Autor: Cody McFadyen
Umfang: 448 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe

Zum Inhalt:
In einem Flugzeug wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. An Bord hat anscheinend keiner etwas von dem Mord mitbekommen, der Täter ist spurlos verschwunden. Zudem stellt sich heraus, dass das Opfer die Tochter eines hochrangigen Kongressabgeordneten und überdies früher ein Mann war. Im Körper der Toten wird bei der Autopsie ein silbernes Kreuz mit der Nummer 143 gefunden. Smoky Barrett wird beauftragt, den Fall zu untersuchen, muss jedoch aufgrund der politischen Brisanz der Angelegenheit sehr vorsichtig und diskret vorgehen. Hat sie es mit einem Serienkiller ungeahnten Ausmaßes zu tun, der bereits weit über einhundert Menschen auf dem Gewissen hat? Und deutet das Kreuz darauf hin, dass der Täter aus religiösen Motiven handelt?

Zum Roman:
„Das Böse in uns“ ist nach „Die Blutlinie“ und „Der Todeskünstler“ der dritte Roman um die FBI-Ermittlerin Smoky Barrett und ihre Ermittlungseinheit. Wieder hat sie es mit einem gnadenlosen und intelligenten Serienmörder zu tun und befindet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit. Der Täter scheint unaufhaltsam zu morden, und das immer aus dem gleichen Motiv. Die Opfer haben nämlich eines gemeinsam: Alle haben ein dunkles Geheimnis in ihrer Vergangenheit, welches aber nur der Mörder zu kennen scheint. Der Täter zwingt sie zu einer letzten Beichte und nimmt ihnen anschließend das Leben, damit sie befreit von ihrer Schuld ins Reich Gottes aufsteigen können… Barrett steht vor einem verzwickten Fall, denn wie konnte der Täter von den Sünden der Opfer erfahren?

Der Roman fügt sich in seiner Machart nahtlos in die bisherige Reihe um Smoky Barrett ein. Die Geschichten um die vermeintlichen Opfer sind ebenso schockierend und erschütternd wie in den ersten beiden Bänden. Allerdings ist Teil 3 nun bei weitem nicht so blutrünstig wie die Vorgänger. Die Opfer werden scheinbar leidenschaftslos getötet, und als im Internet Videos von den Tötungen auftauchen, brechen diese jeweils kurz vor der eigentlichen Tat ab. Das Grauen spielt sich hier vielmehr auf der psychologischen Ebene ab. Die Geheimnisse der Opfer sind teils hochdramatisch und berührend, teils aber auch abstoßend und verstörend, wenn sich zum Beispiel ein kleines Mädchen als psychopathische Tierquälerin herausstellt, die beim Töten der Tiere eine diabolische Freude verspürt.

Einen weiteren bedeutenden Aspekt dieses Romans spielt die Kirche. Da der Täter augenscheinlich aus religiösen Motiven handelt, ist Agentin Barrett gezwungen, sich mit ihrem eigenen Glauben auseinander zu setzen und wird dabei mit manch unangenehmen Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert. In Gesprächen mit einem in den Fall verwickelten Pfarrer findet sie mehr über sich selbst und ihre Beziehung zu Gott heraus, auch wenn sie sich anfangs noch vehement dagegen sträubt.

Natürlich spielt auch in „Das Böse in uns“ wieder das Privatleben Barretts eine große Rolle. Ihre Adoptivtochter Bonnie scheint den Tod ihrer Mutter immer mehr überwunden zu haben und strebt nun nach einem normalen Leben, was zum Beispiel auch bedeutet, wieder in eine normale Schule zu gehen und sich mit gleichaltrigen Kindern zu umgeben. Barrett fällt es jedoch nicht leicht, loszulassen. Zudem steckt sie in einem Beziehungschaos mit ihrem Freund. War sie bisher noch von einer unverfänglichen Affäre ausgegangen, will ihr Partner nun mehr. Allerdings ist Smoky sich noch nicht sicher, ob sie nach der Ermordung ihres Mannes und ihrer leiblichen Tochter schon wieder bereit ist, sich auf eine Beziehung einzulassen. Zudem hadert sie mit einer schrecklichen Geschichte aus ihrer Vergangenheit.

Wie auch schon bei den Vorgängern ist dieser Roman wieder sehr spannend und mitreißend. Einmal angefangen, kann man das Buch kaum noch zur Seite legen. Die Handlung hat ein ungemein hohes Tempo und lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen. Der Kriminalfall rund um den Serienmörder ist dabei ebenso packend wie die Schilderungen aus dem Privatleben der Ermittlerin. Das zeichnet meiner Meinung nach die Smoky-Barrett-Reihe auch aus, nämlich dass die einzelnen Protagonisten aus dem Ermittlerteam auch im Privatleben vor schweren Konflikten stehen und damit klar kommen müssen. Das lässt das Geschehen aus meiner Sicht sehr glaubwürdig wirken, da man erfährt, was für Konsequenzen der Polizei-Beruf auf das Privatleben der Figuren hat.

Mir hat auch gut gefallen, dass dieser Roman im Vergleich zu den beiden ersten Teilen recht unblutig ist, aber dadurch nichts von seiner Faszination einbüßt.

Fazit:
Der Roman hat mich persönlich genauso gefesselt wie die Vorgänger. Der Kriminalfall ist dramatisch, überraschend und packend und immer unterhaltsam. In manchen Rezensionen wird bemängelt, dass die Geschichten etwas flach und blutrünstig sind, dem kann ich hier aber nicht zustimmen. Gerade den Bezug zur Kirche fand ich hier sehr gelungen und interessant und regt durchaus zum Nachdenken an. Allerdings war mir die Auflösung des Falls ein bisschen zu gewöhnlich. Außerdem hat man den Eindruck, dass die Ermittler nicht sonderlich viel zum Lösen der Geschichte beigetragen haben, sondern die entscheidenden Hinweise mehr oder weniger auf dem Silbertablett präsentiert bekommen. Daher die kleinen Abzüge. Für Thrillerfreunde ist der Roman aber allemal eine Empfehlung wert, für Fans der Vorgänger ein Pflichtkauf.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Das Böse in uns“ ist erschienen bei Bastei Lübbe und hat einen Umfang von 448 Seiten. Der Roman ist für 9,99 Euro als Taschenbuch und für 19,95 in der gebundenen Ausgabe im Handel erhältlich. Kleiner Tipp: Bei audible.de gibt es den Titel auch als Hörbuch, leider aber nur in der gekürzten Fassung. Weitere Infos auf der Verlags-Homepage.


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