Autor: Jonas Winner
Umfang: ca. 150 Seiten
Verlag: Berlin Gothic Media
Erscheinungsdatum: 26. August 2011

Klappentext:
Der Akkubohrer, den der Täter der Frau in den Bauch gerammt hat, liegt noch neben ihr in der Baugrube. Als Konstantin Butz von der Berliner Kripo am Fundort eintrifft, ist es Nacht und es regnet in Strömen. Butz aber glüht. Es ist das zweite Opfer innerhalb weniger Tage, das zu Tode gejagt worden ist.

Gleichzeitig am anderen Ende der Stadt: Die Fotografin Claire Bentheim verliert die Kontrolle über ein Fotoshooting. Und Till Anschütz lernt die Welt der Ziernarben, Implants und Bodymodifikationen kennen …
Es ist, als würde in der heißen Sommernacht die ganze Stadt durchdrehen.
Was aber hält all diese Ereignisse im Innersten zusammen? Was ist es, das in den Straßen, Ecken und Winkeln Berlins zu lauern scheint fast wie ein Fluch?
Konstantin Butz weiß nur eins: Dass eine Mordserie begonnen hat. Und dass er Claire liebt. Claire Bentheim, die ihn an dem Tag, an dem er die Leiche in der Baugrube entdeckt, betrügen wird – weil sie nicht durchschaut, wer es auf sie abgesehen hat …

Zum Roman:
Jeder, der in den vergangenen Monaten ab und zu in den Bestsellerlisten der eBook-Händler (z.B. bei amazon.de oder iTunes) gestöbert hat, dürfte schon einmal über die „Berlin Gothic“-Reihe gestolpert sein. Diese Thriller-Serie mit der deutschen Hauptstadt als Schauplatz ist auf sieben Bände angelegt, von denen (Stand heute) vier erhältlich sind. Eine weitere Besonderheit dieses Episoden-Romans ist, dass die Bücher zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich als eBook erhältlich sind. Der große Erfolg von „Berlin Gothic“ dürfte zwar unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass jeder Band für nur 0,99 € erhältlich ist, doch auch die Bewertungen sind im Großen und Ganzen recht ordentlich (immerhin 3,5 Sterne bei rund 30 Rezensionen auf amazon.de). Das Gesamtpaket hat mich dann schon neugierig gemacht und da man für den niedrigen Preis nicht wirklich viel falsch machen kann, habe ich mir dann auch den ersten Band „Berlin Gothic“ in meine iBooks-Bibliothek geladen.

Die Geschichte ist zunächst in zwei Haupthandlungen aufgeteilt. Protagonist des ersten Erzählstranges ist Konstantin Butz, Kommissar bei der Berliner Kripo. Dieser wird in einer verregneten Nacht zu einer Baugrube gerufen, wo eine weibliche Leiche aufgefunden wurde. Der Frau wurde ein Akkubohrer in den Bauch gerammt und Butz erkennt in der Tat schnell Ähnlichkeiten zu einem anderen Mordfall.

Der zweite Handlungsstrang spielt zwölf Jahre in der Vergangenheit und dreht sich um den Waisenjungen Till, der nach einem traumatischen Ereignis aus dem Heim „ausbricht“ und sich in den Straßen Berlins herumtreibt. Dort wird er in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem er von einer Frau angefahren wird. Diese macht sich Sorgen um den Jungen und nimmt ihn mit zu sich nach Hause, wo er auf seine Mutter warten soll – denn sie weiß nicht, dass es sich bei Till um ein entflohenes Heimkind handelt…

Ehrlich gesagt ist im ersten Band von „Berlin Gothic“ noch nicht wirklich ein roter Faden zu erkennen. Der Autor Jonas Winner springt scheinbar zufällig zwischen den beiden Erzählebenen und vermischt diese obendrein noch mit weiteren Handlungsfetzen, die Till in der Gegenwart zeigen oder sich mit der Freundin von Kommissar Butz beschäftigen. So fällt es ein wenig schwer, der Geschichte zu folgen, auch wenn man berücksichtigen muss, dass man hier lediglich die Einführung eines Thrillers vor sich hat und die folgende Handlung hier logischerweise nur angedeutet wird.

Stellenweise ist das auch recht interessant, auch wenn die große Spannung hier noch nicht aufkommen mag. Es ist auch noch nicht zu erkennen, in welche Richtung der Autor die Story entwickeln möchte. So wirkt die Till-Handlung fast wie ein Auszug aus einem Jugendbuch, die Geschichte um den Kommissar aber wie ein knallharter Serienmörder-Thriller. Zudem spielt Winner oft mit surrealen Elementen, die gerade in einer Szene ein wenig an die albtraumhaften Szenen des Films „Eyes Wide Shut“ erinnern (oder an Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“). Besonders überrascht hat mich jedoch die schwankende Qualität der beiden Haupthandlungen. Während die Vergangenheitspassagen durchaus fesselnd geschrieben sind, wirken die Gegenwartsmomente merkwürdig abgehackt und holprig, sodass kein wirklicher Lesefluss aufkommen mag.

Mein Fazit:
Da es sich bei „Berlin Gothic“ um den ersten von sieben Bänden einer Reihe handelt, fällt es zwangsläufig schwer, das Buch zu bewerten. Schließlich kann man von einer Einführung noch nicht den totalen Nervenkitzel erwarten, denn erst einmal wollen natürlich Figuren vorgestellt und die Grundlagen für die spätere Handlung gelegt werden. So fehlt dann leider auch ein wenig das Tempo und die erhoffte Spannung. Doch gerade die Geschichte um den Waisenjungen Till hat durchaus Potenzial und macht schon neugierig auf mehr, während die Serienmörder-Story noch etwas blass bleibt. Ich werde aber sicherlich auch noch den nächsten Teil, „Die versteckte Stadt“, lesen, um zu ergründen, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt. Manche mögen sich über die Staffelung in sieben Teile vielleicht beschweren, doch andererseits bietet dieses Konzept wirklich eine gute Möglichkeit, für einen geringen Preis in die Geschichte hineinzuschnuppern. Man bekommt hier auch mehr als nur eine Leseprobe, denn der Umfang ist mit ungefähr 150 Seiten (abhängig von der gewählten Schriftgröße) absolut in Ordnung und sorgt somit für ein mehr als faires Preis-Leistungs-Verhältnis.

Meine Wertung: 6/10

Informationen:
„Berlin Gothic 1: Berlin Gothic“ von Jonas Winner ist bei Berlin Gothic Media erschienen und hat einen Umfang von ca. 150 Seiten. Das Buch ist für 0,99 € ausschließlich als eBook erhältlich. Weitere Infos gibt es auf der Website des Autors.


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