The Mime Order_Rezi

Paige Mahoney hat die Gefangenenkolonie Sheol I zwar hinter sich gelassen und ist der Sklaverei durch die Rasse der Rephaim vorerst entkommen, ihre Situation hat sich dadurch aber kaum verbessert. Von vielen ihrer Mit-Flüchtlinge fehlt jede Spur und Paige ist als Verursacherin des Aufstandes nun die meistgesuchte Person in London. Bei der Flucht wurde sie zudem von Warden getrennt und ist nun völlig auf sich allein gestellt, weshalb ihr nichts anderes übrig bleibt als sich wieder der Untergrundzelle „The Seven Seals“ um ihren früheren Mentor Jaxon Hall anzuschließen. Zwar steht Paige bei Jaxon nach wie vor hoch im Kurs und soll auch weiterhin zu seiner Nachfolgerin – einen Aufstieg des Mime-Lords im Londoner Untergrund vorausgesetzt – ausgebildet werden, allerdings findet sie in ihm keinerlei Unterstützung für ihren weiter andauernden Kampf gegen die Rephaim. Diese dringen jedoch immer weiter nach London vor und stehen kurz davor, die englische Hauptstadt endgültig zu unterjochen…

Zurück in London, aber noch immer auf der Flucht

Samantha Shannons „The Mime Order“, nach „The Bone Season“ der zweite Band der auf sieben Bücher ausgelegten Fantasy-Reihe, zählte ohne Frage zu den wohl am meisten erwarteten Bücher des neuen Jahres und dürfte nach dem großen Erfolg des Vorgängerromans fast schon automatisch einer der ersten großen 2015er-Bestseller werden. Inhaltlich knüpft die Fortsetzung jedenfalls nahtlos an den Auftaktband an und die Handlung setzt mitten in Paiges Flucht aus Sheol I ein. Shannon beginnt hier gleich mit einer packenden und dramatischen Actionsequenz, die einen sofort wieder mitten in die Welt von Traumwandlern, Hellsehern und Rephaim hineinzieht – allerdings wird dieser flotte Auftakt dann erstmal für eine ganze Weile die letzte rasante Szene des Buches gewesen sein. Die Autorin nimmt nach Paiges Ankunft in dem nach wie vor von dem globalen Sicherheitsunternehmen Scion kontrollierten London nämlich deutlich Tempo raus und nimmt sich die Freiheit, erst einmal ausführlich auf die neue Situation in der Hauptstadt einzugehen.

Überzeugt erneut mit dem komplexen Setting, erfordert aber auch wieder viel Geduld

Damit besinnt sich Shannon wieder auf die großen Stärken von „The Bone Season“, nämlich die intensive Atmosphäre und das fantastische Worldbuilding. Letzteres entpuppt sich wenig überraschend wieder als sehr komplex und während die Geschichte im Auftaktband überwiegend in der Gefangenenkolonie Sheol I spielte, steht nun vor allem der Londoner Untergrund im Fokus, in dem ein erbitterter Machtkrieg zwischen den Mime-Lords um die Führungsposition im Verbrechersyndikat tobt, in den auch Paige nach ihrer Rückkehr schnell hineingezogen wird. Und wer die Figurenkonstellation in „The Bone Season“ schon kompliziert fand, wird sich im zweiten Band wohl noch mehr überfordert fühlen, denn alleine schon in den sechs verschiedenen Kohorten des Syndikats gibt es nicht weniger als 36 verschiedene Charaktere, die auf unterschiedliche Weise im Untergrund die Fäden ziehen. Natürlich spielt nur ein kleiner Teil eine bedeutende Rolle in der Geschichte, dennoch sorgen die vielen Real- und Rufnamen des öfteren für Verwirrung. Bei dieser Komplexität bleibt natürlich auch nicht allzu viel Raum für die einzelnen Charaktere, sodass sich Shannon hauptsächlich auf Paige und ihre Beziehungen zu ihrem Mime-Lord Jaxon Hall und ihrem Rephaim-Vertrauten Warden konzentriert. Das ist einerseits gut so, da sowohl die von vielen Spannungen und wenig Vertrauen geprägte Verbindung zwischen Paige und Jaxon und das brisante romantische Verhältnis zwischen Paige und Warden viel Konfliktpotenzial mit sich bringen – für Nebencharaktere bleibt dabei jedoch kaum Raum.

Gute Fortsetzung, die aber etwas zu lange braucht um in Fahrt zu kommen

„The Mime Order“ ist also erneut keine einfache Lektüre, zumal die vielen verschiedenen Fähigkeiten und die daraus resultierende Einteilung in rund 50 Charakterklassen das Ganze zusätzlich erschweren. Natürlich muss man sich nicht alles merken, Geduld braucht man für die Lektüre aber auf jeden Fall, zumal die Handlung im Mittelteil ein wenig auf der Stelle tritt, das Buch sich eine kleine Schwächephase erlaubt und in diesen Passagen vorrangig von der angespannten und erneut sehr intensiven Atmosphäre lebt. Dafür entschädigen aber die letzten 100 Seiten, in denen Samantha Shannon dann ein wahres Feuerwerk abfeuert und in fast einer einzigen durchgehenden Szene die Ernte ihres gemächlich aber eben sehr gründlich aufgebauten Handlungskonstrukts einfährt. Brauchte man auf den vorherigen 400 Seiten gelegentlich eine Pause, um dem Kopf eine Auszeit von der Komplexität des Buches zu geben, so wird man „The Mime Order“ zum Schluss kaum noch aus der Hand legen können. Dieser Endspurt entschädigt auf jeden Fall für alle Mühen und macht mit einem gemeinen Cliffhanger schon einmal heiß auf den dritten Band. Und wenn man sieht, wie „erwachsen“ diese noch junge Reihe bereits mit dem zweiten Buch ist, kann man sich auf die nächsten fünf Teile eigentlich nur freuen.

Faktenbox
  • Autor:
  • Reihe: The Bone Season #2
  • Umfang: 528 Seiten
  • Verlag: Bloomsbury
  • Erscheinungsdatum: 27. Januar 2015
  • Preis Geb. Ausgabe 14,95/eBook 9,09 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Samantha Shannon überzeugt auch in „The Mime Order“ wieder mit einem sehr komplexen und faszinierenden Setting, interessanten Charakteren und intensiver Atmosphäre, die häufig aber etwas zähe und anstrengende Handlung kann jedoch erst in der furiosen Schlussphase voll ihre Trümpfe ausspielen und hundertprozentig mitreißen.

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