Autor: Jamie Freveletti
Umfang: 352 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 13. Januar 2012

Klappentext:
Helles Licht blendete Emma. Als sie sich auf den Rücken wälzte, blickte sie in die Augen eines Mannes und in den Lauf eines Revolvers. „Willkommen in Mexiko,Senorita!“
Staubige Erde, Gluthitze und pure Angst: Drogenbosse haben die Biochemikerin Emma Caldrige verschleppt. Sie soll einen gefährlichen Auftrag für sie erledigen. Jetzt kämpft Emma mitten im Niemandsland um ihr Leben. Nur sie selbst kann sich retten. Aber sie erhält Hilfe von dem Mann, der sie liebt und nicht eher ruhen wird, bis er sie gefunden hat. Eine abenteuerliche Jagd beginnt, in der bald nicht mehr klar ist, wer wen verfolgt…

Zum Roman:
Die Biochemikerin Emma Caldrige hat es an die Südgrenze der USA verschlagen, wo sie für ihren Arbeitgeber, das Unternehmen Pure Chemistry, auf der Suche nach nachtblühenden Pflanzen ist, die sich für eventuelle neue Produkte nutzen lassen. Allerdings hat ihr Aufenthalt an der mexikanischen Grenze noch einen weiteren Hintergrund: Für das private Sicherheitsunternehmen Darkview soll sie Informationen über mögliche Schmuggelaktivitäten beschaffen. Dabei wird sie zwar schnell fündig, ihre Anwesenheit bleibt aber auch den Schmugglern nicht unentdeckt. Nach einer kurzen Jagd durch die mexikanische Wüste landet sie in den Armen ihrer Verfolger, welche Emma auf das Anwesen des mächtigen Drogenbosses Eduardo La Valle verschleppen.

Dieser würde die Schnüfflerin ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Weg schaffen lassen, doch die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Amerikanerin kommen ihm durchaus gelegen. La Valles Drogenfarm wird nämlich seit geraumer Zeit von einem mysteriösen Virus heimgesucht, der nicht nur den Großteil der Hanfpflanzen, sondern auch die meisten der Arbeiter auf den Plantagen befallen hat. Daher stellt der Kartelboss Emma Caldrige ein Ultimatum: Er gibt ihr sieben Tage Zeit um die Ursache der Krankheit ausfindig zu machen und ein Heilmittel zu finden. Gelingt ihr das nicht, muss sie sterben. Somit beginnt für Emma ein Wettlauf gegen die Zeit, vor allem als sie von dem Plan La Valles erfährt, mit den infizierten Pflanzen einen Anschlag auf das amerikanische Verteidigungsministerium auszuüben…

„Emmas Angst“ von der amerikanischen Autorin Jamie Freveletti ist bereits der dritte Teil der Reihe um die Biochemikerin Emma Caldrige, aus welcher zuvor schon „Lauf“ und „Flieh“ erschienen sind. Da ich aber keinen der beiden Vorgängerromane gelesen habe bin ich absolut unvoreingenommen an das Buch herangegangen. Trotzdem kann ich eines schon vorwegnehmen: „Emmas Angst“ kann problemlos als eigenständiges Werk gelesen werden, Vorkenntnisse sind meiner Ansicht nach nicht nötig, können aber im späteren Verlauf der Handlung für ein besseres Verständnis bezüglich der Beziehungen der Figuren untereinander sorgen.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgt auf jeden Fall schon einmal sehr vielversprechend: Nach einer spannenden nächtlichen Verfolgungsjagd landet Emma Caldrige schließlich in einer Falle und wird umgehend auf die Ranch des Kartelbosses La Valle gebracht, wo dieser sie mit dem Ultimatum konfrontiert, welches über das Leben der Chemikerin entscheidet. Anschließend wird Emma von Handlangern über das Anwesen geführt und über die geheimnisvollen Vorfälle auf der Farm informiert. Dies dient gleichzeitig als Einführung für den Leser, der so sehr schnell mit der Ausgangsproblematik vertraut gemacht wird. Die Schilderung der Krankheit gelingt Jamie Freveletti hier sehr eindrucksvoll und reicht von verfaulten und stinkenden Hanfplantagen mit pechschwarzen Pflanzen über schwer erkrankte Arbeiter mit blutigen und verkrusteten Geschwüren. Das sorgt zwar nicht gerade für ein bekömmliches Gefühl in der Magengegend, schafft aber schnell eine bedrückende und bedrohliche Atmosphäre. Da der Krankheitserreger noch nicht einmal ansatzweise identifiziert wurde, gibt es natürlich auch keine Informationen bezüglich Ansteckungsgefahr und Verbreitung. Allerdings nimmt die Krankheit sehr schnell einen tödlichen Verlauf, wodurch alle Anwesenden auf der Ranch einer unmittelbaren Gefahr ausgesetzt sind.

Unter einem enornem Druck ist Emma Caldrige nun also gezwungen, die Krankheit zu erforschen, ist dabei aber zwangsläufig auf primitive Hilfsmittel angewiesen, da sie keine Hilfe von außerhalb in Anspruch nehmen kann. Obwohl der Erreger einen großen Teil der Handlung bestimmt, sind mögliche Befürchtungen, es mit einem hochkomplizierten medizinischen Roman zu tun zu haben, absolut unbegründet. Die Schilderungen der Untersuchungen und das Erstellen von Diagnosen bleiben jederzeit verständlich und die Autorin wirft auch nicht mit zu vielen Fachbegriffen um sich. Vielmehr ist der Fokus der Geschichte auf Action ausgerichtet, und davon bietet „Emmas Angst“ jede Menge: halsbrecherische Verfolgungsjagden, Einbrüche in gesicherte Forschungseinrichtungen, wilde Schießereien – Langeweile kommt bei der Lektüre bestimmt nicht auf. Dass dabei handlungstechnisch nicht immer alles hundertprozentig stimmig und logisch ist, sei der Autorin dabei verziehen.

