Tote Hunde beißen nicht_Rezi

Eigentlich wollte Kommissar Henning Bröhmann die Beerdigung eines alten Polizeikollegen in Berlin nur dazu nutzen, um einen günstigen Familienausflug mit seinen Eltern und seinen beiden Kindern in die Hauptstadt zu unternehmen, doch der Trip entwickelt sich schon kurz nach der Ankunft zum Desaster: Auf dem Friedhof fallen während der Trauerfeier plötzlich Schüsse und der Neffe des Verstorbenen bricht tot zusammen. Besonders für Henning und seinen Vater ist dieser Anschlag ein Schock, da beide nur knapp von der tödlichen Kugel verfehlt wurden. Nach der ersten Erleichterung über das Überleben dieses Albtraums gibt genau dies Henning schließlich Grund zu höchster Beunruhigung: War der Neffe vielleicht gar nicht das beabsichtigte Opfer des Mörders, sondern galt der Todesschuss womöglich sogar ihm oder seinem Vater? Als Bröhmann Senior nur kurz nach der überhasteten Rückkehr nach Hessen dann auch noch spurlos verschwindet, sieht für Henning alles danach aus, als würde jemand eine alte Rechnung mit dem früheren Polizeichef begleichen wollen…

Hessens Provinz-Kommissar Henning Bröhmann in seinem bisher persönlichsten Fall

So angenehm die Ruhe und Gemütlichkeit der hessischen Provinz für einen grundsätzlich eher arbeitsunwilligen Polizisten wie Henning Bröhmann auch sein mag: Manchmal muss man selbst als eingefleischter Vogelsberger einfach mal raus aus dem Dorf und die Beerdigung eines früheren Kollegen seines Vaters in Berlin scheint die perfekte Gelegenheit für eine kurze Flucht aus dem anstrengenden Alltag, wo Henning während des Gefängnisaufenthalts seiner Frau gezwungenermaßen als Alleinunterhalter seine pubertierende Tochter und seinen kleinen Sohn aufziehen muss. Hätte Henning aber gewusst, dass er bei diesem Familienausflug nur knapp mit dem Leben davonkommt, hätte er seine Alltagsprobleme sicherlich vorgezogen – so aber muss Bröhmann in „Tote Hunde beißen nicht“ von Dietrich Faber zum dritten Mal unfreiwillig in einem Mordfall ermitteln. Diesmal ist Henning sogar auf ganz besondere Weise involviert, denn alles hat den Anschein, als hätte es ein Wahnsinniger auf seinen Vater abgesehen, wodurch der Junior tief in die Vergangenheit seines alten Herrn und dessen ruhmreicher Polizeikarriere eintauchen muss.

Der einstige Dorftrottel mausert sich langsam zum ernstzunehmenden Ermittler

Henning Bröhmann kann einem dabei fast schon leidtun: Frau (vorübergehend) mal wieder weg, das Verhalten der Kinder gibt Anlass zur Sorge, ein Mordanschlag wird nur knapp überlebt und dann verschwindet auch noch der Vater. Allerdings leidet man aber auch immer wieder gerne mit dem angenehm durchschnittlichen Ermittler, der eben nicht durch geniale Kombinationsgabe oder ausgeprägtem Spürsinn auffällt wie die meisten seiner Genre-Kollegen, sondern einfach nur mit möglichst wenig Ärger und Anstrengung durch den Alltag kommen will. Fairerweise muss man dem Provinz-Kommissar aber zugute halten, dass er im Laufe der drei bisherigen Bände („Toter geht’s nicht“, „Der Tod macht Schule“, „Tote Hunde beißen nicht“) immerhin eine durchaus achtbare Entwicklung durchlaufen hat: War Bröhmann in seinem ersten Fall häufig nur der Polizeitrottel vom Dorf, so hat sich inzwischen fast schon so etwas wie Ermittlerinstinkt ihn im manifestiert. Natürlich ist auch Dietrich Fabers dritter Roman für erfahrene Krimifans keine allzu harte Nuss, man kommt aber nicht umhin festzustellen, dass die Fälle von Band zu Band schon ein wenig an Anspruch gewinnen. So ist die Suche nach Bröhmanns verschwundenem Vater, die Aufklärung des Friedhof-Attentats und das Aufrollen eines alten Mordfalls durchaus spannend, wenngleich die Lösung einen dann aber doch nicht vor unüberwindbare Herausforderung stellt – trotzdem liefert Faber hier was die Krimihandlung betrifft eine sehr solide Geschichte ab.

Nicht gerade anspruchsvoll, aber sehr amüsant und sympathisch

Sind wir aber mal ehrlich: Wer raffinierte Kriminalfälle, nervenzerreißende Spannung oder bluttriefende Morde haben will, der sucht sich dafür nicht die hessische Provinz aus. Bei Dietrich Fabers Bröhmann-Krimis steht einfach der Unterhaltungsaspekt klar im Vordergrund – und das ist auch gut so. Nach wie vor zündet zwar nicht unbedingt jeder Gag und die Dialoge driften oft sogar bewusst in die Klamauk-Schiene ab, trotzdem liefert der Autor auch im dritten Anlauf viele skurrile und witzige Situationen und einige wirklich gelungene Pointen – mein Favorit ist nach wie vor Hennings Teilzeit-Hilfskraft und Fast-Freund Teichner, der gerade in der von Dietrich Faber wieder selbst gelesenen und höchst unterhaltsam Hörbuch-Fassung wohl für die größten Lacher sorgen dürfte. Besonders wenn der Möchtegern-Schlagerstar seinen „Lonesomer Wolf“-Ohrwurm zum besten gibt, dürfte kein Auge trocken bleiben. Ja, es ist eindeutig seichte Lektüre und ja, das Gehirn muss beim Lesen nicht auf Hochtouren arbeiten um den Kriminalfall zu lösen, ich finde Dietrich Fabers Bröhmann-Reihe aber einfach grundsympathisch und habe mich auch von „Tote Hunde beißen nicht“ wieder gut unterhalten gefühlt. Von den vielen humorigen Provinz-Krimis gehören Fabers Romane für mich eindeutig zu den lesens- bzw. vor allem hörenswerteren Vertretern und ich freue mich schon auf Bröhmanns vierten Fall „Schneller, weiter, toter“, der im September erscheinen wird.

Tote Hunde beißen nicht
  • Autor:
  • Sprecher: Dietrich Faber
  • Reihe: Henning Bröhmann #3
  • Länge: 7 Std. 5 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Random House Audio
  • Erscheinungsdatum: 3. März 2014
  • Preis Audio-CD 19,99 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Provinz-Kommissar Henning Bröhmann hat in Dietrich Fabers „Tote Hunde beißen nicht“ inzwischen zwar ein wenig an Reife und Ermittlungserfahrung gewonnen, dennoch ist auch sein dritter Fall für Hobby-Spürnasen kaum eine ernste Herausforderung – Spaß macht dieser kurzweilige Hessen-Krimi aber dennoch wieder, was nach wie vor an den sympathisch-skurrilen Charakteren, dem abwechslungsreichen Humor und nicht zuletzt an der höchst unterhaltsamen Autorenlesung der Hörbuchversion liegt.

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