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Es sind einige Jahre vergangen seit bei archäologischen Ausgrabungen in Israel die Videoaufnahmen eines Zeitreisenden gefunden wurden, die 2000 Jahre zurückliegende Szenen aus dem Leben des leibhaftigen Jesus Christus zeigen. Nachdem mehrere Parteien damals erbittert um den Besitz des spektakulären Zeitdokuments kämpften, blieb die zu erwartende Mediensensation nach der Zerstörung des Videos aus – allerdings konnte einer der Beteiligten, der damalige Ausgrabungsleiter Professor Wilford-Smith, eine weitere Aufnahme von Jesus Christus unbemerkt vor dem Zugriff des Vatikans und eines skrupellosen Medienmoguls retten, welche seitdem mehr oder weniger im Verborgenen und in ausgewählten Kreisen die Runde macht. Nun ist eben dieses Video aber aus dem Besitz des Professors gestohlen worden und in die Hände des Multimilliardärs Samuel Barron gelangt, der als Anführer einer radikalen christlichen Organisation mit der Aufnahme einen spektakulären Plan verfolgt…

Nach 16 Jahren erhält „Das Jesus-Video“ eine unerwartete Fortsetzung

Es ist mittlerweile ganze 16 Jahre her, dass der deutsche Autor Andreas Eschbach mit seinem Science-Fiction-Roman „Das Jesus-Video“ im Jahr 1998 seinen großen Durchbruch feiern konnte und so war vermutlich nicht nur ich überrascht, dass diese Geschichte fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung eine unerwartete Fortsetzung erhalten sollte. Nun sind derartige Vorhaben erfahrungsgemäß oft mit ein wenig Skepsis zu genießen, da solche Sequels gerne mal dazu genutzt werden, um mit wenig Risiko und bewährtem Erfolgskonzept einen weiteren Bestseller produzieren, bei dem die Qualität des Originals häufig leider unerreicht bleibt. So war auch bei mir trotz aller Vorfreude auf ein weiteres Abenteuer um die spektakuläre biblische Zeitreise ein gewisser Zweifel vorhanden, zumal „Das Jesus-Video“ für mich damals eigentlich von der Geschichte her abgeschlossen war und keine drängenden Fragen mehr offen blieben. Zum Glück hat sich Andreas Eschbach aber nicht auf seinem guten Ruf ausgeruht und seinem ersten großen Bestseller einen lauwarmen Aufguss verpasst, sondern überrascht bei „Der Jesus-Deal“ mit einem komplett anderen Ansatz.

Deutlich ruhiger und ernster als der Vorgänger

Denn wer die Inhaltsbeschreibung zur Fortsetzung liest, der erwartet vermutlich (wie ich) eine Weiterführung der Geschichte im bekannten Stil: packende Verschwörungstheorien, dramatische Action-Szenen und ein spektakuläres Katz-und-Maus-Spiel an historischen Schauplätzen. Davon ist in den ersten Stunden aber erst einmal überhaupt nichts zu sehen, und auch auf die aus „Das Jesus-Video“ bekannten Charaktere wie Stephen Foxx, John Kaun oder Judith Menez wartet man lange Zeit vergeblich. Stattdessen macht man die Bekanntschaft mit der Familie der Barrons, bestehend aus dem stinkreichen Unternehmer Sam Barron, dessen Frau und den beiden Söhnen Isaac und Michael, wobei letzterer von Andreas Eschbach als Hauptfigur des ersten Romandrittels auserkoren wurde. Beide Brüder wachsen unter dem strengen Auge des strikt nach christlichen Vorgaben lebenden Multimilliardärs auf, was die Familie schon früh in zwei Lager spaltet und einige schmerzhafte Erfahrungen für den jungen Michael mitbringt. Das ominöse Jesus-Video findet zwar ebenfalls recht früh Erwähnung in der Geschichte, allerdings lässt der Autor seine Leser noch lange im Unklaren darüber, in welcher Hinsicht dieses nun im zweiten Teil eine Rolle spielen wird. Von einem religiösen Verschwörungsthriller ist „Der Jesus-Deal“ zu diesem Zeitpunkt ungefähr so weit entfernt wie die Gegenwart von der Zeit Jesu Christi, stattdessen ist das erste Drittel des Buches fast schon ein Familiendrama, das nur am Rande die Ereignisse des Vorgängers streift.

