Autor: Glenn Meade
Sprecher: Detlef Bierstedt
Länge: 22 Std. 02 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Es ist Winter 1952. Mit dem Mut der Verzweiflung flieht Anna Chorjowa aus einem sowjetischen Gulag. Über Finnland gelangt sie nach Amerika, wo die junge Frau ein neues Leben anfangen will. Aber der amerikanische Geheimdienst hat andere Pläne mit Anna: Sie soll helfen, den Topagenten Alex Slanski in Moskau einzuschleusen. Die Belohnung, die ihr winkt, wäre mit allem Gold dieser Welt nicht aufzuwiegen…

Meine Hörbuchbesprechung:
Als der Journalist William Massey 40 Jahre nach dem Tod seines Vaters dessen Nachlass findet, stößt er auf eine Sammlung von hochinteressanten Dokumenten. Laut offiziellen Angaben der US-Regierung starb der ehemalige Agent Jakob Massey am 20. Februar 1953 durch Selbstmord, doch William entdeckt einen alten Tagebucheintrag seines Vaters, der ihn an dieser Version zweifeln lässt – denn die Notizen entstanden nach dem vermeintlichen Todesdatum. Zudem befinden sich im Nachlass Berichte über eine „Operation Schneewolf“, die nach erstem Augenschein eng mit dem Tod seines Vaters verbunden ist. Allerdings sind die Dokumente nicht vollständig, sodass sich William an die amerikanische Regierung wendet und diese mit den brisanten Aufzeichnungen unter Druck setzt. Entweder er erfährt Jahrzehnte nach Jake Masseys Tod endlich die Wahrheit über seinen Vater, oder er wird die vertraulichen Berichte veröffentlichen. Widerwillig gehen die USA auf den Deal ein und bringen William mit einer Frau namens Anna Chorjowa zusammen, der letzten noch lebenden Person, die an der „Operation Schneewolf“ beteiligt war. Diese beginnt, die Geschehnisse aus dem Jahr 1953 zu erzählen…

Vom verzweifelten Gulag-Flüchtling zur Undercover-Agentin

Im Winter 1952 flieht eben diese Anna Chorjowa spektakulär aus einem sowjetischen Gulag und tötet dabei mehrere russische Wachposten, bevor sie sich über die Grenze nach Finnland rettet. Während die Sowjets empört die Auslieferung der Geflüchteten fordern, wird Anna vom amerikanischen Agenten Jake Massey vernommen, dem sie ihr Martyrium schildert. Daraufhin verweigert Finnland die Kooperation mit der Sowjetunion und lässt die Frau weiter nach Amerika reisen, wo sie ein neues Leben beginnt. Allzu lange kann sich Anna jedoch nicht daran erfreuen, denn wenig später taucht erneut Jake Massey auf. Dieser bittet sie im Namen des amerikanischen Geheimdienstes, einen US-Agenten in die Sowjetunion einzuschleusen, wo dieser eine extrem brisante Mission erfüllen soll: Er soll den sowjetischen Diktator Josef Stalin töten. Anna sieht keinen Grund, wieder zurück in das Land zu reisen, aus dem sie unter Einsatz ihres Lebens geflüchtet ist – doch die CIA macht ihr ein Angebot, dass sie kaum ausschlagen kann…

Der Tod Josef Stalins als Aufhänger eines Spionage-Thrillers

Der irische Schriftsteller Glenn Meade beschäftigt sich in seinem bereits 1998 in Deutschland erschienenen Thriller „Operation Schneewolf“ mit einem Thema, um das sich noch heute eine Reihe von Verschwörungstheorien ranken: dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Wissarionowitsch Stalin. Dieser starb laut offiziellen Angaben am 5. März 1953 an den Folgen eines Schlaganfalls, doch immer wieder tauchten Stimmen auf, die behaupten, Stalin wäre vergiftet worden. Glenn Meade hat sich seine eigene Version zusammengeschrieben und sich die titelgebende „Operation Schneewolf“ ausgedacht: Eine strenggeheime Mission der amerikanischen Regierung mit dem Ziel, Stalin endgültig zu eliminieren. Nur ein kleiner Personenkreis ist in diesen Plan eingeweiht, die wichtigsten Figuren sind die Amerikaner Jake Massey und Alex Slanski sowie besagte Anna Chorjowa, die mit ihrem Insiderwissen den Agenten Slanski in die Sowjetunion einschleusen und zu diesem Zweck als seine Ehefrau fungieren soll.

