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Es gibt nicht viele Serienfiguren, die nach nur einem Buch schon so viel durchgemacht haben wie die meisten Menschen nicht einmal in der Gesamtheit ihrer schlimmsten Albträume, doch Cody McFadyens offenbar unkaputtbare Protagonistin Smoky Barrett kann bereits auf eine beeindruckende Chronik des Grauens zurückblicken: sie wurde vergewaltigt, verstümmelt und fürs Leben entstellt, musste die Ermordung ihres Mannes mit eigenen Augen sehen, erschoss unter tragischen Umständen ihre eigene Tochter, stand kurz vor dem eigenen Selbstmord und verlor ihre beste Freundin an einen weiteren Serienkiller. Wer „Die Blutlinie“, den ersten Fall für FBI-Agentin Barrett gelesen hat, der wird bereits festgestellt haben, dass McFadyen in seinen Romanen nicht auf allzu subtilen Thrill setzt, sondern man als Leser von einer Welle aus Gewalt und Schmerz regelrecht überrollt wird. Fast jedes Kapitel liefert einen neuen Schlag in die Magengrube und kein Charakter kommt ohne traumatische Vergangenheit daher, und das ist auch in der Fortsetzung „Der Todeskünstler“ nicht anders.

Die ultimative seelische Zerstörung

Wenn man wie Smoky Barrett die Hölle bereits mehrfach durchschritten hat und in mehrere öffentlichkeits-wirksame Mordfälle verwickelt wurde, hat man sich natürlich auch einen gewissen Ruf „erarbeitet“ und so wird die Ermittlerin zu Beginn des Buches sogar von einer verzweifelten 16-Jährigen zu Hilfe gerufen, deren komplette Pflegefamilie wenige Momente zuvor brutal ermordet wurde und die sich nun eine Pistole an den Kopf hält, um dem Grauen ein Ende zu setzen – denn dieses Grauen hat bereits eine lange Vergangenheit: Seit einem Jahrzehnt wird ihr Leben systematisch von einem unbekannten Mann zerstört, der sich selbst „Todeskünstler“ nennt und die junge Sarah zu seinem ganz besonderen „Kunstprojekt“ gemacht hat, dessen Ziel das ultimative seelische Wrack sein soll. In der Kategorie „gestörte Persönlichkeit“ begegnen sich das Mädchen und die erfahrene FBI-Agentin also praktisch auf Augenhöhe und so überrascht es nicht, dass es sich Smokey zu einer Art persönlicher Mission macht, das lange Leiden Sarahs endlich zu beenden und ihren Peiniger zur Strecke zu bringen.

Eine Chronik des Grauens

„Der Todeskünstler“ kommt mit dem satten Umfang von rund 550 Seiten (in der Taschenbuchausgabe) daher und ist damit sogar noch ein gutes Stück dicker als der Auftaktband, dennoch gelingt es Cody McFadyen auch in der Fortsetzung, das Erzähltempo hochzuhalten und seine Leser früh in ein weiteres seelisches schwarzes Loch zu treiben, denn man merkt schnell, dass der Autor gewillt ist, das Grauen des ersten Buches noch einmal zu übertreffen. Auffällig ist dabei ein neues erzählerisches Element, denn die Haupthandlung wird immer wieder durch längere Tagebucheinträge der 16-jährigen Sarah unterbrochen, in welchen diese das Martyrium ihres Lebens schildert – und diese Zwischenspiele sind zugegeben ein wenig gewöhnungsbedürftig, was mehrere Gründe hat: Zum einen stören sie manchmal ein wenig den Erzählfluss und reißen den Leser aus der Gegenwartshandlung heraus und zum anderen klingen die aus der Sicht der Teenagerin geschriebenen Passagen viel zu erwachsen und so nicht immer ganz glaubwürdig. Dennoch haben diese Einschübe einen nicht unbedeutenden Anteil an der erneut sehr beklemmenden und verstörenden Atmosphäre des Buches, da sie den Schmerz des primären Todeskünstler-Opfers eindrucksvoll auf den Leser übertragen und eine nachvollziehbare Chronik über Sarahs psychischem Niedergang liefern.

Manchmal etwas zu dick aufgetragen

Insgesamt ist der zweite Smoky-Barrett-Band wieder ein sehr packender Thriller mit hohem Suchtpotenzial und hat auch diesmal irgendwie wieder die verstörende Faszination eines Verkehrsunfalls: mann will die vielen Grausamkeiten eigentlich gar nicht ertragen müssen, kann sich aber auch einfach nicht davon abwenden und geht Cody McFadyen somit ein weiteres Mal hilflos ins Netz. Man muss aber auch konstatieren, dass es der Autor nicht selten schon ein wenig übertreibt, was nicht nur die völlig unrealistische Häufung an traumatischen Erlebnissen für alle Beteiligten betrifft, sondern auch einige weitere kleine bis mittlere Unglaubwürdigkeiten, z.B. was den Umgang mit Smokeys Pflegetochter Bonnie betrifft, bei dem es überhaupt keine staatlichen Regularien zu geben scheint oder die fast göttliche Darstellung von „Urmutter“ Elaina, die trotz Krebserkrankung immer perfekt und ohne Schwäche ist. Diese Überzeichnungen helfen zwar oft, die ohnehin schon sympathischen Figuren regelrecht zu idealisieren, manchmal würde man sich aber dennoch eine etwas realistischere Charakterzeichnung wünschen.

Eine packende Fortsetzung mit kleinem Glaubwürdigkeits-Problem

Nichtsdestotrotz ist auch „Der Todeskünstler“ wieder als Pflichtprogramm für hartgesottene Thriller-Fans zu betrachten und knüpft bis auf kleinere Schwächen nahezu an das sehr hohe Niveau des Vorgängers „Die Blutlinie“ an. Der Fall ist wieder dramatisch, spannend und traumatisierend und liefert eine überraschende und gelungene Auflösung, die Charaktere wachsen einem noch mehr ans Herz und wenn man rasanten Thrill mit hohem Sucht- und Schockfaktor vor eine hohe Glaubwürdigkeit stellt, kann man mit diesem Buch nicht viel falsch machen.

Der Todeskünstler (Smoky Barrett #2)
  • Autor:
  • Original Titel: The Face of Death
  • Reihe: Smoky Barrett #2
  • Umfang: 556 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Erscheinungsdatum: 12. Mai 2009
  • Preis Taschenbuch 10,99 €/eBook 8,49 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Cody McFadyen nimmt seine Leser auch im zweiten Band der Smoky-Barrett-Reihe wieder mit auf einen albtraumhaften Höllenritt und fesselt in „Der Todeskünstler“ erneut mit einer spannenden und dramatischen Geschichte, der starke Fokus auf dem Unterhaltungsfaktor kostet durch so manche Unglaubwürdigkeit in Bezug auf die leicht überkonstruierte Handlung und die etwas überzeichneten Charaktere aber hin und wieder etwas Glaubwürdigkeit.

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