Atlanta Burns_Rezi

Auch wenn die schmächtige Atlanta Burns trotz ihrer feuerroten Haare optisch keinen besonders einschüchternden Eindruck macht, ranken sich an ihrer High School die Gerüchte, dass man sich besser nicht mit dem jungen Mädchen anlegen sollte. Man munkelt, dass Atlanta einen äußerst lockeren Umgang mit der Shotgun pflegt und auch die lange schulische Auszeit aufgrund einer therapeutischen Behandlung spricht sicherlich nicht für die psychische Gesundheit der Teenagerin. Atlanta selbst sind die Gerüchte aber ziemlich egal, sie hat sich mit ihrer Rolle als Außenseiterin längst abgefunden und auch kein Interesse daran, irgendwelche sozialen Kontakte zu knüpfen und in fremde Angelegenheiten hereingezogen zu werden. Als sie dann aber eines Tages beobachtet, wie ein junger venezolanischer Junge von drei Halbstarken drangsaliert und in einen Müllcontainer gezwungen wird, kann Atlanta aber doch nicht wegsehen wie alle anderen und mischt sich wenn auch widerwillig in die Mobbing-Attacke ein – unerschrocken und mit Pfefferspray bewaffnet. Tatsächlich kann sie den Jungen aus seiner misslichen Lage befreien, steht nach ihrem beherzten Eingreifen aber nun selbst im Fokus der Schläger – doch mit Atlanta Burns haben sie sich für ihre fiesen Angriffe eindeutig das falsche Opfer ausgesucht…

Ein Young-Adult-Roman der etwas lauteren Sorte

Wenn Chuck Wendig einen YA-Roman schreibt, kann man sich als erfahrener Leser des Autors eigentlich schon denken, dass es in diesem Buch wohl alles andere als zimperlich zugehen wird – da ändert auch das jugendliche Alter der Hauptfigur nichts daran. Atlanta Burns ist dann auch in nahezu jeder Hinsicht eine typische Chuck-Wendig-Protagonistin: Außenseiterin, nach traumatischen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit von ihren ganz persönlichen Dämonen verfolgt, nach außen hin aber unerschrocken und mit harter Schale. Vielleicht braucht man diese Art des Selbstschutzes aber auch, wenn man wie Atlanta die Erfahrung gemacht hat, dass einem niemand zu Hilfe kommt und man selbst die einzige Person ist, die einen beschützen kann – notfalls eben auch mit der Gewalt einer Shotgun. Dementsprechend eilt ihr nach einem vom Autor lange Zeit nur vage angedeuteten Vorfall der zweifelhafte Ruf der gewaltbereiten Psychopathin voraus, was aber auch gar nicht so schlecht ist, wenn man wie Atlanta Burns eigentlich nur seine Ruhe haben will. Denn kaum setzt sie sich einmal für einen hilflosen und gemobbten Mitschüler ein, hat sie nicht nur den sich vor Dankbarkeit überschlagenden Jungen an der Backe, sondern auch dessen Angreifer, welche Atlantas Pfefferspray-Attacke wenig überraschend gar nicht mal so lustig fanden und wütend nach Rache streben.

Die kleine Schwester von Miriam Black im Kampf gegen Mobbing

Atlanta weiß kaum wie ihr geschieht und innerhalb von wenigen Tagen wird sie von der gefürchteten Außenseiterin zur furchtlosen Vertreterin der Mobbing- und Prügelopfer und bekommt Aufträge von den verzweifelten Seelen ihrer High School. Müsste man die Protagonisten beschreiben, so könnte man sie vermutlich am besten als Veronica Mars auf Aufputschmitteln oder – ganz in Chuck-Wendig-Tradition – als kleine Schwester von Miriam Black bezeichnen. Und auch wenn „Atlanta Burns“ zwischenzeitlich ein sehr gewalttätiger und vulgärer Roman ist und oft haarscharf an den den Grenzen einer vertretbaren Jugendfreigabe schrammt, so ist dieser Roman zugleich doch so viel mehr als nur eine unterhaltsame Hau-Drauf-Orgie. Im Zentrum der Geschichte stehen nämlich viele schwierige Themen wie Mobbing, sexueller Missbrauch, Homosexualität, Selbstmord, häusliche Gewalt, Vernachlässigung, Drogen oder Hasskriminalität – und selbst der Tierschutz kommt in dem Buch nicht zu kurz.

Ein unterhaltsames Plädoyer für die Außenseiter und Andersartigen

Dementsprechend wird im Laufe dann auch klar, was Wendigs Widmung „This book is for the bullied“ bereits andeutet: „Atlanta Burns“ ist ein beherztes Plädoyer für die Außenseiter und Andersartigen und ist zwischen all den Gewaltszenen auch ein Mutmacher, der überraschend viel Herz zeigt. Natürlich ist Atlanta Burns mit ihrem lockeren Abzugsfinger und ihrem Tablettenkonsum vielleicht nicht gerade ein besonders schillerndes Vorbild, trotzdem wird man dieses mutige und hinter der vorlauten Fassade sehr zerbrechliche und leider auch bereits gebrochene Mädchen schnell ins Herz schließen – ebenso wie ihre Mitstreiter, den verschüchterten Shane (der nicht selten an Pedro aus „Napoleon Dynamite“ erinnert), den schillernden Chris oder ihren Drogendealer Guy. Wer sogenannte „kick-ass heroines“ mag, ein Herz für mutige Außenseiter hat und auch vor gewalttätigen Szenen und vulgärer Sprache nicht zurückschreckt, bekommt mit „Atlanta Burns“ eine sehr kurzweilige Geschichte mit überraschend ernster Note geboten, die zu gleichen Teilen unterhält, verstört und bewegt. Kleiner Hinweis noch zum Schluss: Das Buch vereint die beiden Geschichten „Shotgun Gravy“ und „Bait Dog“, der Übergang zwischen den ersten beiden Atlanta-Burns-Abenteuern ist inhaltlich aber nahezu fließend und kaum wahrnehmbar. Mögen hoffentlich noch viele weitere Romane mit dieser angenehm unangepassten Heldin folgen!

Atlanta Burns
  • Autor:
  • Reihe: Atlanta Burns #1+2
  • Umfang: 381 Seiten
  • Verlag: Skyscape
  • Erscheinungsdatum: 27. Januar 2015
  • Preis Taschenbuch 11,99 €/eBook 3,49 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Chuck Wendigs „Atlanta Burns“ ist auf den ersten Blick ein unterhaltsamer, aber recht gewalttätiger und vulgärer YA-Rache-Thriller, hinter der harten Schale verbirgt sich aber ein flammendes Plädoyer für alle Außenseiter und Mobbing-Opfer mit überraschend viel Herz.

Fatal error: Uncaught Error: Call to undefined function MRP_show_related_posts() in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/themes/Monster/single.php:19 Stack trace: #0 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-includes/template-loader.php(78): include() #1 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-blog-header.php(19): require_once('/www/htdocs/w00...') #2 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/index.php(17): require('/www/htdocs/w00...') #3 {main} thrown in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/themes/Monster/single.php on line 19