Serial_Rezi

Am 13. Januar 1999 verschwindet die 18-jährige Hae Min Lee kurz nach dem Ende ihres Schultages an der Woodlawn High School in Baltimore spurlos. Auch Tage später fehlt von der beliebten Schülerin jede Spur und mit jeder Stunde der Ungewissheit um das Schicksal des Mädchens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Hae einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Diese Vermutung wird traurige Gewissheit, als am 9. Februar eine weibliche Leiche in einem Park Baltimores gefunden und die Tote zwei Tage später als die vermisste Hae Min Lee identifiziert wird. Die Untersuchung der Leiche ergibt, dass die Schülerin erwürgt wurde und als zwei Wochen darauf Haes Ex-Freund verhaftet wird, scheint der Fall klar: Adnan Syed kam offenbar mit der Trennung nicht zurecht und hat sich daraufhin auf grausame Weise an Hae gerächt – vor allem die Zeugenaussage eines Freundes belastet den Schüler schwer. Nach einem mehrwöchigen Gerichtsprozess wird Adnan schließlich wegen Mordes für schuldig befunden und zu einer lebenslanger Haftstrafe verurteilt – obwohl der Angeklagte bis zum Schluss seine Unschuld beteuerte. Doch was, wenn Adnan Syed tatsächlich die Wahrheit gesagt hat?

Ein True-Crime-Podcast als Sensationserfolg

Diese Frage stellte sich auch die Journalistin und Radioproduzentin Sarah Koenig und nahm den Mordfall der 18-jährigen Hae Min Lee als Aufhänger für ihren neuen Podcast „Serial“, eine True-Crime-Serie, die innerhalb weniger Tage ungemeine Popularität erreichte und vor allem in den USA schon im Verlauf der ersten Staffel zu einer echten Kultreihe geworden ist. Und wer regelmäßig auf Twitter unterwegs ist und auch den ein oder anderen amerikanischen Twitterer in der Timeline hat, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal über „Serial“ gestolpert sein, denn selbst viele Prominente hat der mysteriöse Mordfall schnell in seinen Bann gezogen. Das Besondere an „Serial“ dürfte zum einen sein, dass es sich bei dem erzählten Fall nicht um Fiktion sondern um ein Verbrechen handelt, dass sich im Winter 1999 tatsächlich so zugetragen hat. Auch die Namen von Opfer, Mordverdächtigen, Zeugen oder Ermittlern sind authentisch und wurden nur in wenigen Ausnahmefällen anonymisiert. Folglich sitzt der inzwischen 32-jährige Adnan Syed auch wirklich seit knapp 15 Jahren im Gefängnis und büßt dort womöglich für ein Verbrechen, dass er vielleicht gar nicht begangen hat.

Wer tötete die 18-jährige Hae Min Lee?

Denn dass es im Mordfall Hae Min Lees und der anschließenden Verurteilung Syeds zumindest einige Ungereimtheiten gab, wird bereits im Verlauf der ersten von insgesamt 12 Episoden (mit einer Länge von durchschnittlich ca. 30-50 Minuten) deutlich: Denn wie Sarah Koenig und ihr Team schon nach kurzer Recherche auftun, könnte der Ex-Freund des Opfers durch eine Zeugenaussage entlastet werden und somit ein Alibi für die Tatzeit vorweisen – einer Aussage, der aber weder von der Vertretung der Anklage noch von Adnans Verteidigung ernsthaft nachgegangen wurde. Und je mehr sich die Journalisten in den Fall vertiefen, desto größer werden nicht nur bei ihnen die Zweifel am vermeintlichen Tathergang. Nach dieser ersten Folge möchte man beim Zuhören vermutlich wohl laut protestieren und fast schon eine Verschwörung vermuten, denn es erscheint nahezu skandalös, dass trotz der offensichtlichen Unstimmigkeiten die lebenslange Verurteilung eines 17-jährigen Jungen erreicht wurde – zumal Adnan Syed einen durchaus sympathischen und rationalen ersten Eindruck macht.

