Extinction_Rezi

Der Amerikaner Jonathan Yeager verdient sein Geld als Söldner und reist im Rahmen dieser Tätigkeit von einem Krisengebiet der Welt ins nächste. Gerade noch auf einer brisanten Mission im Irak, soll er nun im Auftrag der US-Regierung einen Einsatz in Afrika antreten. Das Unternehmen ist streng geheim und auch dem Team von Elitesoldaten um Jonathan Yeager wird das Missionsziel zunächst vorenthalten – alles was die Söldner wissen ist, dass der Einsatz sie in den tiefsten Dschungel der Demokratischen Republik Kongo verschlagen wird. Erst vor Ort erhalten sie schließlich ein detaillierteres Briefing: Bei einem kleinen Pygmäenstamm soll ein gefährliches Virus ausgebrochen sein, welches eine Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellen könnte. Um eine globale Katastrophe zu verhindern, sollen Yeager und seine Kameraden eine Ausbreitung des Virus mit allen Mitteln unterbinden – und dazu auch vor der drastischsten aller Möglichkeiten nicht zurückschrecken…

Ein Pygmäenstamm im kongolesischen Dschungel als globale Bedrohung

Washington, D.C.: Im Weißen Haus hat der US-Präsident seinen Stab und seine wichtigsten Berater versammelt, um am anderen Ende der Welt eine streng geheime Mission zu planen, die in erster Linie die Vereinigten Staaten vor einer tödlichen Gefahr bewahren soll. Dass dabei ein paar Dutzend unzivilisierte Bewohner des kongolesischen Dschungels plötzlich zur ultimativen Bedrohung der Supermacht werden, wirkt zu Beginn von Kazuaki Takanos Wissenschafts-Thriller „Extinction“ zwar ein wenig befremdlich, die ungewöhnliche und zunächst auch sehr geheimnisvolle Ausgangssituation weckt aber zumindest schon einmal die Neugier der Leserschaft. Zudem sorgt die Skrupellosigkeit der amerikanischen Regierung und ihres Unterfangens für verstörte Faszination, denn die Mission im Urwald hat nichts weniger als die völlige Ausrottung des Pygmäenstammes zum Ziel – nicht nur für Jonathan Yeager, als erfahrener Söldner eigentlich gegen die Schrecken der Welt inzwischen weitestgehend abgehärtet, ein echter Schock. Dem Familienvater bleibt aber kaum eine Wahl, schließlich liegt sein kleiner Sohn mit einer tödlichen Krankheit im Sterben und ist daher dringend auf alle nur erdenklichen finanziellen Mittel angewiesen – selbst wenn Yeager sich diese auf äußerst dreckige Weise „verdienen“ muss.

Halb spannender Action-Thriller, halb anspruchsvolle Biologiestunde

Während die Söldnermission mit ihrem atmosphärischen Dschungel-Setting nun vorrangig für den Actionanteil von „Extinction“ sorgt, nähert sich Takano in einem zweiten Handlungsstrang auf wissenschaftliche Weise dem drohenden Untergang der Menschheit: Ein junger Japaner findet im Nachlass seines kürzlich verstorbenen Vaters nämlich den Auftrag, ein Medikament zu entwickeln, das eine äußerst seltene Krankheit heilen soll – nicht zuletzt aufgrund des auferlegten Zeitlimits ein schier unmögliches Unterfangen. Zudem scheinen Kento Kogas Nachforschungen auch die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen, was den jungen Doktoranden zielsicher in eine äußerst brisante Situation bringt. Kann man sich im Kongo-Erzählstrang noch ohne große geistige Anstrengung von der knisternden Spannung mitreißen lassen, ist in der zweiten Ezählebene vor allem Köpfchen gefragt: Takano scheint für die Beschreibung der medizinischen Forschungsarbeit eine Menge Recherche betrieben zu haben und glänzt mit sehr fundiert wirkenden Erklärungen und wissenschaftlichen Herleitungen. Das ist hochinteressant, in vielen Situationen wünscht man sich als „normaler“ Leser jedoch zuweilen einen Abschluss in Biologie herbei, um den sehr detaillierten Ausführungen gedanklich folgen zu können. Trotz der Ausrichtung auf den Massenmarkt ist „Extinction“ somit alles andere als anspruchslose Thriller-Unterhaltung.

Packender, intelligenter und schonungsloser Wissenschafts-Thriller

Für Fans von wissenschaftlichen Spannungsromanen ist Takanos Roman folglich ein wahres Fest, allerdings neigt der Autor gerade in der zweiten Hälfte des Romans hin und wieder zu leichten Übertreibungen, die der durch die akribischen Ausführungen erreichten Glaubwürdigkeit manchmal ein wenig im Wege stehen. Auch dem sehr speziellen Charakter des Auslösers der weltweiten Bedrohung in „Extinction“ muss man offen gegenüberstehen, sonst funktioniert schlichtweg die ganze Geschichte nicht. Ebenfalls mitbringen sollte man für die Lektüre einen sehr starken Magen, denn gerade der Einsatz der Söldner im afrikanischen Krisengebiet konfrontiert die Leser immer wieder mit den unvorstellbarsten Grausamkeiten der menschlichen Natur – und das sage ich sogar als vermeintlich abgestumpfter Thriller-Fan. Hier werden nicht nur ganze Dörfer abgeschlachtet und kleine Kinder zu unfassbaren Gräueltaten gezwungen, Takano schildert diese Szenen oft auch sehr ausführlich und mit allen blutigen Details. Das vielleicht erschreckendste an diesen Passagen ist aber das Bewusstsein, dass solche Gewalttaten wohl durchaus der bitteren Realität entsprechen dürften und unweigerlich zu Überlegungen führen, ob der Mensch die drohende Ausrottung nicht vielleicht sogar verdient hätte. Wer sich von solchen Dingen nicht abschrecken lässt, bekommt mit „Extinction“ einen bis auf wenige Schwächen (z.B. die leichte Überlänge) wirklich sehr gelungenen Thriller zu bieten, der clever Wissenschaft und Action miteinander verbindet und somit nicht nur kurzweilige, sondern auch intelligente Unterhaltung bietet. Uneingeschränkt zu empfehlen ist in diesem Fall die gelungene Hörbuchfassung mit einer sehr eindringlichen und rundum überzeugenden Lesung von Sascha Rotermund.

Extinction
  • Autor:
  • Sprecher: Sascha Rotermund
  • Original Titel: Jenosaido
  • Länge: 19 Std. 30 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 2. Januar 2015
  • Preis 10,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Kazuaki Takano vereint mit seinem Thriller „Extinction“ auf clevere Weise anspruchsvolle wissenschaftliche Forschung und packende Action und erzählt eine Geschichte, die nicht nur aufgrund der drastischen Darstellung menschlicher Grausamkeit in Erinnerung bleiben dürfte.

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