Ein Jahreswechsel ist immer auch der Zeitpunkt, um auf die vergangenen 12 Monate zurückzublicken, und in den letzten Jahren ist es bei mir zur lieb gewonnenen Tradition geworden, mein persönliches Lesejahr im Rahmen der „BuchSaiten Blogparade“ Revue passieren zu lassen. Dieser etwas andere Jahresrückblick, bei dem es nicht um unbedingt um die besten oder schlechtesten gelesenen Bücher, sondern vielmehr um die größten Überraschungen und Enttäuschungen, besondere Entdeckungen und auch einen kleinen Ausblick auf das neue Jahr geht, wurde ursprünglich von Katrin ins Leben gerufen, wie schon im vergangenen Jahr wird aber auch diese 9. „BuchSaiten Blogparade“ wieder von der guten Petzi von „Die Liebe zu den Büchern“ ausgetragen.

Für mich ist es in diesem Jahr die sechste Teilnahme und trotz der inzwischen vermeintlich erlangten Routine ist es mir auch diesmal wieder schwer gefallen, mich in den jeweiligen Kategorien auf jeweils nur einen Kandidaten festzulegen. Da ich meinen Lesegeschmack mittlerweile ganz gut einschätzen kann und meistens mit realistischer Erwartungshaltung an meine Bücher herangehe, bleiben die ganz großen positiven und negativen Überraschungen bei mir nämlich meistens aus. Trotzdem haben sich letztlich dennoch wieder bestimmte Titel herauskristallisiert, die sich über eine entsprechende Auszeichnung freuen dürfen – oder aber auch nicht 😀

Falls ihr auch noch schnell bei der BuchSaiten Blogparade 2017 mitmachen möchtet, ist ein wenig Eile geboten: Deadline für die Teilnahme ist nämlich bereits der 6. Januar 2018. Alle wichtigen Informationen findet ihr natürlich bei Petzi.

Normalerweise kann ich mit regionalen Provinzkrimis im Stil von Rita Falk etc. nicht viel anfangen. Das liegt zum einen daran, dass ich es nicht sonderlich spannend finde, wenn z.B. der bayerische Dorftrottel-Polizist die entflohene Kuh von Bauer Ewald wieder einfangen muss, zum anderen setzen mir diese Geschichten häufig zu sehr auf Klamauk und Klischees.

Eine Ausnahme sind für mich jedoch die Krimis von Dietrich Faber rund um den hessischen Ermittler Henning Bröhmann, die ich gerade zu Beginn der Reihe immer irgendwie charmant fand und die zwar nicht unbedingt richtigen Nervenkitzel, aber immerhin solide Spannung boten. Im Verlauf der ersten vier Bände hat meine Begeisterung für die Reihe aber ein wenig nachgelassen – die Geschichten blieben zwar ganz nett, der Krimi-Anteil wurde aber gefühlt immer geringer und somit rutschte die Bröhmann-Reihe für mich mehr und mehr in die Kategorie „Kann man lesen, muss man aber nicht“ ab.

Demzufolge waren meine Erwartungen an den fünften Band „Hessen zuerst!“ nicht besonders hoch, vor allem als ich dem Klappentext entnehmen konnte, dass der Autor sich nun auch noch der allgegenwärtigen Flüchtlingsproblematik widmen würde. Ich befürchtete schon ein peinliches Ausschlachten von Klischees, wurde aber gleich in vielerlei Hinsicht überaus positiv überrascht. Natürlich spielt Faber mit den zu erwartenden Stereotypen und übertreibt an manchen Stellen gezielt, zeichnet aber dennoch ein erschreckend realistisches Bild der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Situation im Land. Trotzdem kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz, sodass der fünfte Bröhmann-Fall zum Paradebeispiel für das oftmals (auch von mir) belächelte Provinzkrimi-Subgenre wird: „Hessen zuerst!“ ist jederzeit unterhaltsam, witzig, traurig, überraschend spannend und in der Hörbuchfassung vom Autor selbst grandios gelesen – inklusive hessischer Mundart und kleiner Gesangseinlage. Für mich damit absolut hochverdient meine positive Überraschung des Jahres!