Faszinierend geschrieben und hervorragend recherchiert

So vergeht Stunde um Stunde und verwundert stellt man fest, dass Andreas Eschbach in all der Zeit nicht ein einziges Mal die Perspektive wechselt. Klingt vielleicht ein wenig langatmig, ist aber weit davon entfernt, da der Autor sich nach und nach wieder seiner Zeitreise-Thematik annähert und gewohnt gut recherchiert zahlreiche hochspannende Gedankenspiele durchläuft, die das Gehirn seiner Leser wieder zum Rauchen bringen, aber zugleich auch eine ungemeine Faszination ausüben. Hier merkt man zu jedem Zeitpunkt, dass sich Eschbach wirklich eingehend mit dem Thema, den physikalischen Hintergründen und seinem biblischen Kontext beschäftigt hat. Jede Erklärung ist nachvollziehbar und wird zugleich auf spannende Weise vermittelt, sodass „Der Jesus-Deal“ in seiner Komplexität zwar durchaus anspruchsvoll, aber mit ein wenig Aufmerksamkeit jederzeit verständlich ist und dadurch zu einer hochinteressanten Angelegenheit wird. Dabei schafft Eschbach wirklich Bemerkenswertes: Er schreibt mit solch wissenschaftlich fundierten Beschreibungen über eine auf den ersten Blick vollkommen absurd erscheinende Angelegenheit wie einer Zeitreise in eine 2000 Jahre zurückliegende Vergangenheit und die damit verbundene Rückholaktion des Messias in die Gegenwart, dass man trotz des eigenen inneren Widerstandes irgendwann denkt: „Klingt völlig plausibel, warum ist da eigentlich noch nicht früher jemand drauf gekommen?“

Packende und absolut würdige Fortsetzung des Bestsellers

Das ist jedoch nicht die einzige herausragende Leistung des Autors, denn Eschbach gelingt es hier, eine Fortsetzung abzuliefern, die zwar inhaltlich und stilistisch völlig anders und deutlich ruhiger daherkommt als der Vorgänger, die sich aber dennoch nahtlos in den Gesamtzusammenhang einreiht und teilweise so gekonnt mit dem ersten Teil verbunden ist, dass es wirkt als wäre Eschbachs Geschichte von Anfang an auf zwei Bände ausgelegt gewesen. Spätestens wenn man im Mittelteil auch wieder auf bekannte Gesichter trifft dürften auch die letzten Skeptiker davon überzeugt werden, dass es sich bei „Der Jesus-Deal“ um eine Geschichte handelt, die es absolut wert ist erzählt zu werden und nicht mal im Ansatz nach dem schalen Produkt einer auf reine Verkaufserlöse angelegten Marketingstrategie riecht. Eschbachs Fortsetzung hat alles, was ein packender Wissenschafts-Thriller braucht: Eine komplexe, intelligente und jederzeit glaubwürdige Geschichte, faszinierende und vielschichtige Charaktere (bei denen es der Autor sogar schafft aus einem Antagonisten des Vorgängers einen echten Sympathieträger zu machen), faszinierende Gedankenspiele, ein gutes Erzähltempo und letztlich auch einen gelungenen und würdigen Abschluss dieses Zeitreise-Epos. Lediglich kurz vor dem letzten Viertel der Handlung übertreibt es der Autor für meinen Geschmack etwas und driftet zu sehr in das ein oder andere Klischee eines Verschwörungs-Thrillers ab – das hätte man vielleicht im vornherein von diesem Buch erwartet, nach dem vorherigen Verlauf der Story wäre dies für meinen Geschmack aber gar nicht mehr nötig gewesen. Doch dies ist auch schon der einzige Makel einer ansonsten hervorragenden und absolut überzeugenden Fortsetzung, die im Übrigen wie schon der erste Band in der Hörbuchfassung grandios von Matthias Koeberlin (dem Stephen-Foxx-Darsteller aus der „Das Jesus-Video“-Verfilmung) gelesen wird. Uneingeschränkte Hör- und Leseempfehlung!

Der Jesus-Deal
  • Autor:
  • Sprecher: Matthias Koeberlin
  • Reihe: Jesus-Dilogie #2
  • Länge: 23 Std. 43 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Lübbe Audio
  • Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2014
  • Preis 39,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Mit „Der Jesus-Deal“ liefert Andreas Eschbach eine grandiose Fortsetzung seines biblischen Zeitreise-Thrillers, die mit einem ganz anderen Erzählstil überrascht und mit tollen Charakteren, der komplexen Story und hervorragend recherchierten wissenschaftlichen Fakten überzeugt.

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