Hörbuchcover
Autor: Charles Cumming
Sprecher: Markus Klauk
Länge: 13 Std. 18 Min. (ungekürzt)
Anbieter: Der Hörverlag
Originaltitel: The Trinity Six
Preis: 24,95 € (9,95 € im Flexi-Abo von Audible.de)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Sam Gaddis, dem Geschichtsdozenten und Russlandexperten wird ein lukratives Projekt angetragen: ein Buch über ein bislang unbekanntes Mitglied des berüchtigten Spionagerings der „Cambridge Five“. Mit dieser Bezeichnung waren jene fünf Agenten des britischen Geheimdienstes gemeint, die ihr Wissen bis in die frühen 1950er-Jahre an die Sowjets verraten hatten. Nun behauptet eine Journalistin, Informationen über einen sechsten Mann gefunden zu haben, der womöglich noch lebt. Sam ahnt nicht, dass seine Recherchen lebensgefährlich sind. Denn seine Enthüllungen drohen Großbritannien und Russland in ihren Grundfesten zu erschüttern. Um das zu verhindern, sind einige Leute bereit, über Leichen zu gehen…

Meine Hörbuchbesprechung:
Sam Gaddis ist Professor für russische Geschichte am angesehenen University College London und hat sich durch seine Veröffentlichungen einen Ruf als ausgesprochener Russlandexperte erarbeitet. Dazu zählt auch sein neuestes Buch „Zaren“, in dem Gaddis einen Vergleich zwischen Peter den Großen und dem derzeitigen russischen Präsidenten Sergej Platow zieht. Allerdings wird das Werk trotz der Reputation seines Autors von der Presse weitestgehend vernachlässigt und bleibt auch kommerziell hinter den Erwartungen seines Verlages. Dabei kann der Historiker derzeit jeden Penny gut gebrauchen, denn von der britischen Einkommenssteuerbehörde flattert ihm ein Schreiben ins Haus, in dem eine Steuerschuld von über 20.000 Pfund angemahnt wird. Außerdem fordert seine von ihm getrennt lebende Ehefrau wieder einmal Geld für die gemeinsame Tochter, da die Schulkosten enorm angestiegen seien.

Ein Geschichtsprofessor in Geldnöten auf der Suche nach einem Bestseller

Sam Gaddis braucht also mal wieder einen richtigen Bestseller, doch leider hat er gerade kein spannendes Thema zur Hand, das genug Potenzial für einen aufsehenerregenden Enthüllungsroman bietet. Da trifft es sich gut, dass seine langjährige Freundin Charlotte, eine erfolgreiche Journalistin, genau zu diesem Zeitpunkt ein richtig heißes Eisen in der Hinterhand hat. Ihr liegen nämlich Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass der berüchtigte Spionagering der Cambridge Five zur Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht nur aus fünf, sondern aus sechs abtrünnigen Agenten des britischen Geheimdienstes bestanden hat. Sollte sich dieser Verdacht bewahrheiten und es tatsächlich noch einen sechsten russischen Spion des KGB gegeben haben, wäre dies eine absolute Sensation – und für Sam Gaddis die große Chance auf den dringend benötigten Bestseller…

Basierend auf dem berüchtigten Spionagering der „Cambridge Five“

Hinter der Bezeichnung „Cambridge Five“ verbirgt sich ein ehemaliger Spionagering des KGB innerhalb des britischen Geheimdienstes MI5. Die fünf Mitglieder Kim Philby, Donald Maclean, Guy Burgess, Anthony Blunt und John Cairncross wurden in den 1930er Jahren während ihres Studiums am Trinity College der Universität Cambridge von den Russen angeworben und versorgten diese bis in die 1950er hinein mit vertraulichen Informationen. Durch diesen Verrat stürzten die Spione den britischen Geheimdienst in eine tiefe Krise und bis zum heutigen Tage halten sich Gerüchte um weitere Mitglieder des Spionagerings. Als dem britischen Autor Charles Cumming von einer Freundin unveröffentlichte Dokumente über Anthony Blunt ausgehändigt wurden, brachte ihn dies auf die Idee zu seinem neuen Roman „Die Trinity Verschwörung“. Was wäre, wenn er in diesen Aufzeichnungen Hinweise auf ein sechstes „Cambridge Five“-Mitglied gefunden hätte, dessen Verrat bis heute unentdeckt geblieben ist?

