Todesqual_Rezi

Hinter Detective Lena Gamble liegt trotz ihres noch jungen Alters bereits ein schwerer Weg. Der schockierende Tod ihres Bruders warf sie vor fünf Jahren völlig aus der Bahn und es ist noch nicht allzu lange her, dass Lena die Ereignisse halbwegs verarbeitet und auch beruflich wieder zurück in die Spur gefunden hat. Schon kurze Zeit nach ihrer Beförderung in die Mordkommission des LAPD muss sie sich nun mit einem schockierenden Fall befassen, der die junge Polizistin erneut an ihre Grenzen bringt: Ein Frau wurde brutal in ihrem Haus ermordet, ihr Körper vom Bauch bis zur Kehle aufgeschlitzt und das Schlafzimmer in ein wahres Blutbad verwandelt. Besonders tragisch an der Geschichte: Die verheiratete Frau hatte erst kurz zuvor von ihrer Schwangerschaft erfahren und sich über das langersehnte Kind gefreut. Detective Gamble und ihre Kollegen sind vor allem von der Kaltblütigkeit des Täters geschockt, der sich nach der Tat noch in aller Seelenruhe im Haus seines Opfers aufgehalten, geduscht und die Tatwaffe in der Spülmaschine gereinigt hat – erst recht, als wenig später die ersten gewonnenen Erkenntnisse auf ein blutiges Ehedrama hindeuten…

Der erste Auftritt von Detective Lena Gamble startet als 08/15-Thriller…

„Todesqual“ (im Original deutlich treffender „City of Fire“) ist der erste Thriller von Robert Ellis um die junge Ermittlerin Lena Gamble und beginnt wenig anders als die vielen anderen Vertreter dieses Genres: Ein brutaler Mord, dessen blutige Umstände vom Autor auch entsprechend wirkungsvoll in Szene gesetzt werden, bildet die Ausgangssituation dieser Geschichte und natürlich sind die Bilder am Tatort so verstörend, dass selbst die von der Stadt der Engel einiges gewöhnten Ermittler erst einmal die Situation verdauen müssen – ein „normaler“ Mord lockt heute ja auch niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Der routinierte Thriller-Leser vermutet hier schnell die Tat eines wahnsinnigen Serientäters, doch Robert Ellis versucht es trotzdem erst einmal, sein Publikum – etwas plump, denn welcher Fall ist schon nach einem Fünftel der Handlung so gut wie aufgeklärt – auf eine falsche Fährte zu locken. Doch so gerne man den wenig sympathisch präsentierten Verdächtigen auch hinter Schloss und Riegel bringen würde: Natürlich sind die Ermittlungen bei weitem nicht so simpel, wie es auf den ersten Seiten den Anschein hat.

… entwickelt sich dann aber zum packenden Pageturner

Riecht stark nach einfallslosem 08/15-Thriller, und genau das ist „Todesqual“ in der Anfangsphase auch. Verzeiht man dem Autor aber die mehr als offensichtliche Finte zu Beginn, entwickelt sich der Fall doch sehr schnell deutlich interessanter, als es nach dem wenig originellen Auftakt den Anschein hatte. Und auch wenn Robert Ellis um die Identität seines Täters nicht lange ein großes Geheimnis macht – was mir im Allgemeinen eher nicht so gut gefällt –, verlieren die Ermittlungen dadurch nicht an Spannung. Auch Lena Gamble macht als Protagonistin eine gute Figur, u.a. da sie mit dem Drama um ihren Bruder eine interessante Hintergrundstory mitbringt. Die Kombination aus aufstrebender Polizistin und altem Hasen als Sidekick ist nicht gerade revolutionär, funktioniert aber gut, da beide sympathisch und kompetent daherkommen. Und auch wenn der Täter ebenfalls den typischen Klischees entspricht und dessen Verbrechen mit den gängigen Schockeffekten garniert werden, so tut dies dem Lesevergnügen keinen Abbruch – im Gegenteil, denn je weiter die Geschichte voranschreitet, desto spannender wird „Todesqual“. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, kleine Details werden zu überraschenden Erkenntnissen zusammengesetzt und ganz zum Schluss kann Robert Ellis sogar noch mit einem ordentlichen Knalleffekt aufwarten.

Spannender Reihenauftakt mit nur kleineren Schwächen

Alles in allem ist der erste Auftritt von Detective Lena Gamble somit trotz des simplen Beginns und einigen Klischees eine wirklich runde Angelegenheit und entwickelt gerade zum dramatischen Ende hin echte Pageturner-Qualitäten. Sympathische Ermittlerin mit interessantem Background, packende Story, gelungene Auflösung – wer gerne Thriller im Stil von James Pattersons „Women’s Murder Club“ oder Tess Gerritsens „Rizzoli & Isles“-Reihe liest, dürfte hier eine packende Alternative finden, die für ein paar spannende Stunden allemal gut ist, denn wirkliche Schwachstellen sind bei diesem Reihenauftakt abgesehen von der etwas zu routinierten Anfangsphase und dem vielleicht ein wenig an den Haaren herbeigezogenen (aber sehr spannenden!) Ende nicht zu finden.

Todesqual
  • Autor:
  • Original Titel: City of Fire
  • Reihe: Lena Gamble #1
  • Umfang: 448 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag
  • Erscheinungsdatum: 27. Juli 2009
  • Preis Taschenbuch 8,95 €/eBook 3,99 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
„Todesqual“ startet wenig originell und mit etwas plumper falscher Fährte, entwickelt sich dann aber zu einem spannenden Pageturner mit gelungener Protagonistin und Ende mit Knalleffekt.

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