Autor: Vincent Kliesch
Sprecher: Uve Teschner
Länge: 08 Std. 18 Min (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Drei Jahre nachdem Julius Kern den Putzteufel-Mörder gefasst hat und wieder ins LKA zurückgekehrt ist, wird eine verstümmelte Frauenleiche ans Havelufer geschwemmt und Hauptkommissar Julius Kern steht vor einer neuen Herausforderung. Siebzehn Frauen hat der so genannte Schläfenmörder in verschiedenen Bundesländern bereits getötet, jede auf eine andere Weise. Nur eines haben die Opfer alle gemeinsam – eine Schlagwunde an der rechten Schläfe. Das LKA Bayern stellt Kern und seinem Team die Fallanalytikerin Eva Fuchs zur Seite. Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis…

Zum Hörbuch:
Als die Überreste einer jungen Frau ans Ufer der Havel getrieben werden, bietet sich der Polizei ein grauenvoller Anblick. Das Opfer wurde mit einer Säge in zwei Hälften zerteilt, zudem weist die Leiche eine Wunde an der Schläfe auf. Schnell wird klar, dass es sich bei der Toten um ein weiteres Opfer des „Schläfenmörders“ handeln muss, einem brutalen Serienkiller, der bereits siebzehn Frauen auf seinem Gewissen hat. Dessen Morde verteilen sich über die gesamte Bundesrepublik und obwohl sich die Art der Verstümmelung immer unterscheidet, so haben doch alle Taten eines gemeinsam: Jedes Opfer wurde durch einen Hammerschlag auf die Schläfe entweder betäubt oder getötet, wodurch der „Schläfenmörder“ zu seinem Namen kam. Nun treibt der Killer anscheinend auch in der deutschen Hauptstadt sein Unwesen.

Mit der Mordermittlung wird Julius Kern beauftragt, der bereits drei Jahre zuvor mit dem sogenannten „Putzteufel“ einen ähnlich skrupellosen Serienmörder überführt hat. Ihm zur Seite wird die Münchnerin Eva Fuchs gestellt, die als Fall-Analytikerin bestens mit den bisherigen Taten des „Schläfenmörders“ vertraut ist und Kern bei seinen Untersuchungen unterstützen soll. Doch trotz der tatkräftigen Unterstützung kommt Kern mit seinen Ermittlungen nur mühsam voran und  dem Täter nicht wirklich näher, bis er unverhofft einen anonymen Brief zugespielt bekommt, über dessen Absender er sich jedoch schnell im Klaren ist: Es kann sich nur um Tassilo Michaelis handeln, dem gewissenlosen Massenmörder und Erzfeind Kerns. Offenbar verfügt Tassilo über wertvolle Informationen bezüglich des „Schläfenmörders“, doch dafür müssten Kern und seine Kollegen ein großes Opfer bringen…

„Der Todeszauberer“ ist bereits der zweite Roman des deutschen Autors Vincent Kliesch mit dem Berliner Kommissar Julius Kern in der Hauptrolle. Schon im Vorgänger „Die Reinheit des Todes“ bekam Kern es mit einem Serienkiller zu tun und konnte diesen nur unter Einsatz seines Lebens zur Strecke bringen. Seit diesem Fall sind nun drei Jahre vergangen und in der Zwischenzeit hat sich einiges getan: Kern, der damals nur als Verstärkung aus Brandenburg angefordert wurde, ist nun fest bei der Berliner Polizei angestellt und auch in seinem Privatleben gab es eine erfreuliche Entwicklung. So lebt Kern wieder mit seiner Frau Nathalie und der gemeinsamen Tochter Sophie zusammen, die im ersten Roman noch von ihm getrennt lebten, nachdem Julius zu viel Einsatz in seine Polizeiarbeit gesteckt hatte und seine Familie über einen längeren Zeitraum vernachlässigte.

Doch egal ob man den Vorgänger kennt oder nicht – der Einstieg in die Geschichte fällt leicht. Vincent Kliesch packt seine Leser und Hörer bereits ab der ersten Szene, in welcher der „Todeszauberer“ sein späteres Opfer in einer hypnoseähnlichen Behandlung durch ein Traumszenario führt, welches mit dem obligatorischen Hammerschlag seinen Höhepunkt findet. Eine Szene später liegt die Frau halbiert am Havelufer und Julius Kern betritt die Bühne. Durch die Fall-Analytikerin Eva Fuchs werden der Ermittler sowie der Hörer schnell über die wichtigsten Eckpunkte des „Schläfenmörders“ in Kenntnis gesetzt und die bisherigen (ergebnislosen) Ermittlungen der vorangegangenen Morde kurz zusammengefasst. Dadurch ist man direkt ohne lange Einführungsphase mittendrin im Geschehen.