Das Geheimnis um einen ominösen sechsten KGB-Spion

Somit überrascht es nicht, dass sich die Hauptfigur des Buches, der Geschichtsprofessor Sam Gaddis, zu Beginn der Handlung genau in dieser Situation befindet. Aufgrund von ein paar gefloppten Veröffentlichungen, Steuerschulden und ausstehenden Unterhaltszahlungen befindet sich Gaddis in akuten Geldnöten und braucht dringend eine Idee für eine spektakuläre Enthüllungsstory, die seine leere Finanzkasse wieder etwas auffüllt. Da kommt das Angebot seiner Journalistenfreundin Charlotte, ein Buch über einen möglichen sechsten Mann des Spionagerings zu schreiben, natürlich gerade richtig. Bevor ihn Charlotte jedoch in ihre Recherchen näher einweihen kann, erliegt sie in ihrem Haus einem plötzlichen Herzinfarkt. Für Gaddis ist der Verlust seiner langjährigen Freundin ein Schock, zumal er damit auch die Hoffnungen auf den Bestseller begraben kann. Glücklicherweise bekommt er vom Witwer der Toten jedoch deren Unterlagen ausgehändigt und kann sich doch noch mit vollem Einsatz in seine Nachforschungen stürzen. Was wusste Charlotte über den sechsten Mann und wer waren ihre Informanten?

Was Sam Gaddis nicht weiß: Charlotte starb nicht an einem Herzinfarkt – was aufgrund ihres ungesunden Lebensstils gar nicht mal so unwahrscheinlich gewesen wäre –, sondern wurde von einem Auftragskiller gezielt ausgeschaltet. Hier ist der Hörer der Hauptfigur einen Schritt voraus und ahnt daher schon, dass sich Gaddis mit seinen Recherchen aller Voraussicht nach in große Gefahr bringen wird. Irgendjemand scheint ein gesteigertes Interesse daran zu haben, dass das Mysterium um ein sechstes Mitglied der „Cambridge Five“ auch tatsächlich ein Geheimnis bleibt. Von dieser Erkenntnis ist der Protagonist allerdings noch ein Stück entfernt, denn Sam Gaddis muss zunächst einmal mühsam die Spuren seiner gestorbenen/getöteten Freundin zurückverfolgen, um an weitere Informationen zu gelangen.

Wenig Action, viel Recherche

Wer von „Die Trinity-Verschwörung“ also einen actionreichen Agententhriller im Stil von James Bond oder „Mission: Impossible“ erwartet, der ist mit Cummings Roman überwiegend auf dem falschen Dampfer. Über weite Strecken ist das Buch ein waschechter Polit- und Journalismus-Thriller: Dokumente müssen auf Hinweise durchgearbeitet, Zeugen ausfindig gemacht und befragt sowie kleinste Puzzleteile mühsam zusammengesetzt werden. Dabei wirkt Cummings Geschichte zu jeder Zeit glaubwürdig und realitätsnah, wofür auch Bezüge auf die aktuelle Weltpolitik sorgen. So ist beispielsweise die Ähnlichkeit zwischen dem fiktionalen russischen Präsidenten Sergej Platow und dem realen Vorbild Wladimir Putin mehr als offensichtlich. Außerdem hat Charles Cumming bei der Recherche für sein Buch viele Gespräche mit ehemaligen oder aktiven Geheimdienstmitarbeitern des MI5 oder MI6 geführt. Interessant ist hierbei auch die Tatsache, dass der Autor 1995 selbst vom britischen Secret Intelligence Service kontaktiert wurde und auch an einem längeren Auswahlverfahren für potenzielle Mitarbeiter teilgenommen hat.

