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Ein Familienvater führt mit seiner Frau und seinem Sohn ein beschauliches Leben in der kanadischen Provinz, bis ihn plötzlich seine Vergangenheit einholt und die Familienidylle in einen Albtraum verwandelt.

Donald Miller hat auf den ersten Blick alles, was man zum Glücklichsein braucht: Er führt eine liebevolle Ehe mit seiner Frau Sammy, hat einen aufgeweckten kleinen Sohn und lebt weitestgehend sorgenfrei in einem schönen Haus im kanadischen Sasketchewan, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Da Sammy Herausgeberin der regionalen Zeitung und Tochter eines sehr wohlhabenden Unternehmers ist, müssen die Millers auch keine finanziellen Engpässe befürchten und so kann Donnie seine reichlich bemessene Freizeit mit dem Schreiben von Filmkritiken oder leichten Haushaltsarbeiten verbringen – es könnte wirklich schlimmer kommen.

Wenn die Schatten der Vergangenheit einen einholen…

Das alles ändert sich aber schlagartig, als er eines Tages den Familienhund tot auf dem Anwesen der Millers findet. An einen Unfall oder eine Attacke durch ein wildes Tier glaubt er selbst nicht, dazu weist der Kadaver viel zu eindeutig die Spuren einer Gewalttat auf – und Donnie wird schlagartig klar, dass die Schatten seiner bewegten Vergangenheit ihn nach all den Jahren doch noch eingeholt haben. Von einem Moment auf den anderen ist das glückliche Familienleben vorbei und Donnie muss alles tun, um seine Frau und seinen Sohn vor seinen Feinden zu beschützen…

Ungewohnt ernste Töne des schottischen Autors John Niven

Der schottische Autor John Niven war bisher vor allem für seine bissigen Satiren wie „Kill your friends“ oder „Gott bewahre“ bekannt, in denen er kein Blatt vor den Mund nahm und der Gesellschaft drastisch und mit schwarzem Humor die eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen führte. Mit seinem neuen Werk „Das Gebot der Rache“ geht Niven jedoch einen anderen Weg: Wer hier Comedy erwartet, liegt völlig falsch, stattdessen liefert der Schotte eine kompromisslose Rachestory, deren Wirkung aber nicht weniger eindringlich ist.

(Zu) Lange und (zu) gemächliche Aufwärmphase

Bis es so weit kommt, darf der Leser (bzw. Hörer) aber noch eine ganze Weile an der Miller’schen Familienidylle teilhaben und die Annehmlichkeiten eines Lebens in Wohlstand und Sorglosigkeit genießen. Richtig viel passiert in den ersten Stunden nämlich nicht und wirklich interessant wird es eigentlich nur, wenn Niven seinem Publikum häppchenweise Rückblenden vorwirft, welche Szenen aus der Jugendzeit der Hauptfigur schildern. Diese zeichnen ein ganz anderes Bild des Donald Miller, denn von der sorglosen Zukunft war damals noch nicht ansatzweise etwas zu ahnen. Geboren und aufgewachsen in Schottland führte Donnie nämlich ein eher schwieriges Leben in der sozialen Unterschicht, das überwiegend von Gewalt und Armut geprägt war. Auch bei diesen Rückblicken geht der Autor eher gemächlich vor, doch dem geübten Leser schwant bereits, dass hier bald der große Knall folgen wird, der maßgebliche Auswirkungen auf den Fortgang der Gegenwartshandlung zur Folge hat.

Schonungsloses und gewalttätiges Schlussdrittel

Um die Spannung zu erhalten soll es das mit dem Inhalt auch gewesen sein, wer mehr erfahren möchte kann sich gerne den offiziellen Klappentext des Buches durchlesen, der wieder einmal zeigt, wie man es nicht machen sollte. Natürlich ist es nachvollziehbar, wenn man den Leser mit der Ankündigung von Gewalt und Schrecken ködern will, dass man dabei aber rund zwei Drittel der Handlung spoilert, ist absolut unverzeihlich. Mit dem dort vorweggenommenen Wendepunkt nimmt die Geschichte dann aber schlagartig an Fahrt auf, was auf den Leser gelegentlich die Wirkung eines Schlages in die Magengegend haben kann. Das liegt zum einen an unerwarteten Enthüllungen, welche die Handlung und Charaktere in einem veränderten Licht erscheinen lassen, aber auch an den ziemlich heftigen Gewalteruptionen, mit denen John Niven seinem Publikum einiges zumutet. Diese brutalen Szenen sind zwar selten, wirken durch ihr plötzliches Auftauchen aber nur umso intensiver. Hier stellt sich fast zwangsläufig die Frage, ob diese Brutalität für die Geschichte wirklich notwendig ist – ich würde sagen „ja“, denn dadurch werden die Motive der einzelnen Figuren nachvollziehbarer und auch die vom Autor aufgeworfene Schuldfrage erhält dadurch zusätzlichen Diskussionsstoff. Die Herangehensweise Nivens an diesen Aspekt ist für mich ohnehin das Highlight des Buches, da er hier weitestgehend wertungsfrei bleibt und man sich als Leser selbst ein Urteil über Recht und Unrecht bilden kann. Dadurch wird mit dem Schlussteil auch die ein oder andere langatmige Passage der Einführungsphase wettgemacht. Noch ein Wort zum Sprecher: Gerd Köster liest das Buch eindringlich und routiniert, wirkt für meinen Geschmack in manchen Momenten aber zu ruhig und emotionslos.

Fazit:
Solider Rache-Thriller, der in der ersten Hälfte zwar einigen Leerlauf aufweist, mit dem dramatischen Schlussakt aber manchen Durchhänger entschädigt und den Leser erschöpft und verstört zurücklässt (7/10).

Hörbuchcover
Autor: John Niven; Originaltitel: Cold hands; Sprecher: Gerd Köster; Spieldauer: 07 Std. 45 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Random House Audio, Deutschland; Veröffentlicht: 2013; Preis: 20,95 €.

Link zum Hörbuch


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