Für meine Enttäuschung des Jahres musste ich ein wenig weiter zurückgehen, denn ich habe „The Ask and the Answer“ von Patrick Ness bereits im Januar 2017 gelesen – trotzdem ist mein Ärger über den zweiten Band der „Chaos Walking“-Trilogie immer noch nicht ganz verraucht. Ich weiß, dass der Autor für viele Leser und Blogger zu den absoluten Lieblingen gehört und ich selbst war begeistert von „A Monster Calls“, „More Than This“ oder sogar dem ersten „Chaos Walking“-Band „The Knife of Never Letting Go“ – die Fortsetzung konnte meine zugegeben hohen Erwartungen aber bei weitem nicht erfüllen.

Einerseits fand ich die Handlung des zweiten Buches über weite Strecken recht repetitiv und eintönig, doch mein Hauptproblem mit „TAatA“ lag für mich eindeutig bei den Hauptfiguren. Während ich in „TKoNLG“ noch mit Viola und Todd mitgefiebert habe, hat sich meine Haltung gegenüber den Protagonisten beim Lesen des Sequels nahezu komplett gedreht und ich habe vor allem Todd teilweise regelrecht für sein Handeln verachtet. Um an dieser Stelle Spoiler zu vermeiden, werde ich meine Kritikpunkte an dieser Stelle nicht weiter vertiefen (wer mehr wissen möchte findet diese in meiner Goodreads-Rezension), moralisch fand ich das Verhalten der Charaktere aber insgesamt einfach nicht vertretbar, sodass mir ihr Schicksal immer mehr egal wurde, was die Spannung der Geschichte für mich massiv beeinträchtigt hat – auch wenn das Buch immer noch einen gewissen Suchtfaktor hatte. Auch ein Jahr später habe ich daher immer noch nicht „Monsters of Men“, den letzten Band der Reihe gelesen…

Meine persönliche Autoren-Neuentdeckung ist diesmal kein/e Debütautor/in, sondern einer der ganz großen Namen der Literaturgeschichte. Ich bin im vergangenen Jahr nämlich zum ersten Mal mit den Werken von Agatha Christie in Kontakt gekommen, deren Namen ich persönlich zuvor in erster Linie mit den Schwarz/Weiß-Filmklassikern mit Margaret Rutherford in ihrer Paraderolle als Kult-Ermittlerin Miss Marple verbunden habe – selbst habe ich von diesen Filmen zwar (noch) keinen gesehen, erinnere mich aber vage daran, die ein oder andere Szene in jüngeren Jahren mal auf dem großelterlichen Fernseher beim sonntäglichen Kaffeebesuch aufgeschnappt zu haben. Agatha Christies Bücher selbst hatten mich bis vor wenigen Monaten noch in erster Linie wegen der hübschen Cover gereizt und nicht wegen ihrer Inhalte, auch weil ich zu Literaturklassikern im Allgemeinen ein eher zwiespältiges Verhältnis habe.

Ein wenig durch Zufall ist dann dieses Jahr „And Then There Were None“ – vielleicht DER Krimi-Klassiker schlechthin – bei Maraia und mir eingezogen und da mit „Mord im Orient-Express“ eine weitere Agatha-Christie-Verfilmung in den Startlöchern stand, haben wir es einfach mal mit diesen beiden Büchern versucht – und waren sehr begeistert. Wir waren dabei auch ein wenig überrascht, dass der Schreibstil auch nach all den Jahrzehnten seit Veröffentlichung der Romane immer noch relativ zeitlos ist und sich die Geschichten im Vergleich zu manch anderem Klassiker überhaupt nicht angestaubt anfühlten. Seitdem sind wir beide regelrecht im Agatha-Christie-Fieber und fleißig dabei, unsere noch eher kleine Sammlung zu erweitern – die Jagd auf die hübschen (und leider zum Teil nur noch schwer zu bekommenden) HarperCollins-Ausgaben hat begonnen! 😀

