Buchcover
Autor: Rainer Löffler
Umfang: 496 Seiten
Verlag: rororo Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2012
Preis: 9,99 € (Taschenbuch/eBook)

Klappentext:
Eine Dunstglocke liegt über der Stadt. Die Hitze ist unerträglich. Und dann der Geruch, dieser furchtbare Geruch!

Der Picknickausflug von Familie Lerch nimmt ein grausiges Ende, als sie im Wald auf einen dunklen Haufen stößt, von Fliegen und Maden bedeckt: Der «Metzger» hat wieder zugeschlagen.

Martin Abel, bester Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, wird zur Unterstützung der Polizei nach Köln beordert. Keiner kann sich so gut in die Gedankenwelt von Serienmördern hineinversetzen
wie er: eine Gabe, die einsam macht. Abel glaubt, an Schrecklichem schon alles gesehen zu haben. Doch das hier – das ist eine neue Dimension.

Meine Buchbesprechung:
Ein drückend heißer Sommer macht den Kölnern das Leben schwer und so will Familie Lerch die Gelegenheit nutzen und bei einem schattigen Picknick an einem kleinen Bach die Hitze zumindest einigermaßen erträglich zu machen. Aus dem entspannten Familienausflug wird jedoch nichts, denn kaum haben die Lerchs ihre Sachen aus dem Auto entladen, stößt ihre kleine Tochter am Bachbett auch schon auf die grausam entstellte Leiche eines Mannes. Dem Opfer wurden Gliedmaße abgetrennt und Organe entfernt und so deutet für die Polizei alles auf eine neue Tat des sogenannten „Metzgers“ hin, dessen brutale Morde die Stadt seit einigen Wochen in Atem halten.

Köln wird geplagt von einer Gluthitze und einem brutalen Serienmörder

Die Ermittler unter der Leitung von Hauptkommissar Konrad Griener haben trotz der vielen Verbrechen immer noch keine heiße Spur und stehen daher enorm unter Druck, weshalb Griener keine Option ungenutzt lassen will. So fordert er bei einem befreundeten Kollegen des LKA in Stuttgart einen Profiler an, welcher der Kölner Polizei mit einem Täterprofil helfen soll. Martin Abel gilt deutschlandweit als bester seines Fachs, setzt bei seinen Ermittlungen aber auf höchst eigenwillige Methoden und legt zudem einen rauhen Umgangston an den Tag. Auch die Tatsache, dass er während der Arbeit im „Metzger“-Fall eine junge Nachwuchs-Fallanalytikerin einarbeiten soll, sorgt nicht gerade für eine Besserung seiner Laune…

Autorendebüt und Serienauftakt um den Fallanalytiker Martin Abel

„Blutsommer“ ist der Debütroman des deutschen Autors Rainer Löffler und zählte im vergangenen Sommer zu den deutschen Bestsellern im Thriller-Genre. Zudem stellt das Buch den Auftakt einer ganzen Reihe um den hier neu eingeführten Fallanalytiker Martin Abel dar. Ob das allerdings so eine gute Idee ist, bin ich mir noch nicht so wirklich sicher, denn gerade in der ersten Hälfte des Buches hatte ich mit der Hauptfigur teilweise ziemlich große Probleme. Das liegt zu einem Großteil daran, dass die Figur des Martin Abel anfangs krampfhaft auf die Rolle des großen Arschlochs angelegt ist, was häufig einfach nur albern wirkt. Egal wie man ihm begegnet und was man zu ihm sagt, es scheint fast so als würde Abel immer die unfreundlichste Erwiderung suchen. Gerade als er seiner neuen jungen Kollegin Hannah Christ vorgestellt wird, ist sein Verhalten mehr als nervig. Außerdem hat der Autor seinem Protagonisten noch einige weitere seltsame Macken verpasst, die meistens aber irgendwie aufgezwungen wirken. So führt er z.B. bei der Untersuchung von Tatorten und Leichen immer alberne Mätzchen auf, da er dadurch angeblich zu seinen neuen Erkenntnissen kommt. Sowas hat man erstens schon tausendmal gesehen und gelesen und wirkt zweitens in den gewählten Zusammenhängen einfach nur lächerlich. Negativer Höhepunkt ist jedoch die Befragung der Witwe des eines „Metzger“-Opfers: Auch hier legt der Profiler (wobei wir direkt zu Beginn lernen, dass man offenbar nicht mehr „Profiler“ sondern „Operativer Fallanalytiker“ sagt) sehr merkwürdige Methoden an den Tag und fängt plötzlich an, die trauernde Frau vor den Augen seiner Kollegin zu begrapschen, bis beide auf einmal in deren Bett liegen – zwar nicht so, wie ihr jetzt wahrscheinlich denkt aber HALLO? GEHT’S NOCH? Würde ein Polizist in der Realität so ein Verhalten an den Tag legen, hätte er wohl schneller eine Dienstaufsichtsbeschwerde oder eine Anzeige wegen sexueller Belästigung an der Backe als er „Operative Fallanalyse“ sagen könnte.