Wie schon bei „Die Reinheit des Todes“ macht Kliesch aber um die Identität des Mörders kein großen Geheimnis und präsentiert den „Schläfenmörder“ schon in der Anfangsphase seinem Publikum. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, denn erneut schafft es der Autor, den Killer mit einer interessanten und glaubwürdigen Persönlichkeit auszustatten. Immer wieder schlüpft man in die Perspektive des Täters, folgt seinen Gedanken und kann dadurch die Gründe für die Morde nachvollziehen bzw. bekommt durch dessen Sichtweise eine überzeugende Erklärung geliefert.

Besonders gelungen ist diesmal auch das Umfeld des Mörders. Denn was mir im Vorgänger noch nicht so gut gefallen hat und stellenweise etwas nervte, ist nun unheimlich faszinierend. Schauplatz der Handlung ist nämlich zu großen Teilen die Varieté-Szene, im speziellen das kleine Theater „Mes amis“, welches unter seinem Besitzer, einem Transvestiten mit dem Künstlernamen „Madame“, aber auch schon bessere Tage gesehen hat. Dessen Ensemble besteht aus den unterschiedlichsten Charakteren, wie einem in die Jahre gekommenen Messerwerfer, einer alten Theremin-Spielerin, einem jungen Artisten, der das „Mes amis“ als Sprungbrett für seine Karriere nutzen will und nicht zuletzt aus dem Killer selbst.

Einen weiteren Reiz zieht „Der Todeszauberer“ aber auch wieder aus der Beziehung zwischen Julius Kern und seinem Erzfeind Tassilo Michaelis – dem Mann, der vor Jahren fünf Menschen grausam hinrichtete aber wegen Mangels an Beweisen nicht verurteilt werden konnte, was Kern damals schwer getroffen hat und auch heute noch an ihm nagt. Wie schon die Inhaltsbeschreibung andeutet könnte Tassilo einen entscheidenden Beitrag zur Ergreifung des „Schläfenmörders“ leisten, doch der von ihm als Gegenleistung verlangte Preis ist abschreckend hoch. Das psychologisch hochinteressante Duell der beiden Rivalen wird also auch in diesem Buch fortgeführt und kommt vermutlich erst im bald erscheinenden dritten Teil der Kern/Michaelis-Trilogie („Der Prophet des Todes“) zum Abschluss. Mit dem kellnernden Massenmörder ist dem Autor ein sehr charismatischer und zugleich beängstigender Soziopath „gelungen“, der einem Hannibal Lecter in nichts nachsteht.

Zum Sprecher:
Wie der Vorgänger wird „Der Todeszauberer“ ebenfalls von Uve Teschner gelesen, der sich immer mehr zu einem meiner Lieblingssprecher mausert. Erneut liefert Teschner eine beeindruckende Vorstellung und verkörpert sowohl den Ermittler Julius Kern als auch den eiskalten Tassilo Michaelis jederzeit glaubwürdig. Besonders nachhaltend dürfte jedoch seine Interpretation des „Schläfenmörders“ sein, der seine Morde immer mit einer kleinen Gesangseinlage einläutet, die einem die Nackenhaare aufstellt. Wenn ein Opfer in Todesangst um sein Leben rennt und Teschners diabolisches „Willkommen… Bienvenue… Welcome…“ hinter ihm ertönt, so sorgt dies für absolute Gänsehaut. Nur der bayerische Dialekt der Münchner Fall-Analytikerin überzeugt nicht ganz. Zwar spricht Teschner deren Akzent angenehm dezent, doch sein Bayerisch wirkt leider ein wenig befremdlich.

Mein Fazit:
Wer befürchtet hat, dass Vincent Klieschs spannender Debütroman „Die Reinheit des Todes“ eine Eintagsfliege gewesen sein könnte, der kann beruhigt aufatmen. Mir persönlich gefällt „Der Todeszauberer“ sogar noch ein wenig besser als der Vorgänger, was vor allem an der diesmal interessanteren Figur des Mörders liegt, aber auch am grandiosen Varieté-Szenario. Gerade das hochdramatische Finale passt perferkt in die kleine Theater-Welt und treibt den Puls in gefährliche Höhen. Obwohl Kliesch seinen Killer schnell enthüllt, ist die Geschichte zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ein sympathischer Ermittler mit glaubwürdigem Privatleben, ein spannender und schockierender Kriminalfall sowie das schon im ersten Band fesselnde Psychospiel zwischen Julius Kern und Tassilo Michaelis sorgen für überaus kurzweilige acht Stunden. Für den kommenden Band „Der Prophet des Todes“ wünsche ich mir nur, dass Kerns schwierige Ehe mal etwas in den Hintergrund tritt – diese ist in zwei Romanen nun zur Genüge thematisiert worden. Insgesamt ist „Der Todeszauberer“ ein fast perfekter Thriller, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Meine Wertung: 9/10

Informationen:
Das Hörbuch hat eine Länge von 8 Stunden und 18 Minuten und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich. Flexi-Abonnenten zahlen wie gewohnt nur 9,95 €. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei audible.de.

Der Todeszauberer – Hörbuch-Trailer