Mein erster Gedanke zu dieser Kategorie war recht offensichtlicher Natur, denn wie vermutlich vielen anderen ist auch mir beim Thema „Lieblings-Cover 2017“ schnell die von Jim Kay illustrierte Ausgabe von „Harry Potter and the Prisoner of Azkaban“ in den Sinn gekommen – sicherlich ein absolut würdiger Anwärter auf die Auszeichnung, vor allem weil die Umschlag-Gestaltung des dritten Bandes mit dem Knight Bus mein bisheriger Favorit ist. Wie in den vergangenen beiden Jahren habe ich mich aber dazu entschlossen, die illustrierten HP-Ausgaben ein wenig außer Konkurrenz laufen zu lassen, da diese sonst wohl auch bei den nächsten vier Blogparaden als „Lieblings-Cover“ auftauchen würden und das doch ein bisschen eintönig wäre.

Stattdessen habe ich mich in diesem Jahr für „Wolf Road“ von Beth Lewis entschieden, denn hier stimmt für meinen Geschmack einfach alles: das Motiv ist passend zur Handlung gewählt und untermalt die eisige, einsame und düstere Atmosphäre der Geschichte, farblich harmonieren die grauen, gelben und weißlichen Elemente hervorragend miteinander und auch typographisch ist das Cover sehr gelungen – zwar ist die Schriftart selbst eher klassisch und schlicht gehalten, sorgt mit der individuellen Kombination der Buchstaben L und F aber für einen kleinen Hingucker und ist mit dem integrierten Wolf-Motiv ebenfalls eine absolute Augenweide. Das Buch selbst war für mich im Übrigen nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ein Kandidat für die Überraschung des Jahres und ist gerade für Fans von Geschichten wie „True Grit“ oder „The Revenant“ eine klare Empfehlung wert!

Meine am meisten erwartete Neuerscheinung 2018 hängt in gewisser Weise sogar mit meiner persönlichen Autoren-Neuentdeckung des vergangenen Jahres zusammen, denn „The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle“ von Stuart Turton soll sich laut Buchbeschreibung gerade für Fans von Agatha Christie eignen und wird bereits seit Wochen und Monaten auf dem internationalen Buchmarkt gehypt und mit Lobeshymnen regelrecht überschüttet. Mich hat das Buch gleich aus mehreren Gründen neugierig gemacht: a) der bereits erwähnte Agatha-Christie-Vergleich, b) weitere gezogene Parallelen zum Christopher-Nolan-Film „Inception“, c) der Tatsache, dass es sich um ein „Locked Room Mystery“ handeln soll, d) das toll gestaltete Buchcover und nicht zuletzt e) der überaus interessant und originell klingende Klappentext.

Laut Beschreibung geht es nämlich um den Tod der Titelfigur Evelyn Hardcastle, die während eines Balls im Haus ihrer Eltern ermordet wird. Dieses erschütternde Ereignis wiederholt sich jedoch wieder und wieder und kann nur dadurch gestoppt werden, dass Aiden Bishop, einer der Gäste der Veranstaltung, Evelyns Mörder unter den Anwesenden ausfindig macht und ihre Erschießung rechtzeitig verhindert. Mit jeder Wiederholung des Tages erwacht Aiden aber immer im Körper eines anderen Gastes und muss so nach und nach das tödliche Rätsel um die Identität des Killers lösen. Für mich klingt das Buch nach einer spannenden Kombination aus klassischem Krimi und interessanter Zeitschleifen-Thematik und hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir „The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle“ auf keinen Fall entgehen lassen werde. Zum Glück muss ich auch nicht allzu lange warten, denn die englische Originalausgabe erscheint bereits Anfang Februar. 

Was waren eure persönlichen Überraschungen und Enttäuschungen
des Lesejahres 2017 und auf welche Bücher freut ihr euch
2018 am meisten?


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