Spannendes Katz-und-Maus-Spiel mit ausgefeilten Charakteren

Der Autor gibt sich dabei viel Mühe mit der Charakterzeichnung und hat für jede wichtige Figur eine interessante Hintergrundgeschichte parat, welche eine plausible Erklärung für das Handeln des jeweiligen Charakters liefert. So ist zum Beispiel Alex Slanskis Vergangengeit eng mit der Sowjetunion verbunden und ihn treibt daher eine ganz persönliche Motivation an, bei welcher der Wunsch nach Rache eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Anna Chorjowa hingegen kann die Bitte der Amerikaner nicht ausschlagen, weil sie auf ein kaum für möglich gehaltenes Wiedersehen mit einem vermissten Familienmitglied hofft. Allerdings beschränkt sich Meade nicht nur auf die amerikanische Seite, sondern bringt dem Hörer auch Figuren auf Seiten der Sowjetunion näher. Hier ist vor allem der KGB-Major Lukin zu nennen, der von seinen Vorgesetzten auf die Verfolgung des Killer-Kommandos angesetzt wird – denn natürlich bleibt die Mission der Amerikaner nicht lange unentdeckt. So ergibt sich schnell ein packendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen CIA, Slanski/Chorjowa und KGB, welches einige überraschende Wendungen zu bieten hat und für fast durchgängige Spannung sorgt. Besonders gut gefallen hat mir die Tatsache, dass Glenn Meade nicht auf plumpe Gut-gegen-Böse-Unterhaltung setzt, sondern stattdessen auch die Sowjet-Vertreter (zumindest teilweise) als Menschen darstellt, die ihr Handeln hinterfragen und nicht stupide die Befehle der Machthaber umsetzen.

Gelegentliche Längen stören das Hörvergnügen nur unwesentlich

Die Geheimdienst-Story ist spannend erzählt und geschickt konstruiert, allerdings bleibt es bei knapp 22 Stunden Hörbuch-Spieldauer nicht aus, dass sich die ein oder andere etwas langatmigere Passage kaum vermeiden lässt. Glenn Meade nimmt sich viel Zeit für den Weg der Agenten nach Moskau und verliert dabei das eigentlich Ziel, die Eliminierung Josef Stalins, gelegentlich aus den Augen. Dafür führt die Reise lange durch die umliegenden Staaten der Sowjetunion wie z.B. Estland und erst in den letzten drei bis vier Stunden besinnt sich der Autor wieder auf die eigentliche Mission. Davon abgesehen bekommt man aber einiges geboten, das Repertoire reicht von actionreichen Verfolgungsjagden über spannende Undercover-Einsätze bis hin zu Ansätzen einer Liebesgeschichte. Überdies wechselt in regelmäßigen Abständen die Erzählperspektive, sodass sich ein sehr umfassendes Bild über die „Operation Schneewolf“ ergibt und keine Fragen offen bleiben.

Der Sprecher:
Die Wahl des Erzählers ist bei diesem Hörbuch mal wieder auf Detlef Bierstedt gefallen, der bei Agenten-/Spionage-Thrillern eigentlich immer eine gute Figur macht – hier sei z.B. auf Titel wie „Kreuzzug“, „Oktoberfest“ oder „Machtlos“ hingewiesen. Auch bei „Operation Schneewolf“ ist die deutsche Synchronstimme von George Clooney wieder in ihrem Element und liefert eine gute Vorstellung ab, an der es kaum was zu mäkeln gibt.

Detlef Bierstadt in seiner Paraderolle als Thriller-Erzähler

Die einzelnen Charaktere bekommen eine leichte individuelle Note verpasst wie der eher nachdenkliche Jake Massey oder der forsche Alex Slanski, sodass man die Figuren gut auseinanderhalten kann. Auch Stimmungen und Emotionen werden von Bierstedt gut eingefangen, sodass von der Dramatik der Buchvorlage nichts verloren geht. Erfreulicherweise wird bei dem Hörbuch auch fast vollständig auf den Einsatz eines russischen Dialekts verzichtet, was aufgrund der vielen Sowjet-Passagen auch ein wenig anstrengend gewesen wäre.

Schlussfazit:
Der Roman „Operation Schneewolf“ hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, doch die frisch erschienene Hörbuchversion sollte man sich als Freund von Spionage-Thrillern nicht entgehen lassen. Glenn Meade bietet eine sehr spannende und komplexe Geschichte mit hochinteressanten Charakteren, welche die verschiedenen Perspektiven der brisanten Mission auf sehr realistische und glaubwürdige Weise schildert. Dazu trägt auch die gründliche Recherche bei, sodass man beim Hören auf einige real existierende Persönlichkeiten stößt, welche das stimmige Gesamtbild noch zusätzlich abrunden.

Packender und glaubwürdiger Agenten-Thriller vor historischem Hintergrund

Zwar kommt auch Meade nicht um einige etwas schwächere Momente herum und schweift manchmal zu sehr vom eigentlichen Ziel seiner Story ab, doch mehrere überraschende Wendungen machen diese Schwachstellen wieder wett. Das Hörbuch ist spannend vom Anfang bis zum (vielleicht etwas zu konstruierten) Ende und spielt zudem noch vor einem packenden historischen Hintergrund. Selbst das Nachwort bietet noch einige interessante Informationen, welche die Frage aufwerfen, ob die Ereignisse im Jahr 1953 nicht vielleicht tatsächlich so ähnlich abgelaufen sind. Wer also gerne Bücher von John le Carré oder Frederick Forsyth liest, der sollte sich „Operation Schneewolf“ unbeding einmal anschauen, zumal das Hörbuch von Detlef Bierstedt auch noch toll gelesen wird.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
Das Hörbuch „Operation Schneewolf“ von Glenn Meade hat eine Länge von 22 Stunden und 02 Minuten und ist ungekürzt für 29,95 € bei audible.de erhältlich. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


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