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13 Stunden hat der südafrikanische Inspektor Bennie Griessel Zeit, um nicht nur den Mord an einem Musikproduzenten, sondern auch den gewaltsamen Tod einer amerikanischen Touristin aufzuklären.

Es ist kurz nach halb sechs Uhr morgens, als Inspektor Bennie Griessel vom Läuten seines Telefons aus dem Schlaf gerissen wird. Neben einer Kirche in Kapstadt wurde die Leiche einer jungen Frau aufgefunden, die neben zahlreichen Schnittwunden eine durchgeschnittene Kehle aufweist. Was den Fall besonders brisant macht: Bei der Toten handelt es sich nicht nur um eine Weiße, was ohnehin schon einen großen Aufruhr in Kapstadt verursachen würde – das Opfer stellt sich zudem auch noch als amerikanische Rucksacktouristin heraus, sodass der Mord an dem Mädchen auch internationale Beachtung auf sich zieht.

Zwei brisante Mordfälle in Kapstadt

Keine leichte Aufgabe also für Griessel, der in diesem Fall die Verantwortung übernehmen und als Mentor für seine jungen Kollegen fungieren soll. Allerdings wird er wenig später zu einem weiteren Tatort gerufen, an dem einen nicht weniger heikler Mord passiert ist. Ein berühmter südafrikanischer Musikproduzent wurde in seinem Wohnzimmer erschossen, und da neben seiner Leiche die Frau des Mannes mit der Tatwaffe gefunden wird, scheint der Fall klar und die Täterin gefasst. Doch Griessel hat Zweifel, dass die Ehefrau wirklich für den Mord verantwortlich ist, und stolpert in seinen Ermittlungen über immer mehr Ungereimtheiten, die ihn in seiner Theorie bestätigen…

Der zweite Einsatz für Deon Meyers Ermittler Bennie Griessel

„13 Stunden“ ist der zweite Thriller des südafrikanischen Autors Deon Meyer über den Kapstadter Polizisten Bennie Griessel und konfrontiert den Inspektor gleich mit zwei aufsehenerregenden Mordfällen auf einmal: dem Mord an einer amerikanischen Touristin und der Tötung eines berühmten Musikproduzenten. Griessel soll in den Fällen aber nicht als eigentlicher Ermittler auftreten, sondern vielmehr die Arbeit der nachkommenden Generation überwachen und koordinieren – und damit möglicherweise auch seine eigene Karrie vorantreiben, denn eigentlich ist seine Beförderung zum Kaptein nach mehr als 25 Dienstjahren längst überfällig. Allerdings hat Griessel einen dicken Makel in seiner Akte vorzuweisen, denn er hatte in jüngerer Vergangenheit ein starkes Alkoholproblem und ist erst seit wenigen Monaten trocken. Das ist übrigens auch der Grund, warum der Ermittler nicht nur beruflich unter Beobachtung steht, sondern sich auch im privaten Leben bewähren muss – denn zeitgleich mit der Mordermittlung läuft auch ein Ultimatum ab, dass Griessels von ihm getrennt lebende Frau ihm vor einem halben Jahr gestellt hat: Übersteht er sechs Monate ohne den Griff zur Flasche, würde sie nochmal über eine Rückkehr zu ihm nachdenken.

Komplexe Story mit kleineren Längen

Viel zu tun also für den Protagonisten von „13 Stunden“, und er hat dazu gerade mal einen halben Tag Zeit, wenngleich mir diese zeitliche Begrenzung etwas gekünstelt vorkam und wohl nur dazu diente, die Spannung in dem Roman noch etwas anzutreiben. Diese bewegt sich nämlich auf einem zwar durchaus soliden Level, sorgt aber auch nicht gerade für besorgniserregende Herzfrequenzen. Das liegt unter anderem an der relativ komplex angelegten Story, die sich wie oben erwähnt um mehrere offene Baustellen dreht und dementsprechen auch häufig zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und herspringt. Das ist in manchen Fällen packend, z.B. wenn man zwischendurch eine weitere junge Touristin auf der Flucht vor ihren Verfolgern begleitet, sorgt während der Schilderung der Ermittlungsarbeit aber für gewisse Längen, etwa wenn die Verantwortlichkeiten geklärt werden müssen und die Zusammenarbeit der in den Fall verwickelten Behörden koordiniert werden muss. Dadurch gewinnt der Roman zwar an Authentizität, das geht aber manchmal auch etwas auf Kosten der Spannung.

Glaubwürdiges Südafrika-Setting

Was Deon Meyer hingegen gut gelungen ist, ist die Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Südafrika im Allgemeinen und dem Schauplatz Kapstadt im Speziellen. Selbst wenn die Zeiten der Apartheid nun schon einige Jahre zurückliegen, steht das Miteinander von weißer und schwarzer Bevölkerung immer noch auf wackeligen Beinen, was z.B. auch die Reaktionen auf den Leichenfund der amerikanischen (weißen) Touristin zeigen – während sich bei einer ermordeten Farbigen die Aufregung vermutlich in überschaubaren Grenzen gehalten hätte, sorgt der Tod einer Weißen für große Anspannung aufgrund der unvorhersehbaren Reaktionen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Gut, aber nicht überragend

Mittendrin bewegt sich der weiße Inspektor Bennie Griessel, der sich um die Hautfarben der Menschen erfreulicherweise keine Gedanken macht und als gewissenhafter und durchaus sympathischer Polizist und Mensch auftritt. Dass auch er mit der obligatorischen Ermittlerkrankheit, einem ernsthaften Alkoholproblem, „gesegnet“ ist, ist zwar nicht sonderlich originell, wird von Deon Meyer aber immerhin sinnvoll in die Geschichte integriert. Alles in allem ergibt sich so ein solider Südafrika-Thriller, der aber bei weitem nicht an die erzählerische Wucht der ähnlich angelegten Werke von Roger Smith („Kap der Finsternis“) herankommt.

Fazit:
Solider Südafrika-Thriller mit komplexer Story und glaubwürdigem Setting, dem es manchmal aber etwas an Spannung mangelt (7/10).

Buchcover
Autor: Deon Meyer; Originaltitel: 13 uur (Thirteen Hours); Umfang: 480 Seiten; Verlag: aufbau; Erscheinungsdatum: 02. März 2010; Preis: Taschenbuch 9,99 €/eBook 7,99 €.

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