Autor: Andreas Gruber
Umfang: 416 Seiten
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: 14. Februar 2011

Klappentext:
Wien. Vier wohlhabende Männer im besten Alter sterben innerhalb kürzester Zeit unter ähnlichen Umständen. Und nur die Anwältin Evelyn Meyers glaubt nicht an Zufall …

Leipzig. Mehrere Jugendliche, allesamt Insassen psychiatrischer Kliniken, sollen Selbstmord begangen haben. Kommissar Pulaskis Misstrauen ist geweckt, er beginnt zu ermitteln. Seine Nachforschungen bringen ihn mit Evelyn zusammen, und ihre gemeinsame Spur führt sie bis zur Nordsee, zu einem Schiff, das ein schreckliches Geheimnis birgt …

Meine Buchbesprechung:
Evelyn Meyers ist Anwältin in einer großen Wiener Kanzlei und bekommt es zumeist mit für die Firma sehr lukrativen Fällen zu tun. Aktuell arbeitet sie an der Abwendung einer Klage von einer wütenden Witwe, die einen mit Evelyn befreundeten Bauunternehmer mit einer Millionenklage bedacht hat. Diesen macht sie für den Tod ihres wohlhabenden Mannes verantwortlich, welcher nachts in einen angeblich nicht ordnungsgemäß gesicherten Kanalschacht gefallen und dabei gestorben ist. Obwohl Evelyns Erfolgsaussichten eher mager sind und ihr Chef sie lieber an wichtigere Aufträge setzen würde, lässt sie jedoch nicht locker, bis sie fast zufällig auf Ungereimtheiten stößt. Als sie dann auch noch Gemeinsamkeiten zu einem weiteren Unglücksfall entdeckt und wenig später einer ihrer Kollegen ebenso mysteriös ums Leben kommt, stellt sie entgegen aller Widerstände eigene Nachforschungen an…

Mysteriöse Unglücksfälle in Wien und ein als Suizid getarnter Mord in Leipzig

Zur gleichen Zeit wird in Leipzig Kommissar Walter Pulaski vom Kriminaldauerdienst zu einer psychiatrischen Klinik gerufen, wo sich eine junge Patientin das Leben genommen hat. Die 19-jährige Natascha hat sich augenscheinlich mit einer Überdosis Schmerzmittel in Verbindung mit großen Mengen an Alkohol umgebracht, doch wie ist die psychisch kranke Frau an die Medikamente gekommen? Auch der an einer ungewöhnlichen Stelle gefundene Abschiedsbrief kann Pulaski nicht von dem Gefühl abbringen, dass mit Nataschas Selbstmord irgendetwas nicht stimmt. Als ihm wenig später ein winziges Detail an der Leiche auffällt, ist der Polizist sich schließlich sicher: Die junge Frau wurde ermordet…

Zwei spannende Handlungsstränge mit zwei faszinierenden Protagonisten

Der Thriller „Rachesommer“ stammt aus der Feder des österreichischen Autors Andreas Gruber, der mit seinen Romanen um den Versicherungsdetektiv Peter Hogart („Schwarze Dame“, „Engelsmühle“) schon einige Erfolge feiern konnte. Bei seinem aktuellen Buch handelt es sich aber um ein eigenständiges Werk, welches gleich zwei Hauptfiguren und Erzählstränge aufweist. Zum einen gibt es die Geschichte um eine Wiener Anwältin, die eine Reihe unerklärlicher Unfalltode wohlhabender Männer untersucht, und dann noch den Fall von Kommissar Walter Pulaski, der sich im Osten Deutschlands mit dem vermeintlichen Selbstmord einer jungen Frau auseinandersetzen muss. Beide Handlungen laufen zunächst unabhängig voneinander und wechseln sich in der Erzählstruktur in regelmäßigen Abständen ab. Allerdings muss man kein großer Hellseher sein um zu ahnen, dass beide Storys sich im Laufe des Buches immer mehr einander annähern.

Hartnäckige Ermittlungsarbeit entgegen aller Widerstände

Sowohl in Evelyn Meyers als auch in Walter Pulaski findet der Leser zwei starke Persönlichkeiten, die sich trotz augenscheinlicher Unterscheide in ihrer Vorgehensweise doch ein wenig ähneln. Zudem sind beide bei ihren Ermittlungen mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Evelyn wird eigentlich nur aus Verbundenheit zu einem Klienten auf die Ungereimtheiten ihres Falls aufmerksam und außer ihr schenkt diesen Ereignissen auch niemand ernsthaft Beachtung. Ihr Chef verbietet ihr sogar die Nachforschungen, da er sie mit deutlich lukrativeren Fällen beauftragen will und als Evelyn ihre Recherchen trotzdem nicht ruhen lässt, wird sie schließlich vorübergehend beurlaubt. Logisch, dass die Anwältin die freie Zeit nutzt um ihre Neugier zu befriedigen…

