Autor: Bernard Minier
Sprecher: Johannes Steck
Länge: 19 Std. 07 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
In einem düsteren Tal in den Pyrenäen machen zwei Arbeiter eine verstörende Entdeckung: Ein riesiger, bedrohlich schwarzer Schmetterling scheint sich von den schnee und blutbefleckten Felsen abzuheben. Ein Tierkadaver, grauenvoll inszeniert. Das Werk eines Wahnsinnigen? Am Tatort werden DNA Spuren des hochintelligenten Serienmörders Julian Hirtmann gefunden. Doch dieser sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt einer hermetisch abgeriegelten Anstalt. Wie konnte der einst meistgesuchte Täter Europas seine Spuren hinterlassen, obwohl er nie seine Zelle verlassen hat? Noch während Commandant Servaz und die junge Anstaltspsychologin Diane Berg versuchen, das Rätsel zu lösen, wird das Tal von einer kaltblütig inszenierten Mordserie erschüttert, die die Ermittler an den Rand ihrer psychischen Belastbarkeit bringt…

Meine Hörbuchbesprechung:
In dem kleinen französischen Dorf Saint-Martin in den verschneiten Pyrenäen machen die Arbeiter eines Wasserkraftwerkes eine gruselige Entdeckung: Während einer Seilbahn-Fahrt sehen sie an einer Felswand ein bizarres Gebilde, welches aus der Entfernung wie ein überdimensionierter schwarzer Schmetterling aussieht. Bei genauerer Betrachtung stellt sich dies jedoch als Kadaver eines Pferdes heraus, welches von Unbekannten auf makabre Art und Weise zur Schau gestellt wurde. Aus dem benachbarten Toulouse wird Commandant Martin Servaz angefordert, der sich des unheimlichen Falls annehmen soll. Servaz ist davon aber alles andere als begeistert, schließlich hat die Mordkommission wichtigeres zu tun als sich um die Tötung eines Pferdes zu kümmern. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Tier dem reichen Großindustriellen Eric Lombard gehörte, der sich während der Tat im Ausland aufhielt.

Grausamer Pferdemord und dessen rätselhafte Verbindung zu einem inhaftierten Serienmörder

Interessant wird der Fall jedoch, als die Polizei am Tatort DNA-Spuren des berühmten Serienmörders Julian Hirtmann auffindet. Dieser befindet sich nämlich seit seiner Verhaftung vor einigen Jahren im Institut Varnier, einer in den Bergen gelegenen Anstalt für extrem gefährliche Straftäter und Psychopathen. Dieser Zusammenhang weckt auch die Neugier von Commandant Servaz, denn wie ist es möglich, dass ein streng bewachter Mörder das Pferd von Lombard entführen und an dem Felshang drapieren konnte, ohne dass es jemandem im Hochsicherheitsgefängnis aufgefallen wäre? Oder hat Hirtmann im Institut möglicherweise sogar einen Komplizen? Während Servaz nach einer Antwort auf diese Fragen sucht, wird im Dorf eine weitere Leiche aufgefunden – diesmal jedoch von einem Menschen…

Dichte Atmosphäre in der eisigen Bergwelt der Pyrenäen

Bereits die ersten Minuten des Hörbuches zu Bernard Miniers neuem Thriller „Schwarzer Schmetterling“ erzeugen eine sehr dichte Atmosphäre, die den Hörer sofort gefangen nimmt. Dazu trägt erst einmal das düstere Setting der Handlung bei. Die Geschichte spielt bis auf wenige Ausnahmen in dem kleinen Pyrenäen-Dorf, umgeben von kalten Felswänden und bedeckt von einer eisigen Schneedecke. In dieser ohnehin schon unwirtlichen Umgebung befindet sich dann auch noch eine von der Außenwelt abgeschirmte Einrichtung für die schlimmsten Mörder Europas, wie den oben erwähnten Julian Hirtmann, einem hochintelligenten und gewissenlosen Psychopathen. Wer schon einmal den Film „Die purpurnen Flüsse“ auf Basis des gleichnamigen Romans von Jean Christophe Grangé gesehen hat, dürfte sich beim Hören der Einleitung direkt „heimisch“ fühlen. Der unheimlich positionierte Tierkadaver trägt zudem noch mehr zur mysteriösen Grundstimmung der Geschichte bei.

