, ein Dr. David Hunter. Doch es stellt sich heraus, dass er früher Englands berühmtester Rechtsmediziner war, und die Polizei bittet ihn um Unterstützung. Gerade als seine Analysen zeigen, dass die Ermordete vor ihrem Tod tagelang gefoltert wurde, verschwindet eine weitere junge Frau. Eine fieberhafte Suche beginnt. Gleichzeitig bricht im Dorf eine Hexenjagd los. Der Pfarrer, ein knochiger Fanatiker, hetzt die Leute auf, und David ist Zielscheibe seiner Hasspredigten …

Zum Roman:
Den Titel „Die Chemie des Todes“ haben die meisten wahrscheinlich schon einmal gehört. Millionenfach verkauft, hielt sich das Buch lange weit oben in den geläufigen Bestsellerlisten. Nachdem mir das Buch von mehreren Personen empfohlen wurde, habe auch ich den Einstieg in die Romanserie um den forensischen Anthropologen David Hunter gewagt.

Dieser galt als Koryphäe auf seinem Fachgebiet und genoss in ganz England einen ausgezeichneten Ruf. Nachdem seine Frau und seine Tochter Alice jedoch bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind, verlässt Hunter London und zieht sich in das kleine Dorf Manham zurück. Dort arbeitet er dann in der Praxis des Landarztes Henry Maitland, dem eine ähnliche Tragödie widerfahren ist. Henry verlor seine Frau ebenfalls bei einem Autounfall und ist selbst seitdem an den Rollstuhl gefesselt. Hunter verheimlicht seinen früheren Beruf und begnügt sich fortan mit seiner Arbeit als einfacher Hausarzt.

Ein Jahr später finden kleine Kinder die stark verweste Leiche einer Frau, die kurz darauf als eine Dortbewohnerin identifiziert werden kann. Der Dorfpolizist Mackenzie findet heraus, dass David Hunter früher als Forensiker gearbeitet hat und versucht den Arzt daraufhin zu überreden, ihm bei den Ermittlungen zu helfen. Hunter willigt nur widerstrebend ein, denn eigentlich hat er seit dem Tod seiner Familie mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und möchte nun nichts mehr mit der Verbrechensbekämpfung zu tun haben.

Bei seinen Untersuchungen finden Hunter und die Polizei heraus, dass der Mörder sein Opfer vor der Tötung mehrere Tage gefangengehalten und gefoltert hat, bevor er die Frau grausam ermordet und mit Schwanenfedern gespickt hat. Als wenig später eine weitere Dorfbewohnerin verschwindet, macht sich in der kleinen Ortschaft die Angst breit, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben. Und viel schlimmer noch – offensichtlich ist der Mörder einer von ihnen.

Dies bringt für die Hauptfigur einige Probleme mit sich. Obwohl Hunter schon seit Monaten in Manham lebt und aufgrund seiner Tätigkeit als Landarzt bei allen Dorfbewohnern bekannt ist, wird er trotzdem als Außenseiter behandelt. Wegen seiner ständigen Aufenthalte bei der Polizei (welche natürlich mit seinen forensischen Untersuchungen zu tun haben) macht sich unter den Menschen in der Ortschaft das Gerücht breit, Hunter sei der Hauptverdächtige der Polizei. Fortan schlägt ihm Misstrauen und Abneigung entgegen…

Das Szenario des Romans ist sehr interessant. Bis auf ganz wenige Ausnahmen spielt die gesamte Handlung im Mikrokosmos des Dorfes. Manham ist dabei das typische englische Klischee-Örtchen. Jeder kennt jeden, Klatsch und Tratsch sprechen sich in Windeseile herum und neben der Kirche ist der Pub das Zentrum des Gemeindelebens. So trifft man sich täglich in der Kneipe, um die neuesten Gerüchte über die Ermittlungen auszutauschen und eigene Planungen anzustellen. Da darf natürlich auch das Aufstellen einer Bürgerwehr nicht fehlen.

Auch bei den Dorfbewohnern werden die gängigen Klischees erfüllt. Da gibt es die Halbstarken, die am Dorfrand wohnen, wildern, und sich für keine Schlägerei zu schade sind. Die zugezogene Außenseiterin, die es in der Dorfgesellschaft ebenso schwer hat wie die Hauptfigur David Hunter und nicht zuletzt den strengen Pfarrer, welcher in seinen Predigten zur Selbstjustiz aufruft und den Mob gegen den Täter aufhetzt.

Die Hauptfigur fungiert hier absolut als Sympathieträger. Sein tragisches Familienschicksal sorgt für Mitleid und man durchlebt mit ihm anschließend die Ermittlungen und seine Konflikte mit der verschworenen Dorfgemeinschaft. Unterstützung findet er in der Lehrerin Jenny, mit der er sich auf eine zarte Romanze einlässt. Die Handlungen des Protagonisten sind dabei durchgehend glaubwürdig und nachvollziehbar.

Der Kriminalfall sorgt ebenfalls für gelungene Unterhaltung. Da man es offensichtlich mit einem Serientäter zu tun hat, entsteht eine dauerhafte Spannungssituation, welche dadurch verstärkt wird, dass der Täter seine Opfer zunächst für ein paar Tage gefangenhält, bevor er diese tötet. Somit befinden sich Hunter und die Polizei in einem Wettlauf gegen die Zeit. Auch das geschlossene Umfeld des Dorfes sorgt für Atmosphäre. Jedem Bewohner wird Misstrauen entgegengebracht, denn er könnte ja der gesuchte Psychopath sein. Dies birgt ein ständiges Konfliktpotenzial, welches vom Autor auch zur Genüge ausgeschöpft wird.

Die Inhaltsbeschreibung erweckt zwar den Eindruck, man könnte es hier mit komplizierten forensischen Ermittlungen zu tun haben, diese beschränken sich aber meist auf das Feststellen des Todeszeitpunktes mithilfe von Insekten und Larven. Der Rest ist eigentlich ziemlich klassische Ermittlungsarbeit, fast schon etwas altmodisch. Wenn man die Laboruntersuchungen mal weglässt, könnte die Story auch gut und gerne in den 1950er-Jahren spielen. Handwerklich gibt es an der Geschichte eigentlich nichts auszusetzen.

Mein Fazit:
„Die Chemie des Todes“ ist ein gelungener und spannender Kriminalroman für Freunde von klassischer Krimikost. Ein gewisser Ekelfaktor ist vorhanden, allerdings ist der Thriller nicht übertrieben blutrünstig. Viel Spannung zieht der Roman zudem aus dem erwähnten Dorfszenario. Überdies kann Simon Beckett mit einem einigermaßen überraschenden Ende punkten. Gute, wenn auch etwas klischeehafte Charakterzeichnungen ermöglichen eine einfache Identifikation mit den Hauptfiguren. Beckett macht eigentlich nicht viel falsch und sein Auftakt der David-Hunter-Reihe lässt sich gut und flüssig „weglesen“. Ein paar Wendungen mehr hätten der Geschichte vielleicht auch nicht geschadet, insgesamt gibt es von mir aber eine klare Kaufempfehlung.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Die Chemie des Todes“ von Simon Becket ist im rororo-Verlag erschienen und hat einen Umfang von 432 Seiten. Das Buch ist für 9,99 € als Taschenbuch und für 19,90 € in der gebundenen Ausgabe erhältlich. Weitere Infos auf der Verlags-Homepage.


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