Autor: Sven Koch
Sprecher: Martin Keßler
Länge: 11 Std. 47 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Der Drache ist erwacht! Diese anonyme Botschaft versetzt den Journalisten Marlon Kraft in höchste Alarmbereitschaft. Der Purpurdrache, der vor drei Jahren für ein schreckliches Geiseldrama verantwortlich war, hat Marlons Leben immer noch fest im Griff. Als mehrere Frauen aus Krafts Umfeld bestialisch ermordet werden, ermittelt dessen bester Freund Marcus zusammen mit der Polizeipsychologin Alexandra und die beiden stoßen auf ungeheuerliche Verwicklungen im Zeichen des Drachen. Sind die Morde das Werk eines Wahnsinnigen? Das eines eiskalten Killers? Oder könnte es sein, dass Marlon selbst zum unberechenbaren Psychopathen mutiert?

Meine Hörbuchbesprechung:
Das kleine Städtchen Lemfeld im Münsterland gerät in Aufruhr, als ein Mann den örtlichen Kindergarten betritt, plötzlich eine Waffe zieht und Kinder und Erzieherinnen als Geiseln nimmt. Der Täter ist offenbar geistig verwirrt und gibt in den Verhandlungen mit der Polizei absurde Verschwörungstheorien von sich. Er verlangt, dass seine paranoide Botschaft in aller Öffentlichkeit verkündet wird, damit diese von den dubiosen Machenschaften seiner vermeintlichen Verfolger erfährt. Diese besondere Aufgabe soll der Polizeireporter Marlon Kraft übernehmen, der für die „Neue Westfalenpost“ arbeitet und dem der Geiselnehmer aufgrund seiner bisherigen Artikel vertraut. Kraft zeigt sich ohne zu zögern zu diesem Unterfangen bereit, sieht er doch vor seinen Augen schon die reißerischen Schlagzeilen, die er durch sein Insiderwissen produzieren kann. Im Kindergarten angekommen, erkennt der Journalist, dass es sich bei der Waffe des Geiselnehmers nur um eine Spielzeugpistole handelt und wagt einen riskanten Alleingang. Dieser gerät jedoch außer Kontrolle, die Scharfschützen greifen ein und der Täter und Marlon werden bei der Schießerei leicht verletzt.

Eine Geiselnahme mit Spätfolgen

Drei Jahre später leidet Marlon Kraft immer noch an den Folgen des traumatischen Erlebnisses und ist auf Psychopharmaka im Versuchsstadium angewiesen, um bei klarem Verstand zu bleiben. Ein brutaler Mord an einer jungen Frau konfrontiert ihn jedoch erneut mit seiner Vergangenheit. Die Leiche des Opfers wurde in einem Kornkreis gefunden und wie bei einem Ritualmord drapiert, bevor ein Bauer mit seinem Mähdrescher den Körper und den Tatort zerstörte. Als Polizeireporter ist Marlon wieder als einer der ersten vor Ort und erkennt in den Überresten eine Mitarbeiterin seiner Redaktion, mit der er vor geraumer Zeit einmal eine Affäre hatte. Da Kraft noch am Abend zuvor mit der Toten zusammen war, fürchtet er, die Polizei könnte ihn für den Tatverdächtigen handeln. Als er dann noch anonyme E-Mails mit der Botschaft „Der Drache ist erwacht“ erhält, sieht alles nach einem Rachefeldzug des Geiselnehmers aus – doch dieser befindet sich seit der Tat vor drei Jahen in psychiatrischer Behandlung…

Romandebüt ohne großes Vorgeplänkel

„Purpurdrache“ ist der Debütroman des deutschen Autors Sven Koch und erfreulicherweise braucht seine Geschichte nicht lange, um in Fahrt zu kommen. Es geht direkt los mit der Geiselnahme, die aufgrund des Settings und des Alters der Geiseln natürlich besonders brisant ausfällt. Gleichzeitig macht der Leser schon Bekanntschaft mit einer der beiden Hauptfiguren, dem sensationsgierigen Reporter Marlon Kraft. Dieser würde für eine gute und aufsehenerregende Story fast alles tun und ist zudem daran interessiert, sich selbst besonders in den Mittelpunkt zu stellen – was käme da gelegener als die Heldenrolle bei der Befreiung eines Kindergartens. Dabei kommt es natürlich wie es kommen muss und Marlons Alleingang geht schief – wenn auch mit weniger dramatischen Folgen als man aufgrund der Inhaltsbeschreibung erwarten durfte. Der Reporter wird zwar nur geringfügig verletzt, das reicht aber aus um den vorher so selbstbewussten Mann völlig aus der Spur zu werfen. Dies geht sogar so weit, dass er als Teilnehmer einer Testreihe experimentelle Medikamente zu sich nimmt, um sein Trauma zu verarbeiten.

Reizvolle Figurenkonstellation mit hohem Konfliktpotenzial

Weiter geht es mit dem Auffinden der ersten Frauenleiche und der Einführung der zweiten Hauptfigur, bei der es sich um die Kriminalpsychologin Alexandra Gräfin von Stietencron handelt, die von Kriminalkommissar Marcus Scheffler im Rahmen eines Pilotprojektes angefordert wurde, um mit der Erstellung von Täterprofilen die Polizeiarbeit zu unterstützen. Aufgrund ihres adligen Backgrounds und ihrer akademischen Laufbahn wird sie von den hartgesottenen Polizisten aber eher belächelt und muss sich erst einmal Respekt bei ihren neuen Kollegen verschaffen. Dieses Ausgangsszenario mit Konfliktpotenzial sorgt von Beginn an für Reibereien und trägt damit einen interessanten Aspekt zur Geschichte bei.

