Looking Good Dead_Rezi

Alles, was den Geschäftsmann Tom Bryce noch von einem erholsamen Feierabend im Kreise seiner geliebten Familie trennt, ist die nachmittägliche Zugfahrt von seinem Londoner Arbeitsplatz nach Brighton – doch diese soll sein Leben für immer verändern. Als sein dicker und mit lauten Telefonaten dauernervender Sitznachbar nämlich endlich aussteigt, fällt Tom die CD auf, die der Mann offenbar vergessen hat. Nichtsahnend steckt er das Fundstück ein, um dies zuhause genauer zu überprüfen und dadurch möglicherweise Hinweise auf die Identität des Fremden zu finden, um die CD anschließend zurückzugeben. Doch als Tom Bryce die CD abends in seinen Computer schiebt, traut er seinen Augen kaum: Plötzlich startet ein Film, der eindeutig zeigt, wie eine junge Frau brutal von einem Mann ermordet wird. Verstört versucht der Familienvater, das Gesehene herabzuspielen und zu verdrängen – doch den Produzenten ist Toms Zugriff auf das Video nicht unentdeckt geblieben und das Leben von ihm und seiner Familie ab sofort in großer Gefahr…

Der zweite Fall für DSI Roy Grace

„Looking Good Dead“ ist der zweite Band des britischen Autors Peter James um den Detective Superintendent Roy Grace, der an Englands Südküste in Brighton and Hove auf Verbrecherjagd geht. In seinem aktuellen Fall bekommt es dieser mit einem besonders grausamen Mord zu tun, denn in einem Müllbeutel auf einem Rapsfeld wurden Teile einer Frauenleiche gefunden – von Kopf und Armen fehlt jede Spur. Als halbwegs erfahrener Krimileser muss man nun keine begnadete Spürnase zu sein, um eine Verbindung zu dem Video zu ziehen, dass wenig zuvor das scheinbar so idyllische Leben von Tom Bryce von einem Moment auf den anderen ins Chaos gestürzt hat. Da man in der Anfangssequenz sogar noch einen Blick auf den Mann erhaschen konnte, der die CD mit dem grausamen und schockierenden Film bei sich trug, ist im Prinzip zu einem relativ frühen Zeitpunkt des Buches alles klar – warum sollte man sich als Leser dann also noch durch weitere knapp 500 Seiten kämpfen?

Familiendrama und Krimi in einem

Genau das habe ich mich nach den ersten Kapiteln auch gefragt, da mich Peter James aber mit seinem ersten Roy-Grace-Krimi „Dead simple“ nahezu restlos begeistern konnte, blieb ich aber neugierig und arbeitete mich geduldig durch die trotz Schock-Video und verstörendem Leichenfund eher gemächliche Anfangsphase – und wurde dafür mit einem grandiosen Krimi belohnt, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Denn nur weil der Autor hier auf undurchsichtig ineinander verwobene Handlungsstränge verzichtet und seine Geschichte recht geradlinig auf nur zwei verschiedenen Ebenen aufzieht, ist „Looking Good Dead“ keinesfalls langweilig. Einen großen Teil der Spannung zieht der Roman nämlich aus der Geschichte um das Schicksal der Familie Bryce, deren Leben durch den simplen Fund einer verlorenen CD völlig aus dem Ruder läuft. Was von Peter James auf den ersten Seiten noch als nahezu perfekte Familienidylle dargestellt wird, lässt unter dem enormen Druck und in der emotionalen Ausnahmesituation auch schnell die Schattenseiten der Bryces zum Vorschein kommen – und diese werden von James minutiös und schonungslos aufgedeckt, was mindestens ebenso packend ist wie die Frage, ob und wie es Tom gelingen wird, das Leben seiner Kinder und seiner Frau zu retten.

Wenig Action, dafür authentische Ermittlungsarbeit

Auf der anderen Seite gibt es da aber natürlich noch den „normalen“ Krimiplot, der zwar relativ nüchtern und ohne große Effekthascherei erzählt wird, was sich aber schnell zur großen Stärke dieses Handlungsstrangs entwickelt. Hier hat man im Vergleich zu vielen anderen Krimis und Thrillern nämlich immer das Gefühl, es wirklich einmal mit einer realistischen Darstellung von Polizeiarbeit zu tun zu haben. Roy Grace und Kollegen müssen mühsam Hinweis um Hinweis überprüfen, laufen dabei immer wieder in eine Sackgasse, nur um sich voller Zuversicht auf die nächste wenig versprechende Spur zu stürzen. „Looking Good Dead“ ist definitiv kein Action-Thriller, stattdessen sitzt man regelmäßig in Meetings des Ermittlerteams oder wühlt sich im Keller der kühl und steril wirkenden Polizeistation durch Rechner und Festplatten – immer auf der Suche nach dem einen Indiz, das den Durchbruch in den Ermittlungen darstellt.

Sympathischer Protagonist, starke Teamarbeit

Neben der glaubwürdigen Darstellung der Polizeiarbeit punktet das Buch auch mit den starken Charakteren, allen voran natürlich DSI Roy Grace. Denn auch wenn dieser auf den ersten Blick wie der obligatorische Ermittler mit privatem Trauma (seine Frau verschwand vor Jahren spurlos) wirkt, so ist Grace von Anfang an sehr sympathisch und sammelt mit einer akribischen Vorgehensweise und trockenem Polizisten-Humor mächtig Pluspunkte. Besonders in den Dialogen mit anderen Teammitgliedern hat man stets das Gefühl, es mit einem verschworenen Haufen zu tun zu haben, der für die Gerechtigkeit auch mal das eigene Privatleben auf eine harte Probe stellt. Hier hat Peter James wirklich tolle Charaktere geschaffen, mit denen man gerne die mühsame Fallarbeit auf sich nimmt. Und weil auch die Geschichte trotz der vermeintlich vorhersehbaren Ausgangssituation durchgängig Spannung auf einem hohen Niveau bietet und dabei stets nachvollziehbar und authentisch wirkt, ist auch „Looking Good Dead“ wieder ein ganz starker und uneingschränkt empfehlenswerter Kriminalroman!

Looking Good Dead
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Stirb schön
  • Reihe: Roy Grace #2
  • Umfang: 526 Seiten
  • Verlag: Pan Macmillan
  • Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2006
  • Preis Taschenbuch 8,51 €/eBook 1,79 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Sympathische Ermittler, glaubwürdige Polizeiarbeit, packender und durchdachter Krimiplot – Peter James schließt mit "Looking Good Dead" nahtlos an den starken Vorgänger an und liefert erneut clevere und spannende Unterhaltung.

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