Golden Son_Rezi

Darrow hat es geschafft: Nach einem harten und verlustreichen Wettkampf hat der aus dem Sklavenstand auf dem Mars emporgestiegene junge Rebell einen ruhmreichen Sieg davongetragen, der ihm die Gunst der Obrigkeit eingebracht hat. Unter der Obhut von Nero au Augustus, dem Erz-Gouverneur des Mars, hat Darrow nun die Chance, seine riskante Undercover-Mission fortzusetzen und weiter in die Gesellschaftsschicht der führenden Golds einzudringen. Nach einem verheerenden Fehler verliert Darrow jedoch schlagartig die Unterstützung seines Mentors und ist dadurch auch seinen Erzfeinden aus dem Haus Bellona schutzlos ausgeliefert, die nach den Ereignissen auf dem Mars immer noch nach Rache für den Tod eines ihrer hochangesehenen Familienmitglieder sinnen. Durch diese dramatische Veränderung ist nicht nur Darrows Leben mehr in Gefahr denn je, auch sein Plan zur Unterwanderung der Golds und der damit verbundenen Befreiung seines Volkes scheint ohne die Unterstützung des Hauses Augustus in weite Ferne gerückt…

Mitten hinein in den blutigen Machtkampf um das Sonnensystem

Eines der Markenzeichen von „Red Rising“, dem Auftaktband der gleichnamigen Trilogie von Pierce Brown, war die bemerkenswerte und in dieser Konsequenz auch oft verstörende Kompromisslosigkeit, mit welcher der Autor seine Geschichte erzählt hat – und dass sich daran in der Fortsetzung „Golden Son“ wohl auch nichts ändern wird, zeigt schon die bombastische Auftaktszene des zweiten Bandes, die in einer dramatischen Weltraumschlacht gleich einmal Hunderte Todesopfer fordert und den Ambitionen des Protagonisten auf einen Schlag einen herben Dämpfer verpasst. Der im ersten Buch mühsam und bis aufs Blut erkämpfte Aufstieg in die Herrscherschicht des Sonnensystems ist mit einer Unachtsamkeit schon wieder hinfällig und Darrow wird plötzlich zu Freiwild, ist weitestgehend auf sich allein gestellt und kann niemandem mehr trauen. Etwas überraschend an diesem Einstieg in die Handlung ist die Tatsache, dass seit den Ereignissen von „Red Rising“ inzwischen rund zwei Jahre vergangen sind und Pierce Brown die wohl von vielen für das Sequel erwartete Ausbildungszeit am Institut einfach mal komplett überspringt. Das ist zwar einerseits von Vorteil, weil „Golden Son“ somit ohne Einleitungsphase direkt mitten ins Geschehen springt, bringt aufgrund der doch nicht unbedeutenden Zeitspanne zwischen den Ereignissen aber auch gewisse Einstiegsschwierigkeiten mit sich – so habe ich eine ganze Weile gebraucht, um mich wieder in die Figurenkonstellationen hineinzuarbeiten, obwohl bei mir zwischen Band 1 und 2 nicht mal ein ganzer Monat Pause lag.

Vollgepackt mit bombastischer Action und skrupellosen Intrigen

Denn trotz des wirklich extrem hohen Actionanteils – man hat zwischenzeitlich fast das Gefühl man würde sich in Echtzeit durch eine einzige epische Weltraum-Schlacht bewegen – ist „Golden Son“ auch die ganze Zeit über sehr politisch und braucht sich in der Komplexität seiner Bündnisse und Intrigen auch hinter einem Werk wie der „A Song of Ice and Fire“-Reihe kaum verstecken. Hier zeigt sich erst so richtig, was für ein beeindruckendes politisches und gesellschaftliches System Pierce Brown mit seiner durch ein umfassendes Farbsystem geregelten Hierarchie aufgebaut hat und wie viel Potenzial dieses zwar nicht unkomplizierte, aber dennoch äußerst faszinierende Schichten-Modell in sich birgt. Nicht nur aufgrund der lateinischen Namen wirkt „Golden Son“ häufig so, als hätte man das alte Rom mit all seiner Brutalität und Skrupellosigkeit einfach nur ein paar hundert Jahre in die Zukunft und auf andere Planeten transportiert.

Furioses Weltraumspektakel mit kleinen Storyschwächen

Trotz des hohen Erzähltempos und der erneut verstörenden Kompromisslosigkeit der Geschichte mit seinen im späteren Verlauf kaum noch zählbaren Opfern konnte mich „Golden Son“ aber dennoch nicht ganz so überzeugen wie der Auftaktroman der Trilogie. Das liegt für mich hauptsächlich daran, dass dem Buch meiner Meinung nach ein typischer Spannungsaufbau fehlt: Es geht zwar von der ersten bis zur letzten Seite fast ohne Pause heftig zur Sache, ich hatte aber oft das Gefühl dass die Gesamthandlung bei all den Actionszenen manchmal etwas zu sehr auf der Strecke bleibt und viele Passagen etwas sprunghaft miteinander verknüpft wurden. Hier hätte die ein oder andere Ruhephase der Geschichte für meinen Geschmack gutgetan, damit man die Ereignisse und auch sich selbst zwischendurch mal etwas hätte ordnen können. So ist „Golden Son“ mitunter manchmal doch etwas chaotisch und verwirrend, weil man sich wirklich anstrengen muss um bei den vielen Wendungen und Umstürzen noch den Anschluss zu halten – auch wenn diese Konfusion in Teilen sicher auch gewollt ist um zu verdeutlichen, dass die Hauptfigur wirklich niemandem trauen kann und hinter jeder angebotenen Unterstützung der nächste fatale Hinterhalt lauert. Der zweite Band der „Red Rising“-Trilogie ist also wieder ein überaus fesselndes Buch geworden, mir persönlich hat der Vorgänger aber einfach etwas mehr zugesagt. Dass man aber so oder so um den Abschlussband „Morning Star“ nicht drum herum kommt, dafür sorgt Pierce Brown alleine schon mit dem bösen und alles zum Einsturz bringenden Schlusskapitel, für den der Begriff „fieser Cliffhanger“ noch deutlich zu harmlos ist…

Golden Son
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Golden Son (27. April 2015)
  • Reihe: Red Rising #2
  • Umfang: 464 Seiten
  • Verlag: Del Rey
  • Erscheinungsdatum: 6. Januar 2015
  • Preis Geb. Ausgabe 17,69 €/eBook 9,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Pierce Brown setzt seine „Red Rising“-Trilogie mit „Golden Son“ furios fort und liefert von der ersten bis zur letzten Seite dramatische Intrigen, schockierende Gewalt und atemberaubende Bombast-Action, verliert dabei die Gesamthandlung aber manchmal ein wenig aus den Augen.

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