Spannende, wenn auch nicht immer glaubwürdige Serienmörder-Story

Der Kriminalfall selbst braucht nach der anfänglichen Geiselnahme jedoch ein wenig, bis er so richtig in die Gänge kommt. Zwar sorgt die zerstückelte Leiche kurz darauf noch einmal für Aufsehen, anschließend treten die Ermittlungen aber ein wenig auf der Stelle. Stattdessen konzentriert sich der Autor mehr auf die persönliche Beziehung zwischen dem Opfer und Marlon Kraft und die Auswirkungen des Mordes auf den Journalisten. Dieser befindet sich nun selbst im Visier der Ermittlungen und kann dabei auch nicht mehr auf sein freundschaftliches Verhältnis zu Kommissar Scheffler setzen. Ein gelungener Einfall von Sven Koch sorgt dabei für zusätzlichen Reiz: Aufgrund Marlons Medikamentenkonsum leidet er gelegentlich unter mysteriösen Blackouts, die immer wieder große Erinnerungslücken bei ihm hervorrufen. Dadurch fehlt ihm zum Beispiel einerseits ein entlastendes Alibi, andererseits bekommt Kraft aber auch Selbstzweifel und kann sich selbst als Mörder nicht völlig ausschließen. Besonders als es im späteren Verlauf zu weiteren Opfern kommt trägt diese Ungewissheit viel zur Spannung des Buches bei. Doch auch von der Polizeiseite aus gestaltet sich der Kriminalfall abwechslungsreich. Sven Koch hält das Tempo durchgängig hoch und bringt durch Elemente chinesischer Mythologie weiteren frischen Wind in die Handlung. Allerdings übertreibt es der Autor gerade zum Ende hin ganz gewaltig und fährt eine recht absurde Story als Auflösung auf. Ohne hier zu viel verraten zu wollen holt Koch hier zum ganz großen Wurf aus – eine bodenständigere Erklärung hätte dem Buch meiner Meinung nach aber besser zu Gesicht gestanden. Außerdem kann man recht früh auf die Identität des Täters schließen, was sich aber nicht allzu negativ auf die Spannung auswirkt.

Der Sprecher:
„Purpurdrache“ gehört zu den (aus meiner Sicht viel zu wenigen) Thrillern, die von Martin Keßler gelesen werden, was ehrlich gesagt auch für mich letztendlich den Kaufausschlag gegeben hat. Dessen Stimme hat wohl fast jeder schon mal gehört, schließlich ist Keßler seit Jahren Stammsynchronsprecher von Nicholas Cage und Vin Diesel. Ich persönlich bin ein großer Fan von Keßler und höre seiner markanter Stimme immer wieder gerne zu – weil sie einfach unglaublich cool und lässig klingt und gleichzeitig perfekt ins Thriller-Genre passt.

Der Keßler kann’s einfach

Das gilt auch für die Vertonung von „Purpurdrache“. Natürlich gibt es vielseitigere Sprecher als Martin Keßler und gerade die Frauenstimmen klingen trotz aller Bemühungen immer noch sehr männlich, doch ehrlich gesagt kümmert mich das herzlich wenig. Keßler könnte auch ein Telefonbuch oder eine Aufbauanleitung für ein IKEA-Regal vorlesen und ich würde mir das als Hörbuch anschaffen. Zu „Purpurdrache“ passt Keßlers Stimme nochmal besonders gut, weil es durch die Situationen von Marlon Kraft und Alexandra von Stietencron immer wieder zu Konflikten und hitzigen Auseinandersetzungen kommt, die vom Sprecher einfach sehr gut und glaubwürdig umgesetzt werden.

Schlussfazit:
„Purpurdrache“ ist ein gelungenes Thrillerdebüt von Sven Koch, kommt aber nicht ohne ein paar Schwächen aus. In der Story gibt es ein paar kleinere Ungereimtheiten und gerade im letzten Drittel wirkt Kochs Auflösung doch gewaltig an den Haaren herbeigezogen. Doch auch wenn stellenweise die Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt, so ist die Geschichte doch durchgehend spannend und profitiert von ein paar cleveren Einfällen des Autors. Vor allem die persönliche Verwicklung von Marlon Kraft und die Revierkämpfe der „adligen“ Kriminalpsychologin sorgen für viele interessante Entwicklungen und tragen zur Kurzweil der Story bei.

Natürlich ist das alles keine große Literatur und manche Passagen sollte man kopfschüttelnd lieber direkt wieder vergessen, doch dem Unterhaltungswert des Thrillers tut das keinen Abbruch. Flottes Erzähltempo, interessante Charaktere und ein paar gelungene Wendungen sorgen für ein ansprechendes Leseerlebnis, das durchaus Lust auf den inzwischen erhältlichen Nachfolger „Brennen muss die Hexe“ (wieder mit Alex von Stietencron) macht. Hoffentlich beweist Sven Koch dann aber etwas mehr Kreativität bei der Namenwahl seiner Charaktere, denn warum man von vielleicht fünf relevanten Figuren drei davon „Marlon“, „Marcus“ und „Mario“ nennen muss, erschließt sich mir nicht wirklich. Man kann es dem Leser auch unnötig schwer machen. Für die Geschichte selbst würde ich eher sieben Wertungspunkte vergeben, bei mir persönlich gibt es für das Hörbuch aber noch den Martin-Keßler-Bonus, weshalb ich noch einen Punkt draufpacke.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Purpurdrache“ von Sven Koch hat eine Spieldauer von 11 Std. und 47 Min. und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei Audible.


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