Leichenblässe_Rezi

Auch Monate nach dem für ihn gerade noch glimpflich ausgegangenen Aufeinandertreffen mit einer psychopathischen Serienmörderin hat der forensische Anthropologe David Hunter die Geschehnisse immer noch nicht richtig verarbeitet. Hunter steckt tief in einer persönlichen Sinnkrise und auch die Tatsache, dass seine Peinigerin immer noch auf freiem Fuß ist, bereitet ihm nach wie vor Kopfzerbrechen und ein dauerhaftes Gefühl des Unwohlseins. Deshalb entschließt sich Hunter zu einer Auszeit und reist in die USA, wo er in Tennessee eine Weile an der Anthropology Research Facility verbringen will. Die auch als „Body Farm“ bekannte Einrichtung gilt als Maß aller Dinge in der Erforschung des Verwesungsprozesses von Leichen und hat Hunter schon zu Beginn seiner Forensiker-Laufbahn viele wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen geliefert. Unter der erneuten Anleitung seines damaligen Mentors Tom Lieberman will Hunter seinen Aufenthalt auf der Farm nun zur Weiterbildung nutzen und bekommt auch gleich Gelegenheit zur praktischen Anwendung seines Wissens: Kurz nach der Ankunft wird in einer verlassenen Hütte in den Smoky Mountains nämlich die extrem verweste Leiche eines Mannes gefunden, der offenbar einen besonders grausamen Tod sterben musste. Hunter assistiert Lieberman bei der Untersuchung der sterblichen Überreste und muss schnell feststellen, dass die Mordlust des Täters mit diesem schrecklichen Verbrechen noch lange nicht gestillt ist…

Traumabewältigung und Mordermittlung zwischen verwesenden Leichen auf der Body Farm

Wer zumindest ab und zu mal eine Krimiserie im Fernsehen schaut oder hin und wieder einen Thriller zur Hand nimmt, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal von der sogenannten „Body Farm“ der Universität von Tennessee gehört haben. Auf diesem rund 12.000 Quadratkilometer großen Freiluftgelände werden zahlreiche der Wissenschaft zur Verfügung gestellten Leichen ihrem Verfall überlassen, welcher von den forensischen Mitarbeitern der Einrichtung minutiös dokumentiert und analysiert wird, um herauszufinden, wie der menschliche Körper unter verschiedensten Bedingungen verwest. Was für die meisten wie die Kulisse eines besonders ekligen Horrorfilms wirkt und schon beim Gedanken an üblen Verwesungsgeruch und kaum noch als menschliche Körper zu identifizierende Überreste ein Gefühl der Übelkeit hervorrufen dürfte, ist für jeden Rechtsmediziner hingegen wohl das Paradies auf Erden und so überrascht es wenig, dass auch Simon Becketts Romanfigur David Hunter, seines Zeichens eben nun mal forensischer Anthropologe, von diesem Ort besonders fasziniert ist. So wird die Body Farm für Hunter in „Leichenblässe“, dem dritten Band der ungemein erfolgreichen Thrillerreihe, fast schon zu einem Kurort, an dem der Wissenschaftler nach den dramatischen und für ihn auch sehr traumatischen Ereignissen im Vorgänger „Kalte Asche“ wieder auf neue Gedanken kommen und mit seinem früheren Mentor sozusagen zur Ablenkung ein paar Leichen zerfleddern will.

Wie üblich nichts für schwache Mägen

Nun muss man kein Hellseher sein um zu erahnen, dass die Erholungs- und Weiterbildungsmaßnahme schnell zum bitteren Ernst wird und David Hunter mal wieder in einem schrecklichen Mordfall ermitteln muss – diesmal zwar aufgrund des Auslandeinsatzes mit kaum vorhandenen Befugnissen, dafür fällt der Mord passend zum unappetitlichen Setting der Geschichte aber besonders eklig aus: das Opfer wurde in einer abgelegenen Hütte gefesselt und äußerst grausam zu Tode gefoltert, und da der Tatort vom Täter zudem extrem aufgeheizt wurde und der Tote schon eine ganz Weile dort lag, ist die Leiche auch in einem entsprechend schlimmen Zustand. David-Hunter-Fans dürften sich also schnell zu Hause fühlen, denn auch im dritten Band werden natürlich wieder verweste menschliche Überreste bis ins kleinste Detail untersucht und Maden und andere Insekten seziert, sodass man auf jeden Fall nicht mit einem empfindlichen Magen an die Geschichte herantreten sollte. Wer sich allerdings aufgrund des „Body Farm“-Settings besonders spektakuläre Ausführungen und noch tiefere Einblicke in das Gebiet der forensischen Anthropologie erhofft hat, dürfte jedoch ein wenig enttäuscht werden, denn von der Einrichtung selbst macht Simon Beckett in der Handlung eher wenig Gebrauch und man hat vielmehr das Gefühl, diese diene vorrangig der Zusammenführung von Hunter und seinem alten Lehrmeister. Das ist ein wenig schade, denn hier hätte ich mir deutlich mehr Informationen über die Arbeit an der Body Farm gewünscht.

Der zwar schwächste Teil der Reihe, aber immer noch ein spannender Thriller

Auch die Story selbst kann leider nicht ganz so mitreißen wie bei den beiden Vorgängerbänden, wobei der Grund dafür nicht ganz eindeutig auszumachen ist. Es passiert eigentlich genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen und Beckett hat seiner Geschichte auch einige Wendungen verpasst, trotzdem wollte der Funke bei mir nie so richtig überspringen. Das liegt vielleicht auch ein wenig an den teilweise etwas klischeehaft geratenen Charakteren, wie sich z.B. bei dem selbstverliebten Star-Profiler, dem mürrischen und jegliche Unterstützung des Gast-Forensikers ablehnenden Ermittlungsleiters oder der bildhübschen Laborassistentin zeigt. Der Hauptgrund für die diesmal nicht ganz überzeugende Story dürfte aber wohl sein, dass die Handlung diesmal weniger raffiniert ausfällt und Beckett hauptsächlich auf einen hohen Ekelfaktor und möglichst schockierende Entwicklungen setzt, sodass die Geschichte manchmal ein wenig schablonenhaft und oberflächlich wirkt. So ist „Leichenblässe“ zwar ein kurzweiliger und immer noch guter Thriller, kommt aber nicht an die Klasse der beiden ersten David-Hunter-Romane heran. Pluspunkte gibt es aber für die wieder einmal sehr gute Lesung von Johannes Steck, der die Geschichte nicht nur gewohnt stimmungsvoll interpretiert, sondern auch einen nicht geringen Anteil daran hat, dass der große Plottwist am Ende zumindest in der Hörbuchfassung recht überraschend kommt. So ist „Leichenblässe“ für mich zwar der bisher schwächste Band der Reihe, verspricht aber immer noch einige Stunden spannender Unterhaltung.

Leichenblässe (David Hunter #3)
  • Autor:
  • Sprecher: Johannes Steck
  • Original Titel: Whispers of the Dead
  • Reihe: David Hunter #3
  • Länge: 10 Std. 47 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Argon Verlag
  • Erscheinungsdatum: 11. März 2009
  • Preis 20,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Simon Becketts dritter David-Hunter-Thriller „Leichenblässe“ geizt wie gewohnt nicht mit unappetitlichen Details, der aber im Vergleich zu den Vorgängern nicht ganz so raffiniert gestrickte Plot sorgt diesmal jedoch nicht für den ganz großen Nervenkitzel, zumal Beckett das Potenzial seines „Body Farm“-Settings auch nicht voll ausschöpft.

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