Solide Story, äußerst gewöhnungsbedürftige Hauptfigur

Der Auftakt der Beziehung zwischen Protagonist und Leser war in meinem Fall also schon einmal äußerst schlecht, es wird aber nach den ersten 100-150 Seiten besser – der Autor hat hier offenbar gemerkt, dass man sich nicht unbedingt 500 Seiten lang an der Seite eines asozialen Arschlochs in die Ermittlungen stürzen möchte. Im Folgenden entwickelt sich dann eine durchaus solide Thrillerhandlung, die zwar das Rad nicht neu erfindet, aber gut zu unterhalten weiß. Die Story ist spannend, flüssig geschrieben und wird von Zeit zu Zeit mit ein paar blutigen Ekelszenen gespickt, sodass auch die etwas hartgesotteneren Gemüter auf ihre Kosten kommen. Was die Handlung angeht, kann man Rainer Löffler also keine allzu großen Vorwürfe machen. Der Leser wird ein paar Mal (wenn auch etwas plump) auf die falsche Fährte gelockt, die Szenen aus der Sicht des Täters sind interessant und es gibt ein dramatisches Finale – so weit, so gut.

Autor neigt zu Übertreibungen und Unglaubwürdigkeiten

Das Problem des Buches liegt eher darin, dass der Autor häufig dazu neigt, es mit dem Geschehen zu übertreiben, was meist in einer Reihe von Unglaubwürdigkeiten resultiert. So verhalten sich z.B. manche der an den Ermittlungen beteiligten Personen so, dass man sich am liebsten die Haare raufen würde und ziehen die Lösung des Falls dadurch unnötig in die Länge. Außerdem bietet das Buch eine der unglaubwürdigsten und überflüssigsten Romanzen, die mir im Thrillergenre bisher untergekommen ist und die meiner Meinung nur darauf zurückzuführen ist, dass die involvierten Charaktere mit einem Liebestrank vergiftet wurden – anders lassen sich diese plötzlichen Stimmungswechsel kaum erklären. Außerdem bin ich beim Lesen das Gefühl nicht los geworden, dass der Autor sich zu sehr an amerikanischen Genrevertretern orientiert hat, z.B. was die Gewaltszenen oder die Rolle des Profilers betrifft. Das ist schade, denn sowas hätte der Roman eigentlich nicht nötig gehabt.

Schlussfazit:
Wer meine obigen Ausführungen zu „Blutsommer“ gelesen hat, könnte möglicherweise zu dem Schluss gelangen, dass Rainer Löfflers Erstling eine totale Enttäuschung ist. Das ist aber mitnichten so, denn eigentlich ist der erste Fall von Fallanalytiker Martin Abel ein spannender und durchweg unterhaltsamer Thriller mit einem angenehmen Erzähltempo, einer kurzweiligen Handlung und reichlich Konfliktpotenzial. Die vielen vermeidbaren Fehler ärgern mich deshalb aber umso mehr, denn mit ein wenig mehr Bescheidenheit und geringerer Neigung zum Theatralischen hätte „Blutsommer“ ein richtiger Top-Titel werden können.

Kurzweiliger, aber uninspirierter Thriller mit vermeidbaren Schwächen

Das verhindern aber für mich die überzeichneten, teilweise unglaubwürdigen und anfangs unsympathischen Charaktere, deren Verhalten ich einfach oft nicht nachvollziehen konnte. Außerdem bietet das Buch für mich zu wenig Originalität und bedient sich etwas zu sehr bei den unverkennbaren amerikanischen Vorbildern. Hier wäre zu wünschen, dass Löffler im Nachfolger Mut zu mehr Eigenständigkeit beweist, sei es durch ausgeprägteren Lokalkolorit oder sorgfältiger ausgearbeitete Charaktere. Auch atmosphärisch ist noch Luft nach oben, denn von der brütenden Hitze spürt man im Buch kaum etwas – hier reichen gelegentliche Hinweise auf die hohen Temperaturen einfach nicht aus. Somit bleibt unter dem Strich ein solider, aber keinesfalls herausragender Thriller, der zwar gut unterhält, erfahrenen Lesern aber wenig Neues bieten kann.

Meine Wertung: 6/10

Informationen:
„Blutsommer“ von Rainer Löffler ist im rororo Taschenbuch Verlag erschienen und hat einen Umfang von 496 Seiten. Das Buch ist für 9,99 € als Taschenbuch und eBook erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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