Autor: Sebastian Fitzek
Sprecher: Simon Jäger
Länge: 9 Std. 57 Min. (ungekürzt)

Inhaltsbeschreibung von audible.de:
Dr. Suker ist einer der besten Augenchirurgen der Welt. Und Psychopath. Tagsüber führt er die kompliziertesten Operationen am menschlichen Auge durch. Nachts widmet er sich besonderen Patientinnen: Frauen, denen er im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnet. Denn bevor er sie vergewaltigt, entfernt er ihnen sorgfältig die Augenlider. Bisher haben alle Opfer kurz danach Selbstmord begangen. Aus Mangel an Zeugen und Beweisen bittet die Polizei Alina Gregoriev um Mithilfe. Die blinde Physiotherapeutin, die seit dem Fall des Augensammlers als Medium gilt, soll Hinweise auf Sukers nächste „Patientin“ geben. Zögernd lässt sich Alina darauf ein – und wird von dieser Sekunde an in einen Strudel aus Wahn und Gewalt gerissen …

Zum Hörbuch:
„Der Augenjäger“ ist (wie man am Namen bereits erahnen kann) die Fortsetzung von Sebastian Fitzeks sehr erfolgreichem Thriller „Der Augensammler“ und schließt direkt an die Ereignisse des Vorgängers an. Zwar behauptet Fitzek in seinem Vorwort, dass das Buch eine eigenständige Geschichte ist und keinerlei Vorwissen erfordert, dem kann ich jedoch nicht wirklich zustimmen. „Der Augensammler“ bleibt auch im zweiten Teil der Reihe ein vorherrschendes Thema. Es wird oft auf Geschehnisse aus diesem Buch Bezug genommen und die Handlung dreht sich fast ausschließlich um die gleichen Personen. Daher meine persönliche Empfehlung: Bitte unbedingt vorher den Vorgänger hören, denn sonst werden einige Passagen, Beziehungen oder Motive für Neueinsteiger wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen sein und den Hörer nur verwirren. Und noch eine Warnung, die auch Fitzek seinem neuen Werk voranstellt: Wer erst den „Augenjäger“ und danach den „Augensammler“ hört/liest, der hat am ersten Band nur noch halb so viel Spaß, denn alle Geheimnisse sind dann bereits enthüllt.

Doch nun zur Handlung: Da „Der Augenjäger“ wie erwähnt unmittelbar an den Vorgänger anschließt, hier zunächst eine kurze Schilderung der Ausgangslage. Das Leben von Polizeireporter Alexander Zorbach liegt in Trümmern. Seine Frau Nicci wurde von einem grausamen Serienmörder, dem sogenannten „Augensammler“ getötet und sein kleiner Sohn Julian entführt. Gemäß der Spielregeln des Täters hat Zorbach nun fünfundvierzig Stunden und sieben Minuten Zeit, das Versteck des Kindes zu finden. Gelingt ihm das nicht vor Ablauf des Ultimatums, muss Julian sterben. Ein Schicksal, wie es zuvor bereits drei weitere Kinder ereilt hat, die der „Augensammler“ in seine Gewalt gebracht hatte. Hinter den Morden und Entführungen steckt der Zeitungsvolontär Frank Lahrmann, mit dem Zorbach seit geraumer Zeit zusammenarbeitete. Von Lahrmann fehlt seit Julians Verschwinden jede Spur und Alexander Zorbach hat nur noch wenige Stunden Zeit, um seinen Sohn lebend zu finden.

Und genau hier setzt die Handlung des „Augenjägers“ ein. Zorbach ist es gelungen, das Versteck des Augensammlers ausfindig zu machen, einen ausrangierten Gastanker, der verlassen in der Hamburger Werft liegt. Als der Polizeireporter mit Kommissar Stoya und einem Spezialeinsatzkommando sieben Minuten nach Ablauf des Ultimatums ins Schiff eindringt, finden sie dort nur eine verschlossene Kiste, jedoch keinen kleinen Jungen. In diesem Moment klingelt Zorbachs Handy und Frank Lahrmann bietet ihm eine letzte Chance, Julian doch noch zu retten. Er verrät ihm den Code für das Schloss des Behälters, in welchem sich eine Waffe befindet. Mit dieser muss Zorbach sich selbst das Leben nehmen, damit sein Kind weiter leben darf. Nach ein paar letzten Worten zwischen Vater und Sohn setzt Zorbach die Pistole an seinen Kopf und drückt ab…