Commandant Martin Servaz – ein sympathischer Ermittler mit Profil

Auch die Hauptfigur von „Schwarzer Schmetterling“, der Ermittler Martin Servaz, erinnerte mich zu Beginn ein wenig an die Filmrolle Jean Renos, doch Miniers Protagonist ist bei genauerer Betrachtung viel mehr als ein bloßer Abklatsch. Zunächst ordnet er sich mühelos ein in die Reihe der knurrigen „Helden“ mit turbulentem Privatleben, denn während Servaz in den Pyrenäen Verbrechen untersucht, wird daheim in Toulouse dessen jugendliche Tochter immer selbstständiger und treibt sich in dubiosen Kreisen herum, die den besorgten Vater merklich beunruhigen. Doch auch der Umgang mit seinen Polizeikollegen trägt viel zum Bild des Charakters bei, allen voran die Freundschaft zu seinem Partner Vincent Espérandieu. Dieser wird auf dem Revier von den Kollegen aufgrund seiner etwas sensiblen Art gemobbt und trotz seiner bildhübschen Ehefrau als homosexuell verspottet, ist darüber hinaus aber eine der wenigen Bezugspersonen in Servaz‘ Privatleben. Sympathisch empfand ich auch die Haltung des Commandant in der Anfangsphase der Geschichte. Der leichte Ärger über die Abkommandierung zur Untersuchung einer Tiertötung ist absolut nachvollziehbar, doch trotz des Unmutes befasst sich Servaz ernsthaft mit dem Fall und beißt sich immer mehr fest. Neben der Hauptfigur überzeugen aber auch die weiteren Charaktere wie seine Partnerin Irène Ziegler, die engagierte Staatsanwältin d’Humières oder ein Richter im Ruhestand, der Servaz beim Ideenaustausch behilflich ist. Fast ausnahmslos alle Figuren haben von Minier eine interessante Hintergrundgeschichte verpasst bekommen, welche ihnen einigen Tiefgang verleiht und die Motivationen ihrer Handlungen nachvollziehbar gestaltet.

Komplexe Geschichte mit einer Vergangenheit voller dunkler Geheimnisse

Auch die Geschichte ist sorgfältig konstruiert und entwickelt sich deutlich anders, als ich es nach dem Lesen der Inhaltsbeschreibung und nach dem Hören der ersten ein bis zwei Stunden erwartet hatte. Wer nach der makabren Zurschaustellung des Tierkadavers auf einen reißerischen und brutalen Thriller hofft, wird vermutlich schnell enttäuscht werden. Der nächste Todesfall (und der erste „richtige“ Mord) lässt eine ganze Weile auf sich warten und wird wenig blutrünstig geschildert. Stattdessen legt Bernard Minier mehr Wert auf detaillierte Beschreibungen und ein komplexes Handlungskonstrukt, welches mehrere kleine Nebenhandlungen wie z.B. eine länger zurückliegende unheimliche Selbstmordserie junger Menschen gekonnt zu einem glaubwürdigen und tiefgreifenden Gebilde zusammenführt. Eine Reihe von Personen kommt aus unterschiedlichsten Gründen als Tatverdächtige in Betracht und mehrmals wird der Hörer vom Autor auf eine falsche Fährte gelockt. Besonders faszinierend fand ich die vielen Bezüge auf Ereignisse in der Vergangenheit der Figuren, welche nach und nach immer mehr dunkle und verstörende Geheimnisse ans Tageslicht bringen. Dabei spielt der in der Inhaltsbeschreibung groß angekündigte Julian Hirtmann überraschenderweise sogar eine eher nebensächliche Rolle und wird überwiegend in der Anfangsphase thematisiert.

Trotz aller Qualität nicht ohne kleine Schwächen

Neben den interessanten Charakteren, der stimmigen Atmosphäre und der mit viel Sorgfalt und Tiefgang konstruierten Geschichte hat jedoch auch „Schwarzer Schmetterling“ seine Schwächen. Diese sind in meinen Augen vor allem in dem Handlungsstrang zu finden, der im Institut Varnier angesiedelt ist. Dabei sieht hier anfangs alles noch sehr vielversprechend aus: Die Anstalt wird stimmungsvoll eingeführt und sehr schnell als äußerst bedrohlicher Ort präsentiert – einer Ansammlung des menschlichen Abschaums. Auf mich wirkte dieser Hochsicherheitstrakt beinahe wie die Psychiatrie in Dennis Lehanes (ebenfalls verfilmten) „Shutter Island“: ein abgeschieden gelegener Gebäudekomplex voller Abgründe. Im Institut stehen vor allem der zwielichtige Anstaltsleiter Dr. Xavier und die unerfahrene Psychologin Diane Berg im Mittelpunkt, wobei die letztgenannte als eine Art verdeckte Ermittlerin agiert, allerdings auf eigene Faust und ohne Kenntnisse der genauen Zusammenhänge und Ereignisse außerhalb der Anstalt. Leider geht im Laufe der Geschichte aber viel von der Faszination dieses Ortes verloren, da die unheimliche Atmosphäre nicht über die gesamte Distanz aufrechterhalten werden kann. Zudem können die beiden oben genannten Personen leider auch nicht überzeugen: Der Direktor wird zuweilen fast als verrückter Professor dargestellt, der selbst ein Anwärter für eine Zelle wäre, und Diane Berg ist ein wenig das naive Dummchen, das von dem Bösen irgendwie fasziniert ist, aber auch nach einer Weile merkt, dass im Institut nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Die Aufklärungsversuche der jungen Frau kommen aber immer ein wenig stümperhaft rüber.

