Die Suche_Rezi

Erica Stroud-Jones steht vor einem Durchbruch in der Malaria-Forschung und damit vor dem Höhepunkt ihrer Karriere als Wissenschaftlerin: Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Nick Carver reist sie nach Amsterdam, wo sie auf einem Kongress ihre bahnbrechenden Erkenntnisse im Kampf gegen die heimtückische Tropenkrankheit präsentieren möchte. Als Nick aber am Morgen nach ihrer Ankunft im Hotelzimmer erwacht, ist Erica plötzlich verschwunden – und das wenige Stunden vor ihrem Vortrag auf der Tagung. Nick meldet seine Frau bei der Amsterdamer Polizei als vermisst, stößt bei den Beamten aber auf wenig Hilfsbereitschaft: es gäbe keine Hinweise auf ein Verbrechen, zudem sei noch nicht genug Zeit seit Ericas Verschwinden vergangen, um eine Fahndung nach der Vermissten einzuleiten. Nick ist jedoch überzeugt, dass seine Freundin niemals freiwillig ihre Präsentation verpassen würde und setzt alles daran, Erica auf eigene Faust ausfindig zu machen. Dabei ahnt er nicht, dass kurz zuvor in der niederländischen Hafenstadt ausgerechnet der Erreger freigesetzt wurde, dessen Bekämpfung Erica ihr ganzes berufliches Leben gewidmet hat…

Die Niederlande in Aufruhr: Malaria-Ausbruch in Amsterdam

Jahr für Jahr fließen Unmengen von Forschungsgeldern in die Suche nach Heilmitteln gegen Krankheiten aller Art und für Pharmakonzerne auf der ganze Welt ist der Handel mit Medikamenten und Impfstoffen ein Milliardengeschäft. Eine weit verbreitete Krankheit wird von den meisten Unternehmen auf diesem Sektor aber eher stiefmütterlich behandelt: Malaria, jene gefährliche Tropenkrankheit, die durch den Stich einer Mücke auf den Menschen übertragen wird und die im schlimmsten Fall bis zum Tod führen kann. Für viele Konzerne scheint die Malaria-Forschung jedoch nicht lukrativ genug, da die Krankheit hauptsächlich in den Tropen und Subtropen verbreitet ist und in diesen oft eher ärmlichen Gebieten kein großes Geschäft mit Impfstoffen oder Heilmitteln zu machen ist. Was wäre aber, wenn plötzlich die Industrienationen von der tückischen Tropenkrankheit betroffen wären? Dieser Fragestellung widmet sich Nick Louths Thriller „Die Suche“, in dem der Malaria-Erreger absichtlich im niederländischen Amsterdam verbreitet wird und mit rasender Geschwindigkeit immer mehr Menschen mit der Krankheit infiziert werden.

Kein wissenschaftlicher Exkurs, sondern eine handfeste Ein-Mann-Rettungsmission

Louths Roman ist aber in erster Linie nicht etwa ein wissenschaftlich angehauchter Katastrophen-Thriller, vielmehr steht hier vorrangig ein persönlicheres Schicksal im Vordergrund: Eine Malaria-Forscherin verschwindet in der Nacht vor der Präsentation ihrer bahnbrechenden Erkenntnisse spurlos und ihr Freund macht sich im Alleingang auf die Suche nach ihr – eine Mission, die ihn schnell in den Amsterdamer Untergrund führt. Die vermisste Wissenschaftlerin Erica Stroud-Jones bleibt dabei auch für die Leser wie vom Erdbogen verschluckt und tritt in der Geschichte nur in Form von Tagebucheinträgen auf, in denen sie von ihren turbulenten und gefährlichen Erlebnissen während einer früheren Forschungsreise in Afrika berichtet – allerdings spielt die Tropenkrankheit auch in diesen Handlungsstrang kaum eine Rolle. Das ist ein wenig schade und vom Verlag meiner Meinung nach auch etwas unglücklich kommuniziert, denn obwohl Nick Louth immer wieder Informations-Schnipsel über Art, Verbreitung und Bekämpfung des Malaria-Erregers einstreut, nimmt der wissenschaftliche Aspekt leider nur einen sehr geringen Teil des Romans ein. Abgesehen von den – für mich viel zu vielen und dem Spannungsaufbau eher abträglichen – Tagebuch-Passagen ist „Die Suche“ fast schon ein Hardboiled-Thriller, der vom harten und gefährlichen Kampf eines Mannes gegen die Entführer seiner Freundin berichtet. Diese Risiko-Mission wird vom Autor zwar durchaus spannend und mit einem guten Tempo erzählt, allerdings wirkt die Geschichte die meiste Zeit recht kühl und emotionslos – man hat einfach nie das Gefühl, dass hier ein Mann verzweifelt auf der Suche nach der Liebe seines Lebens ist, vielmehr erscheint Nick Carver oft eher wie ein Söldner, der einfach kompromisslos seine Rettungsmission erfüllen muss. Dass er dabei vom Künstler, der Skulpturen herstellt, plötzlich zur unverwundbaren Ein-Mann-Armee mutiert, ist dabei ebenso unglaubwürdig wie die zwar nicht uninteressant konstruierte, aber eben auch etwas hanebüchen erscheinende Auflösung der Geschichte.

Spannender Action-Thriller, aber nicht ohne Schwächen

Dennoch ist „Die Suche“ gewiss kein schlechtes Buch: Abgesehen von den immer wieder den Erzählfluss störenden Einschüben der Afrika-Nebenhandlung ist die Geschichte kurzweilig und mit der ein oder anderen ganz guten Wendung, zudem kann Nick Louth mit der nach wie vor aktuellen Thematik punkten – denn obwohl der Roman im Original bereits 2007 erschien, wartet man auch heute noch auf die erste offizielle Zulassung eines Malaria-Impfstoffes. Ich hätte mir lediglich manchmal etwas weniger Action und dafür einen stärkeren Fokus auf die wissenschaftlichen Aspekte gewünscht, zudem konnte ich zu den eher emotionslosen Charakteren oft nur schwer eine Beziehung aufbauen. Recht angetan war ich hingegen von Jürgen Holdorf, der als Sprecher der Hörbuchfassung einen insgesamt guten Job macht und stimmlich auch gut zum eher coolen Charakter des Protagonisten passt. Elena Wilms, die Ericas Tagebucheinträge vorliest, tut dies zwar ebenfalls routiniert, leidet jedoch ein wenig unter dem etwas langatmigen Stil dieser Berichte und kann sich so kaum wirklich auszeichnen.

Die Suche
  • Autor:
  • Sprecher: Jürgen Holdorf, Elena Wilms
  • Original Titel: Bite
  • Länge: 13 Std. 21 Min.
  • Verlag: HörbucHHamburg HHV GmbH
  • Erscheinungsdatum: 8. Mai 2015
  • Preis 10,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Nick Louths Roman „Die Suche“ setzt trotz der Malaria-Thematik den Fokus eher auf kurzweilige Action statt auf wissenschaftliche Details, erzählt aber nichtsdestotrotz eine über weite Strecke spannende Story, die allerdings ein wenig unter den zu kühl geratenen Charakteren und der etwas überkonstruierten Auflösung leidet.

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