Anschließend springt die Handlung sieben Wochen voraus. Die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev befindet sich in der geschlossenen Abteilung des Gefängniskrankenhauses, wo sie dem mutmaßlichen Serienvergewaltiger Zarin Suker gegenübersitzt. Dieser ist ein erfolgreicher Augenchirurg und zählt aufgrund seiner Fähigkeiten zu den besten Ärzten weltweit. Doch Dr. Suker führt ein schockierendes Doppelleben. Nachts macht er Jagd auf junge Frauen, die er anschließend brutal vergewaltigt. Vorher entfernt er ihnen jedoch mit äußerster Präzision die Augenlider, damit seine Opfer das ganze Grauen mitansehen müssen. Die Frauen sind danach so verstört und geschädigt, dass sie kurz nach der Tat Selbstmord begehen. Alina Gregoriev soll der Polizei nun helfen, Hinweise auf Sukers nächstes Opfer zu finden. Denn die Therapeutin hat eine wertvolle Gabe: Bei Berührung eines Menschen kann sie unter bestimmten Umständen in die Zukunft des anderen blicken. Da Alina schon beim Fall des Augensammlers geholfen hatte, erhofft sich die Polizei auch diesmal wichtige Erkenntnisse. Denn Dr. Suker sitzt zwar in Untersuchungshaft, doch da es an Beweisen für seine Schuld mangelt, steht seine Entlassung kurz bevor. Das einzige Opfer, dass die Vergewaltigung überlebt hat und den Chirurg belasten könnte, ist kurz zuvor spurlos verschwunden. So ruhen alle Hoffnungen auf Alina Gregoriev, die sich durch ihr Eingreifen jedoch selbst in tödliche Gefahr bringt…

Sebastian Fitzek gelingt es wieder einmal, dass man ab der ersten Minute tief in die Geschichte eintaucht. Man wird sofort in das Geschehen hineinkatapultiert und muss mit dem Tod von Alexander Zorbach (der Hauptfigur aus Teil 1) direkt einen schweren Schock verkraften. Und auch die zweite Protagonistin aus „Der Augensammler“, die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev, sieht sich einer unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt. Zudem macht der Hörer gleich Bekanntschaft mit dem „Bösewicht“, einem skrupellosen Augenchirurg ohne Gewissen, der seine Opfer schlimmsten Qualen aussetzt. Dieser wirkt auf den ersten Blick charmant und zivilisiert, verbirgt hinter dieser Fassade jedoch eine unglaubliche Kaltblütigkeit, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Natürlich hat Fitzek auch direkt wieder einige Überraschungen parat, denn Alexander Zorbach ist auf dem Schiff nicht ums Leben gekommen, sondern hat den Kopfschuss schwerverletzt überlebt und befindet sich nun in ärztlicher Behandlung – ebenso wie Sukers überlebendes Opfer, die junge Tamara Schlier. Diese ist nämlich nicht spurlos verschwunden, sondern verweigert plötzlich die Aussage gegen den Chirurgen, wodurch dessen Entlassung aus der U-Haft unmittelbar bevor steht. Somit folgt man als Hörer wieder dem eingespielten Team Zorbach/Gregoriev, die beide an unterschiedlichen Fronten kämpfen. Denn Zorbach sinnt vorrangig nach Rache an Frank Lahrmann, dem Entführer seines Sohnes, und führt den Kampf gegen den „Augensammler“ weiter. Dieser scheint ihm auch weiterhin immer einen Schritt voraus zu sein, sodass Zorbach immer tiefer in die Abgründe des Serienmörders eintauchen muss. Alina hingegen bekommt es überwiegend mit dem teuflischen Dr. Suker zu tun, der nach seiner Entlassung weiter seinem grausamen Treiben nachgeht. Allerdings besteht offenbar eine Verbindung zwischen beiden Psychopathen, sodass die beiden Fälle von Fitzek geschickt miteinander verknüpft werden.