Die Charaktere der Geschichte sind abwechslungsreich und interessant, werden aber meistens nur recht oberflächlich betrachtet. Dies liegt vermutlich mit daran, dass manche wichtigen Figuren bereits in den vorherigen Bänden eingeführt und charakterisiert wurden, es sorgt aber andererseits auch dafür dass das hohe Tempo der Story nicht durch lange Beschreibungen verloren geht. Hauptfigur ist natürlich wie der Titel es vermuten lässt die Biochemikerin Emma Caldrige, eine selbstbewusste und forsche Frau, die auf der Suche nach der Wahrheit auch vor ungewöhnlichen und unbequemen Maßnahmen nicht zurückschreckt. Ihr zur Seite gestellt wird der ehemalige MIT-Student Oswald „Oz“ Kroger, der durch eigene Naivität in die gleiche missliche Lage geraten ist wie Emma. Oz wollte nämlich durch ein paar Fahrten als Drogenkurier ein wenig Geld verdienen und landete so ebenfalls in den Händen des Kartells. Aufgrund seiner Ausbildung fungiert er zuweilen als Techniker und hilft bei entsprechenden Problemen. Nach gut einem Drittel der Handlung kommen auch noch Emmas Ansprechpartner bei ihrem Arbeitgeber „Darkview“ dazu, allen voran Unternehmensleiter Edward Banner und Agent Cameron Sumner. Diese sorgen von Zeit zu Zeit für einen Perspektivwechsel und versuchen als Außenstehende, die verschwundene Emma Caldrige ausfindig zu machen und zu retten. Im Klappentext des Buches wird zwar großspurig eine Romanze angedeutet, diese findet jedoch wenn überhaupt nur andeutungsweise statt, was mir persönlich eher entgegenkam. Wer die beiden Vorgänger gelesen hat, kann mit den vereinzelten Anspielungen aber vermutlich deutlich mehr anfangen.

Mein Fazit:
Mit „Emmas Angst“ ist der Autorin Jamie Freveletti ein äußerst kurzweiliger Thriller geglückt, der sein Augenmerk bewusst auf spannende Action und weniger auf wissenschaftliche Glaubwürdigkeit legt. Freveletti fährt hier ein beachtliches Repertoire an Ideen und Wendungen auf, sodass packende Unterhaltung für die gesamte Länge garantiert ist. Das Setting im Drogenmilieu Mexikos ist gut gewählt und atmosphärisch beschrieben und die teuflische Krankheit funktioniert hervorragend als Aufhänger der Geschichte. Zudem bietet das Buch sympathische Charaktere (natürlich auf Seiten der Guten…), sodass man sich sehr leicht mit ihnen identifizieren kann. Besonders sorgfältig ausgearbeitet sind diese zwar nicht, doch dass fällt aufgrund der temporeichen Story nicht wirklich negativ ins Gewicht. Das Zitat von Bestsellerautorin Tess Gerritsen auf der Buchrückseite („Einer der packendsten Thriller, die ich seit langem gelesen habe“) ist vielleicht ein wenig hochgegriffen, doch wer sich für actionreiche Thriller im Drogenmilieu mit einem Hauch Wissenschaft und Medizin begeistern kann, den wird „Emmas Angst“ sicherlich nicht enttäuschen.

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Emmas Angst“ von Jamie Freveletti ist im Ullstein Taschenbuch Verlag erschienen und hat einen Umfang von 352 Seiten. Das Buch ist für 8,99 € als Taschenbuch erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Verlags-Homepage. An dieser Stelle auch noch ein Dankeschön an den Ullstein Taschenbuch Verlag sowie vorablesen.de, die mir das Buch vorab zum Rezensieren zur Verfügung gestellt haben.


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4 Antworten zu diesem Beitrag

  • Hört sich sehr interessant an. Mal sehen, ob ich mir das bei Skoobe leihen kann 😉 Hab vielen Dank für deine ausführliche Rezi (wobei ich bewusst nur dein Fazit lese 😉 )

    glg, Sunsy

    • Ach ich seh grad – Ullstein, geht also nicht 🙁 – schade… Dann muss ich warten, bis sich der Verlag überreden lässt, denn ich hab noch so viele Bücher auf dem SuB, dass ich momentan keine neuen kaufe 😉 – aber ich merks mir 😀

      • Ich hab auch noch so viel was ich noch lesen muss aber das hält mich irgendwie nicht davon ab, trotzdem immer weiter neue Bücher zu kaufen und auf den SUB zu packen 😀

        Bei Hörbüchern ist das irgendwie noch schlimmer…

        Gruß und noch einen schönen Abend,
        Sebastian

        • Ich weiß, was du meinst 😉 – muss mich allerdings bremsen und etwas ansparen – mein fahrbarer Untersatz ist in die Jahre gekommen und sollte ersetzt werden…

          Hab auch du einen schönen Abend, ich geh weiter lesen 😉 – glg Elke