Control_Rezi

Der ambitionierte Physiker John Grady steht kurz vor dem Höhepunkt seiner Laufbahn: In einem kleinen Forschungslabor ist es Grady und seinem Team gelungen, einen Gravitationsspiegel zu entwickeln, mit dem es möglich ist, die Schwerkraft der Erde umzukehren – eine bahnbrechende Erfindung, mit der Grady der Physik-Nobelpreis bereits sicher zu sein scheint. Statt der Erfüllung seines großen Traums geschieht jedoch das Unfassbare: Gradys Labor wird von maskierten Männern überfallen, welche die Einrichtung mitsamt der Wissenschaftler kurzerhand in die Luft sprengen und damit nicht nur innerhalb eines Wimpernschlages zahlreiche Menschenleben auslöschen, sondern auch jahrelange Forschungsarbeit mit einem Schlag zunichte machen. Auch John Grady kommt bei der Explosion ums Leben – so wird es zumindest der Öffentlichkeit weisgemacht. In Wirklichkeit wacht der Physiker jedoch im Gewahrsam einer geheimen Organisation auf, die Gradys gesamtes bisheriges Weltbild zum Einsturz bringt…

Was wäre, wenn die Menschheit viel fortschrittlicher ist alle denken?

Wenn man sich einmal vor Augen hält, dass die Menschheit bereits im Jahr 1969 den Mond erobert hat, so erscheinen die späteren Errungenschaften angesichts der immer fortschrittlicheren Technologien vergleichsweise unspektakulär – die Raumfahrtprogramme der führenden Industrienationen scheinen zu stagnieren, die Menschen bewegen sich immer noch nicht in fliegenden Autos durch die Gegend und die Wissenschaft ist nach wie vor machtlos gegen tödliche Krankheiten wie Krebs oder das HIV-Virus. Was wäre jedoch, wenn die Wissenschaft auf einem viel weiteren Stand wäre, als es der Allgemeinheit vermittelt wird, die neuen Technologien ihr aber zum vermeintlichen Wohle der Menschheit vorenthalten würden? Dieser Gedanke ist die Ausgangsidee zum Wissenschaftsthriller „Control“ von Daniel Suarez, in dem eine streng geheime amerikanische Behörde Durchbrüche in der Forschung kontrolliert und neue Errungenschaften einer rigorosen Zensur unterzieht. Erachtet das BTC, das Bureau of Technology Control, eine Technologie für zu fortschrittlich und als eine Gefährdung der bestehenden Strukturen der Weltwirtschaft, so werden deren geniale Erfinder rigoros entführt und mitsamt ihrer Erkenntnisse unter Verschluss gehalten – ein Schicksal, wie es auch den Protagonisten John Grady trifft, der sich nur kurz über seinen Gravitationsspiegel freuen darf.

Faszinierendes, aber auch sehr anspruchsvolles Setting

Es ist ein hochinteressantes Setting, das sich Suarez zum Ausgang seiner Geschichte genommen hat, da sein Gedankenspiel zum einen gar nicht mal so unrealistisch erscheint und ihm zugleich schier unbegrenzte Möglichkeiten beschert. Denn in der geheimen Welt des BTC ist praktisch alles möglich: Krebs wurde bereits vor Jahrzehnten geheilt, Unsterblichkeit ist längst keine Theorie mehr und menschenähnliche Roboter Teil des alltäglichen Lebens. Suarez hat einen Heidenspaß an seinem Szenario und tobt sich auch gleich zu Beginn in Sachen neue Technologien richtig aus – beim Lesen bzw. Hören klappt einem vor Staunen über die futuristischen Erfindungen fast im Minutentakt die Kinnlade herunter, zugleich wird man aber auch vor eine große Herausforderung gestellt: Es ist als Nicht-Naturwissenschaftler nahezu unmöglich, mit Suarez’ Ausführungen Schritt zu halten, da der Autor einerseits mit physikalischen Erklärungen und Begriffen um sich schmeißt, es ihm aber leider nicht immer gelingt, seine Darstellungen verständlich zu veranschaulichen. So ist die erste Hälfte der Geschichte zwar wahnsinnig faszinierend und ein kleines Fest für Verschwörungstheoretiker, ich habe mich zuweilen aber von der geballten Physik-Dosis ein wenig überfordert gefühlt.

Starke erste Hälfte, ab der Mitte jedoch eine eher uninspirierte Action-Orgie

Deutlich ärgerlich ist jedoch, dass Daniel Suarez ab der Mitte einen radikalen Stilwechsel weg vom ambitionierten, aber packenden Wissenschaftsthriller hin zum uninspirierten Actionfeuerwerk vollzieht. Die so viel versprechend gestartete Story verläuft immer mehr im Sande und steuert auf ein vorhersehbares Ende zu, während sich „Control“ wie ein 08/15-Hollywood-Blockbuster zunehmend in Bombast-Szenen verliert. Anfangs sind solche Passagen auch aufgrund der spektakulär eingesetzten Technologien zwar noch unterhaltsam, bei der pausenlosen Action-Orgie der zweiten Hälfte lässt beim Hören des Hörbuches aber irgendwann fast zwangsläufig die Konzentration nach – während es um einen herum nur noch knallt und kracht, schweift man mehr und mehr mit den Gedanken ab und denkt wehmütig an die originelle Einleitungsphase zurück. Schließlich war bei mir einfach der Punkt erreicht, an dem ich das Interesse am Ausgang der Geschichte fast völlig verloren hatte. Das ist wirklich schade, denn „Control“ hätte das Potenzial zu einem absoluten grandiosen und einfallsreichen SciFi-Thriller gehabt, so wird der starke Eindruck der ersten Hälfte aber leider vom Action-Overkill der zweiten Hälfte getrübt und Suarez’ Roman auf etwas bessere Durchschnittskost abgewertet – da kann auch Uve Teschners gewohnt großartige Lesung der Hörspielfassung die Enttäuschung nicht voll auffangen. Schade…

Control
  • Autor:
  • Sprecher: Uve Teschner
  • Original Titel: Influx
  • Länge: 13 Std. 50 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Argon Verlag
  • Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2014
  • Preis 24,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
7/10
Fazit:
Daniel Suarez’ Wissenschaftsthriller „Control“ beginnt vielversprechend mit einem originellen und hochinteressanten Szenario, die zunächst sehr spannende Story verkommt in der zweiten Hälfte aber immer mehr zur uninspirierten Action-Orgie, welche der faszinierenden Ausgangsidee leider nicht mehr gerecht wird.

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