Die Charaktere aus dem Vorgänger werden dabei gelungen weiterentwickelt. Neben Zorbach und Alina trifft man dabei wieder auf die Polizisten Stoya und Scholokowsky und natürlich auf Frank Lahrmann, den „Augensammler“. Fitzek wechselt dabei immer wieder die Perspektive, was zwei große Vorteile hat. Zum einen bietet der ständige Wechsel zwischen den Protagonisten viel Abwechslung, und andererseits ergeben sich so immer wieder fiese Cliffhanger, wenn der Autor kurz vor Enthüllung eines Geheimnisses wieder zur nächsten Person springt. Hier wird klar, dass Fitzek sein Thriller-Handwerk sehr gut versteht und weiß, wie man den Leser/Hörer an eine Geschichte fesselt.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch etwas Kritik üben, denn in meinen Augen übertreibt es Fitzek etwas an überraschenden Wendungen und Enthüllungen. Mehrfach gibt es Ereignisse, welche den bisherigen Wissenstand auf den Kopf stellen und alles dagewesene in einem anderen Licht erscheinen lassen. Dies hat allerdings zur Folge, dass man als Hörer mit der Zeit etwas abstumpft. Irgendwann erreicht man die Stelle, an welcher man nur noch auf den nächsten Schock oder Handlungs-Twist wartet, sodass dessen Wirkung schon etwas abgeschwächt ist, wenn er denn dann eintrifft. Hier ist es wie bei einem guten Horrorfilm: Die besten Schocks sind doch immer noch diejenigen, die einen völlig unvorbereitet treffen. Im letzten Handlungsdrittel des „Augenjägers“ wirft Fitzek mit Überraschungen jedoch nur so um sich, sodass diese nicht mehr ihre volle Wirkung entfalten können. Mir ging es oft so, dass ich über die unwahrscheinlichste Möglichkeit nachgedacht habe, welche Richtung die Geschichte nun einschlagen könnte – und nicht selten war genau dies dann auch der Fall. Man könnte fast sagen, dass das Buch in seiner Unvorhersehbarkeit schon wieder vorhersehbar ist. Hier wäre meiner Meinung nach weniger mehr. Die finale Auflösung war zwar gelungen und wird viele Leser auch wieder bis ins Mark erschüttern, ich fand es diesmal aber nicht ganz so überraschend.

Zum Sprecher:
Wie es sich für ein Sebastian Fitzek-Hörbuch gehört, wurde der Titel wieder von Simon Jäger eingesprochen. Dieser begeistert wie eigentlich immer mit seiner Lesung, die genauso eindringlich ist wie die Romanhandlung selbst. Ob Kommissar mit Berliner Dialekt oder eiskalter Psychpath – Jäger meistert jede Rolle mühelos. Eine absolut tadellose Vorstellung, aber was anderes habe ich auch gar nicht erwartet. Das Duo Fitzek/Jäger gehört für mich genauso gesetzt wie die Paarungen Katzenbach/Jäger, Stephen King/David Nathan oder Bill Bryson/Oliver Rohrbeck. Ein Fitzek-Hörbuch ohne Simon Jäger als Sprecher wäre irgendwie kein richtiger Fitzek.

Mein Fazit:
Nach dem großen Erfolg von „Der Augensammler“ sind die Erwartungen an den Nachfolger natürlich riesig. Doch ich kann alle Fitzek-Fans beruhigen: Die Hoffnungen werden nicht enttäuscht. „Der Augenjäger“ bietet wieder einmal Thriller-Unterhaltung vom Feinsten, voller überraschender und schockierender Wendungen, interessanter Charaktere und einem packenden Finale. Allerdings war mir persönlich die ein oder andere Überraschung „too much“. Es scheint stellenweise fast so, als wolle Fitzek unbedingt immer noch eins draufsetzen. So wirkt die Handlung rückblickend doch etwas arg konstruiert und ein wenig unglaubwürdig. Am Ende des Buches gibt der Täter einen interessanten Satz von sich: „Vielleicht habe ich es mit der Inszenierung ein wenig übertrieben“. Diese Aussage spiegelt auch ein wenig meine Meinung über das Hörbuch wider. Außerdem war es für meinen persönlichen Geschmack ein wenig zu viel „Augensammler“ und zu wenig „Augenjäger“. Die Figur des Zarin Suker bietet eigentlich genügend Potenzial für einen eigenen Roman oder zumindest eine noch größere Aufmerksamkeit, sodass es der vielen „Augensammler“-Passagen nicht unbedingt gebraucht hätte. Doch all das ist Meckern auf hohem Niveau, denn noch immer gilt: Wo Fitzek drauf steht ist auch Fitzek drin. Wem „Der Augensammler“ gefallen hat, für den ist auch „Der Augenjäger“ ein Pflichtkauf. Zwar ist es nicht sein bester Roman (das bleibt meiner Meinung nach weiterhin „Der Seelenbrecher“) aber immer noch ein sehr guter Thriller mit einem überragenden Sprecher Simon Jäger. Ich habe jetzt aber auch erst einmal genug von Augen-fixierten Serientätern und wünsche mir für das nächste Fitzek-Buch mal wieder was ganz Neues…

Meine Wertung: 8/10

Informationen:
„Der Augenjäger“ von Sebastian Fitzek hat eine Spieldauer von 9 Std. und 57 Min. und ist ungekürzt für 20,95 € bei audible.de erhältlich. Im Flexi-Abo kostet der Titel wie gewohnt nur 9,95 €. Der Trailer zum Buch ist unten eingebettet. Weitere Informationen gibt es auf der Detail-Seite bei Audible. An dieser Stelle auch noch ein großes Dankeschön an das Team von Audible.de, welches mir das Hörbuch zum Rezensieren zur Verfügung gestellt hat.


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