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Zwölf Jahre, nachdem C.J. Townsend als Jurastudentin von einem Mann brutal überfallen und vergewaltigt wurde, steht sie ihrem Peiniger plötzlich erneut gegenüber: Sie als Staatsanwältin, er als Angeklagter in einem Serienmord-Prozess…

New York, 1998: Die Jurastudentin Chloe Larson steckt mitten in den Lernvorbereitungen für ihr Staatsexamen und hat sich nur widerwillig von ihrem Freund zu einem gemeinsamen Essen überreden lassen. Allerdings hofft sie insgeheim, dass Michael ihr an diesem Abend endlich einen Heiratsantrag machen wird, schließlich wäre ihr Jahrestag dazu die perfekte Gelegenheit. Der Abend verläuft jedoch anders als erhofft, und so landet Chloe nach einem Streit abends alleine in ihrer Wohnung – ohne Freund und erst recht ohne Verlobungsring. Es kommt aber noch schlimmer: Während sie schläft dringt ein Mann in ihr Schlafzimmer ein, überwältigt die junge Frau und vergewaltigt sie in den kommenden Stunden auf brutale Art und Weise. Chloe überlebt den Angriff nur mit Glück und mit schweren Verletzungen, doch plötzlich ist in ihrem Leben nichts mehr wie es einmal war.

Staatsanwältin trifft nach 12 Jahren auf ihren Vergewaltiger – den Hauptverdächtigen einer Mordserie

Zwölf Jahre später lebt Chloe weit weg vom Ort ihres Traumas im sonnigen Miami, hat ihren Namen zu C.J. Townsend ändern lassen und es beruflich zur Staatsanwältin gebracht. Aktuell ermittelt sie in einer schockierenden Mordserie, der bereits mindestens neun Frauen zum Opfer gefallen sind – zwei weitere werden noch vermisst. Alle Opfer wurden tot und übel zugerichtet aufgefunden, zudem hat der Täter ihnen das Herz entfernt. Die ganze Stadt ist angespannt und verängstigt, doch es gibt keine vielversprechende Spur zum Mörder, der von den Medien auf den Namen „Cupido“ getauft wurde – bis ein Zufall plötzlich für einen Durchbruch sorgt: Bei einer Verkehrkontrolle wird der Fahrer eines schwarzen Jaguars angehalten, da die Polizei einen anonymen Hinweis auf einen Drogentransport erhalten hat. Im Kofferraum des Wagens macht der Streifenpolizist aber eine noch viel schlimmere Entdeckung: er findet den verstümmelten Körper einer jungen Frau, der das Herz entnommen wurde – Cupido ist gefasst. C.J. Townsend übernimmt im anschließenden Prozess die Rolle der Anklägerin und bekommt im Gerichtssaal den Schock ihres Lebens: Der Angeklagte ist der Mann, der sie vor zwölf Jahren vergewaltigt hat…

Spannendes Szenario mit vielen Reizpunkten

Das ist doch mal eine ungewöhnliche Ausgangssituation für einen Thriller: Es gibt keine große Spurensuche und Täterfahndung, sondern der Serienmörder steht schon nach den ersten Kapiteln fest. Zudem ist die Staatsanwältin selbst ein früheres Opfer des Täters und es wird klar, wie viel Glück sie damals noch gehabt hat, wenn man ihr Schicksal mit dem der Frauen vergleicht, für welche die Begegnung mit Cupido tödlich endete. Allerdings hat sie nach ihrer Flucht aus New York niemanden außer ihrem Therapeuten von der Vergewaltigung erzählt, sodass sie nun vor einem Dilemma steht. Eigentlich darf sie die Anklage in diesem Prozess gar nicht übernehmen, da sie in diesem Fall eindeutig befangen ist. Andererseits bietet ihr das Verfahren nun die Möglichkeit, ihrem Peiniger endlich seiner gerechten Strafe zuzuführen und damit einen wichtigen Schritt zur Bewältigung ihres Traumas zu machen. Es stellt sich aber auch die Frage, ob C.J. die Wochen während des Prozesses überhaupt seelisch und physisch durchstehen kann oder ob die Konfrontation mit ihrem Vergewaltiger sie wieder zurück in Depressionen und Panikattacken stürzt.

Detaillierte Charakterzeichnung

Hier wird bereits deutlich, dass es sich bei Jilliane Hoffmans „Cupido“ nicht unbedingt um einen typischen Thriller handelt. Ein großer Teil der Geschichte spielt im Gerichtssaal, außerdem stehen weniger der Fall, sondern eher die beteiligten Personen im Vordergrund der Handlung. Es ist dabei sehr interessant zu sehen, wie die einzelnen Figuren mit ihrer jeweiligen Situation umgehen, wenngleich diese ausführliche Charakterzeichnung auch ein wenig die Spannung aus der Story herausnimmt. Die Autorin nimmt sich sehr viel Zeit für ihre Protagonisten und auch für die einzelnen Abschnitte des Gerichtsprozesses. Detailliert werden einzelne Beweisstücke untersucht, Akten durchgewälzt und Zeugenbefragungen vorbereitet – wer reißerische Action sucht, ist hier definitiv falsch. Dennoch ist das Buch packend, zumal die Anklage trotz vermeintlich eindeutiger Beweise auf sehr wackeligen Beinen steht und die Hauptfigur gezwungen ist, unangenehme Entscheidungen zu treffen, die nicht immer unbedingt im Einklang mit ihrer Tätigkeit als Vertreterin des Gesetzes stehen.

Gut, aber nicht ohne Schwächen

Trotz der guten Story ist aber auch „Cupido“ nicht ohne Schwächen: Die immer wieder angedeutete Liebesgeschichte wird auf Dauer mit dem ewigen Hin und Her ein wenig anstrengend, zudem kommt durch die Fokussierung auf C.J. Townsend ihr Gegenspieler deutlich zu kurz. Dieser bleibt über weite Strecken der Handlung nämlich ziemlich blass und wird dem Appetitanreger auf dem Buchumschlag („Vergessen Sie Hannibal Lecter“) in keinster Weise gerecht. So ist der Feldzug der Staatsanwältin oft mehr ein Duell gegen sich selbst als ein Duell gegen ihren Peiniger. Außerdem wird das Ende des Prozesses viel zu schnell abgehandelt, hier bekommt der Leser z.B. nicht mal ausführliche Einblicke in die Schlussplödoyers. Wenn man sich schon so ausführlich einem Gerichtsverfahren widmet, dann sollte der entscheidende Teil doch auch die angemessene Aufmerksamkeit bekommen. Insgesamt ist „Cupido“ damit zwar ein guter und spannender Thriller, der für die weiteren Teile der Reihe aber noch Luft nach oben lässt. Zudem hat man nach dem Schluss des Buches das Gefühl, dass die Geschichte irgendwie noch nicht richtig zu Ende erzählt wurde…

Fazit:
Packender und ungewöhnlicher Justizthriller, der viel Wert auf die Charakterzeichnung der Hauptfigur legt, dabei allerdings andere wichtige Aspekte zu sehr aus den Augen verliert (7/10).

Buchcover
Autorin: Jilliane Hoffman; Originaltitel: Retribution; Umfang: 480 Seiten; Verlag: rororo; Erscheinungsdatum: 02. Mai 2005; Preis: Taschenbuch 9,99 €.

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