Spannende Geschichte nach dem klassischen Schema

Damit die Story aber bei dem ganzen Papierkram und Zeugenbefragungen nicht allzu dröge gerät, hat Cumming sein Werk mit den gängigen Agententhriller-Zutaten gehörig aufgepeppt. So macht die Hauptfigur im Verlauf der Handlung u.a. Bekanntschaft mit skrupellosen Auftragskillern, raffinierten Doppelagenten oder der obligatorischen Verschwörung und muss sich permanent vor unsichtbaren Verfolgern in Acht nehmen. Dass der Autor dabei zuweilen auch auf die beliebten Klischees zurückgreift und zum Beispiel Informanten genau in dem Moment ausgeschaltet werden, im dem sie Gaddis geheime Informationen anvertrauen wollten, fällt dabei nicht negativ ins Gewicht, sondern sorgt eher für willkommenen Nervenkitzel. Überdies ist die Story clever konstruiert und packend geschrieben, wenngleich Cummings manches Geheimnis vielleicht ein wenig zu früh lüftet. Das gleicht er aber auf der anderen Seite durch eine sympathische Hauptfigur aus, die von einem erfahrenen Agenten doch recht weit entfernt ist und mit den auf ihn einstürzenden Ereignissen schon auch etwas überfordert ist – schließlich ist Gaddis normalerweise in einem Hörsaal zuhause und nicht in tödlichen Verfolgungsjagden. Mit diesem „Normalo“ kann man sich als Hörer wunderbar identifizieren, zumal der Professor immer wieder auf semi-professionelle Tricks aus Agentenromanen oder Fernsehserien zurückgreift, um beispielsweise seine Verfolger abzuschütteln.

Der Sprecher:
Ich hatte bei „Die Trinity Verschwörung“ eine Weile überlegt, ob ich auf das Buch oder die Hörbuchversion zurückgreifen sollte, da mir der Sprecher Markus Klauk zunächst einmal gar nichts gesagt hat. Da ich die Hörprobe aber recht ansprechend fand, habe ich mich dann schließlich doch für das Audiobook entschieden – Gott sei Dank, denn Klauk ist mit dieser Lesung für mich eindeutig die Sprecherentdeckung des Jahres. Zunächst einmal ist seine Stimme an sich bereits sehr angenehm, andererseits kann der Schauspieler (u.a. „Alarm für Cobra 11“, „Der Clown“ oder „SOKO Köln“) diese auch bestens einsetzen. Klauk liest sehr facettenreich, schlüpft mühelos in diverse Männer- und Frauenrollen und bringt auch die unterschiedlichsten Emotionen wie Angst, Anspannung oder Verärgerung sehr gut rüber. Mir hat Klauks Vorstellung insgesamt richtig gut gefallen, leider gibt es derzeit bei Audible.de kaum weitere Hörbücher mit diesem Sprecher – bitte unbedingt mehr davon!

Schlussfazit:
Einen gut gemeinten Rat gleich vorweg: Bevor man mit der Lektüre von „Die Trinity Verschwörung“ anfängt, sollte man sich vielleicht einmal kurz den Wikipedia-Artikel über die „Cambridge Five“ zu Gemüte fügen, denn leider verzichtet Cummings in seiner Story auf eine ausführlichere Erklärung über den Spionagering und rückt nur vereinzelt mit diesen Informationen heraus. Erst im Nachwort geht der Autor näher auf dieses Thema ein – als Vorwort wäre dies deutlich hilfreicher und sinnvoller gewesen.

Packender und realitätsnaher Spionage-Thriller mit wahrem Hintergrund

Von diesem kleinen Patzer sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn ansonsten kann man der Geschichte sehr gut folgen und auch die teilweise recht komplexen Ausführungen problemlos nachvollziehen. Trotz weitestgehendem Verzicht auf spektakuläre Action-Einlagen und einem Fokus auf mühsame Journalismus-Arbeit ist „Die Trinity Verschwörung“ durchweg packend und kurzweilig und bietet für Anhänger klassischer Agentenromane beste Thriller-Unterhaltung. Daher und auch aufgrund des wirklich sehr überzeugenden Sprecher Markus Klauk landet das Buch souverän im oberen Wertungsbereich.

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
„Die Trinity Verschwörung“ von Charles Cumming hat eine Spieldauer von 13 Std. und 18 Min. und ist ungekürzt für 24,95 € bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei Audible.


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