Spannende und umfassende Aufarbeitung eines Mordfalls

Das Spannende an der Ausgangssituation: Sarah Koenig weiß zum Zeitpunkt der Aufnahme der ersten Folge selbst nicht, zu welchem Ergebnis sie ihre Ermittlungen führen werden oder ob sie überhaupt zu einem eindeutigen Fazit kommt – denn ihre Nachforschungen fanden praktisch parallel zur Produktion des Podcasts statt. Es ist also völlig offen, ob sich die Zweifel an der Schuld Adnans bewahrheiten, ob sich der sympathische junge Mann vielleicht doch als eiskalter Killer herausstellt oder ob sich das „Serial“-Team womöglich in seiner Recherche verrennt. Einen weiteren großen Reiz macht die Art der Berichterstattung Koenigs aus, denn der Podcast ist nicht nur eine einseitig erzählte Geschichte, sondern lässt immer wieder auch in den Fall involvierte Personen zu Wort kommen: Zeugen, Angehörige, Anwälte, Ermittler oder den vermeintlichen Täter, denn einer der wichtigsten Interviewpartner der Reporterin ist der verurteilte Adnan Syed selbst, zu dem Sarah Koenig während der gesamten Produktion der Serie in engem Kontakt stand. All diese Aussagen werden meist in Form von Tonbandaufzeichnungen (z.B. auch aus Polizeivernehmungen oder der Gerichtsverhandlung gegen Adnan) in den Podcast eingebaut, wodurch „Serial“ sehr authentisch wirkt und man sich teilweise selbst wie ein Teil des Ermittlerteams fühlt – man sollte allerdings schon gute Englischkenntnisse mitbringen, da nicht zuletzt die qualitativ nicht immer hochwertigen Mitschnitte einen sonst vor Verständnisprobleme stellen dürften.

Beeindruckendes Podcast-Projekt mit Suchtpotenzial

Alles in allem entwickelt der Podcast gleich ab der ersten Episode ein hohes Suchtpotenzial, man muss jedoch auch schon eine gewisse Hingabe für mühsame Detektivarbeit mitbringen, denn es werden immer wieder kleinste Details überprüft, Zeitabläufe minutiös kontrolliert und auch gewisse Aussagen immer wieder auf Ungereimtheiten untersucht – alles mit dem Risiko, dass dieser Aufwand in die nächste Sackgasse führt. Im späteren Verlauf wird „Serial“ zwar durch diese Akribie manchmal ein wenig ermüdend und man hat hin und wieder das Gefühl, sich etwas im Kreis zu drehen, nichtsdestotrotz ist Sarah Koenigs Produktion aber ein hochinteressantes Projekt, welches das Medium Podcast vielleicht auf eine ganz neue Stufe hebt und aus dem vermeintlichen Nischendasein in die breite Öffentlichkeit trägt. So lässt sich die rasant steigende Popularität von „Serial“ z.B. auch daran erkennen, dass die Werbeeinblendungen zu Beginn und Ende jeder Folge von Episode zu Episode steigen. Am Schluss der Staffel kann man zwar die (kurzen!) Lobeshymnen auf den Hauptsponsor des Podcasts wohl kaum noch ertragen, anders dürfte ein solch aufwändiges Projekt aber trotz zahlreicher Spenden kaum zu realisieren sein. Das ist aber zu verschmerzen, denn wer sich für echte Kriminalfälle und authentische Detektivarbeit interessiert, dürfte bei „Serial“ wirklich voll auf seine Kosten kommen – und wem die 12 Folgen alleine noch nicht ausreichen, der findet auf der Website zum Podcast noch umfangreiches Zusatzmaterial wie erläuternde Blogartikel, Schaubilder, Abschriften von Zeugenaussagen, Anrufprotokolle, Karten, Fotos und vieles mehr.

Serial – Die komplette 1. Staffel
  • Autor:
  • Reihe: Serial #1
  • Länge: ca. 8 Std. 30 Min.
  • Erscheinungsdatum: Oktober – Dezember 2014
  • Preis kostenlos
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Sarah Koenig hat mit ihrem Podcast „Serial“ ein beeindruckendes True-Crime-Projekt auf die Beine gestellt, das akribisch und objektiv einen tatsächlichen Mordfall untersucht und dabei nicht nur durch stimmige Originalmitschnitte für Spannung sorgt.

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