Ähnlich verhält es sich mit Walter Pulaski, der früher einmal ein erfolgreicher Kommissar war und an aufsehenerregenden Kriminalfällen gearbeitet hat. Aufgrund seines starken Asthmas und privater Rückschläge hat er sich jedoch zum Kriminaldauerdienst versetzen lassen, um genug Zeit für die Erziehung seiner kleinen Tochter zu haben. Daher wird er nur noch zu Routineaufträgen abkommandiert, wie z.B. um den Selbstmord einer Patientin der örtlichen Psychiatrie zu bestätigen, damit der Fall zu den Akten gelegt werden kann. Trotz seiner Degradierung ist Pulaski aber immer noch mit vollem Einsatz bei der Arbeit und stößt so schnell auf Widersprüche im Suizid-Fall der jungen Natascha. Obwohl sowohl die Klinik als auch seine Vorgesetzten gegen seine Ermittlungen sind und Pulaskis Zweifeln keinen Glauben schenken wollen, macht er sich doch eigenmächtig an die Ermittlungen und bringt dadurch nicht nur die Reste seiner beruflichen Karriere in Gefahr.

Hochspannende und temporeiche Story mit einem dunklen Geheimnis 

Der Autor Andreas Gruber hat aber nicht nur zwei gleichermaßen interessante wie sympathische Protagonisten geschaffen, sondern lässt diese auch in hochkarätigen und sehr spannenden Fällen ermitteln. Sowohl die Nachforschungen der Anwältin wie auch die Ermittlungen Pulaskis umgibt permanent etwas Geheimnisvolles, das nur darauf wartet, enthüllt zu werden. Gruber legt dabei viel Wert auf Details und liefert so immer wieder kleine Hinweise und Puzzlestücke zur Aufklärung der Geschichten. Dabei ist die Handlung aber jederzeit temporeich und voller Abwechslung, sodass nicht mal ansatzweise Langeweile aufkommen kann. Durch die Erzählstruktur mit den parallel verlaufenden Handlungssträngen ergeben sich zudem zahlreiche kleine Cliffhanger, die sehr zum Weiterlesen motivieren. Der Autor schafft es außerdem, beide Erzählebenen gekonnt und glaubwürdig zusammenzuführen und bietet bis zum dramatischen Ende eine absolut packende Geschichte. Auch die Schauplätze der Story sind sehr vielseitig gewählt und so führt die Handlung ihre Hauptfiguren von Österreich über Leipzig bis nach Norddeutschland, welches mit Sylt, Bremerhaven oder Hamburg einen sehr stimmigen Rahmen für die Geschichte darstellt.

Schlussfazit:
Andreas Gruber hat mit „Rachesommer“ einen äußerst spannenden Thriller hingelegt, der den Vergleich mit Genregrößen wie Sebastian Fitzek oder Arno Strobel nicht zu scheuen braucht. Er packt gleich zwei faszinierende Geschichten und zwei gleichwertige Protagonisten in seinen Roman, welche den Leser von Beginn an für sich einnehmen. Die temporeiche und rätselhafte Story lässt kaum Zeit zum Luftholen und bietet Überraschungen und Wendungen en masse, die den Nervenkitzel auf einem sehr hohen Niveau halten.

Verschachtelt wie bei Yrsa Sigurdardottir, spannend wie ein Fitzek-Thriller

Von der Erzählweise – zwei sich abwechselnde Handlungsstränge, dunkle Geheimnisse in der Vergangenheit und viele gut gesetzte Cliffhanger – erinnert „Rachesommer“ ein wenig an Yrsa Sigurdardottirs Mystery-Thriller „Geisterfjord“, allerdings bleibt Grubers Geschichte stets bodenständig, wenngleich das Finale vielleicht ein wenig zu abgehoben ist. Erfreulicherweise bleiben die Schilderungen dabei durchgehend unblutig, trotzdem ist das Buch nichts für schwache Nerven, zumal die enthüllten Geheimnisse wirklich erschütternd sind. Als Thriller-Fan kommt man um „Rachesommer“ eigentlich kaum herum und das Buch macht überdies wirklich Lust auf mehr. Das Potenzial für Fortsetzungen ist dabei meiner Meinung nach durchaus vorhanden, denn sowohl die hartnäckige Anwältin Evelyn Meyers als auch der unangepasste Kommissar Pulaski eignen sich hervorragend als Serienfiguren. Unbedingt lesen!

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
„Rachesommer“ von Andreas Gruber ist im Goldmann Verlag erschienen und hat einen Umfang von 416 Seiten. Das Buch ist für 8,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage.


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3 Antworten zu diesem Beitrag

  • Hört sich -leider- nach einem Buch an, dass ich mir merken sollte. Ich liebe Thriller, sie dürfen zwar gerne auch blutig sein, aber Hauptsache spannend. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie der Autor die beiden Handlungsstränge zusammenführt.

    • „Rachesommer“ kann ich dir wirklich uneingeschränkt empfehlen. Hat auch woanders fast nur Top-Bewertungen bekommen: 4,5/5 bei Amazon, 4,5/5 bei Lovelybooks und 92° bei der Krimi-Couch.

Pings: