Wir waren unsterblich_Rezi

Spätsommer 1975: In einer Kleinstadt in Westfalen verbringt eine fünfköpfige Jungen-Clique den Großteil ihrer Zeit damit, auf einem alten Bauernhof herumzulungern und ihre weitestgehend unbeschwerte Jugend zu genießen. Der Hof bietet den Jungs dabei den nahezu perfekten Rückzugsort, auch wenn hin und wieder der Besitzer seinem Gründstück einen überraschenden Besuch abstattet und die heimlichen „Bewohner“ dadurch zum hastigen Versteckspiel zwingt, wenn sie nicht eine der lauten Schimpftiraden des Mannes über sich ergehen lassen wollen. So sehr sich die Jungen in dem alten Gemäuer auch wohlfühlen, so gibt es aber doch einen Ort in diesem Haus, der von allen fünf tunlichst gemieden wird: Der Keller des Hofs, in dem verstörende Schmierereien an den Wänden von der Existenz des „Lichtlosen“ künden, einem geheimnisvollen Fremden, der in den dunklen Räumen offenbar auf seine Opfer lauert. Als dann aber einer der Jungen in eine missliche Situation gerät, gibt es für seine Freunde nur einen Ausweg: Sie müssen ihre Ängste überwinden und es mit dem Lichtlosen aufnehmen…

Die Geschichte eines schicksalhaften Sommers

Der Tod eines der Mitglieder der Clique versammelt die ehemals besten Freunde 20 Jahre später erneut, und dieses Treffen wählt Raimon Weber zum Ausgangspunkt seines Psychothrillers „Wir waren unsterblich“. Allzu lange hält man sich im Jahr 1995 jedoch nicht auf, denn nach einigen ominösen Andeutungen über den mysteriösen „Lichtlosen“ springt der Autor direkt in jenen Sommer, der das Leben der fünf Jungen für immer verändern sollte. Erzählt werden die Ereignisse aus der Sicht von Ritsch, der als Ich-Erzähler die Leser an der Jugend der Jungs teilhaben lässt. Dabei wird zugleich der zentrale Schauplatz der Geschichte, der verlassene Bauernhof, vorgestellt, der den Jungen als geheimes Quartier dient – auch wenn die zu Anfang des Buches entdeckten Kellerbotschaften dem gemütlichen Versteck einen deutlichen Makel verpassen.

Als Psychothriller zu zahm geraten

Nach dem anfänglichen Schrecken lässt es Raimon Weber dann ein wenig ruhiger angehen und widmet sich mehr dem Alltag der Clique, von der sich einer der Jungs schnell als Sorgenkind herauskristallisiert, dessen Probleme auch seinen Freunden nicht unentdeckt bleiben. An diesem Zeitpunkt nimmt die Handlung zwar dann langsam Fahrt auf, trotzdem entwickelt sich das mit knapp 130 eBook-Seiten nicht gerade lang geratene Buch auch im weiteren Verlauf nicht gerade zu einem mitreißenden Thriller. Zwar wird die Geschichte recht flott erzählt, trotzdem dürfte der Plot aber gerade für ein anspruchsvolles Thriller-Publikum zu banal und vor allem zu zahm sein, denn oft erinnert „Wir waren unsterblich“ eher an eine etwas erwachsenere „Vorstadtkrokodile“-Variante. Richtig beängstigend ist dies nicht gerade, auch wenn einige Szenen schon zu einem unguten Gefühl in der Magengegend führen – dies ist aber eher dem übergreifenden Thema der Geschichte geschuldet.

Simpel gestrickter Jugendkrimi

Wer also einen ausgeklügelten Psychothriller erwartet, ist mit Webers Roman vermutlich nicht so gut beraten. Gerade die simple Erzählweise (die sicherlich auch auf das Alter des Ich-Erzählers zurückzuführen ist) und die etwas oberflächlich geratenen Charaktere belassen die Spannung doch auf überschaubarem Niveau, die Auflösung ist für meinen Geschmack leider ebenfalls ein wenig lahm ausgefallen. Somit gibt „Wir waren unsterblich“ als stellenweise immerhin recht atmosphärischer Jugendkrimi ein über weite Strecken passables Bild ab, echten Thrill bot Raimon Webers Buch für mich jedoch nicht.

Wir waren unsterblich
  • Autor:
  • Umfang: 128 Seiten
  • Verlag: Psychothriller GmbH
  • Erscheinungsdatum: 28. September 2012
  • Preis eBook 5,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Raimon Webers „Wir waren unsterblich“ ist zu simpel gestrickt um als beängstigender Psychothriller zu fungieren, als Jugendkrimi bietet das Buch aber zumindest solide Unterhaltung.

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