Überlanges Finale und seltene logische Ungereimtheiten

Neben dieser Hauptschwachstelle gibt es aber auch noch einige wenige Phasen, in denen die Geschichte etwas vor sich hinplätschert. In diesen Momenten wird der Hörer zwar keinesfalls gelangweilt, da selbst diese ruhigen Passagen immer interessant und voller Details sind, welche die Story abrunden, doch manchmal wäre es mir lieber gewesen, wenn wieder früher ein wenig Fahrt in die Geschichte gekommen wäre. Außerdem ist mir der Showdown ein wenig zu lang und zu spektakulär geraten, irgendwie will das actionreiche Finale in meinen Augen nicht ganz zur eher ruhigen und tiefschürfenden Handlung passen. Überdies gibt es gerade in diesen Szenen einige Ungereimtheiten, z.B. reicht ein simpler Feueralarm aus um die Sicherheitsvorkehrungen des Instituts – in welchem immerhin die gefährlichsten Psychopathen Europas einsitzen – außer Kraft zu setzen…

Zum Sprecher:
Gelesen wird „Schwarzer Schmetterling“ von Johannes Steck, einem deutschen Schauspieler und Sprecher. Obwohl dieses Hörbuch für mich eine Premiere mit diesem Erzähler darstellte, war mir zuvor schon bekannt, dass Steck in der Hörbuch- und Hörspiel-Szene ein recht hohes Ansehen genießt. Warum dies der Fall ist, davon konnte ich mich „bei Schwarzer Schmetterling“ nun selbst überzeugen. Zunächst einmal hat Johannes Steck für mich schon allein von der Stimmfarbe her die perfekte Erzählerstimme: tief, ein wenig knurrig, aber trotzdem sehr variabel.

Johannes Steck – vielseitig und geheimnisvoll wie die Story selbst

Glücklicherweise weiß Steck auch, wie er diese tolle Stimme optimal einsetzen kann. Er trifft stets den richtigen Ton, kann den einzelnen Figuren auch eine individuelle und wiedererkennbare Note verpassen und fängt die düstere und mysteriöse Atmosphäre der Geschichte perfekt ein. In vielen Momenten erinnerte mich seine Stimme zudem an die von Joachim Kerzel, der u.a. auch die deutsche Synchronstimme von Jean Reno ist, sodass ich das Bild von Reno als Commandant Servaz nie so richtig losgeworden bin…

Schlussfazit:
Mit seinem Debüt „Schwarzer Schmetterling“ ist Bernard Minier ein beeindruckender Thriller gelungen, der neben einer sympathischen und vielschichtigen Hauptfigur und einer packenden Atmosphäre auch eine faszinierende Geschichte zu bieten hat. Diese fällt zwar nicht gerade durch ein hohes Erzähltempo auf, ist aber gut durchdacht und sorgt durch viele Details und Erklärungen für ein sehr stimmiges Gesamtbild. Lediglich die Nebenhandlung im Institut Varnier fällt im Vergleich dazu ein wenig ab, zudem ist der Schluss ein wenig zu lang geraten, vor allem der Epilog wäre in meinen Augen nicht zwingend nötig gewesen.

Ein Romandebüt in bester französischer Thriller-Tradition

Wer aber französischen Thrillern wie den Werken Jean-Cristophe Grangés auch nur ansatzweise etwas abgewinnen kann, der sollte sich „Schwarzer Schmetterling“ unbedingt auf den Merkzettel packen. Doch auch Freunde von sorgfältig entwickelten Geschichten mit einer unterschwelligen unheimlichen Grundstimmung kommen hier voll auf ihre Kosten. In der Endabwertung schwankte ich lange etwas unentschlossen zwischen acht und neun Punkten, doch dank der grandiosen Lesung von Johannes Steck schafft es „Schwarzer Schmetterling“ schließlich in den sehr guten Wertungsbereich. Top-Titel!

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
Das Hörbuch „Schwarzer Schmetterling“ von Bernard Minier hat eine Länge von 19 Stunden und 07 Minuten und ist ungekürzt für 29,95 € bei audible.de erhältlich. Eine auf 07 Stunden und 19 Min. gekürzte Fassung gibt es schon für 15,95 €. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.


Fatal error: Uncaught Error: Call to undefined function MRP_show_related_posts() in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/themes/Monster/single.php:19 Stack trace: #0 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-includes/template-loader.php(78): include() #1 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-blog-header.php(19): require_once('/www/htdocs/w00...') #2 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/index.php(17): require('/www/htdocs/w00...') #3 {main} thrown in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/themes/Monster/single.php on line 19