Heartsick_Rezi

Zwei Jahre ist es her, dass Detective Archie Sheridan die brutale Serienkillerin Gretchen Lowell überführt und diese Ermittlungen beinahe mit dem Leben bezahlt hat. Zehn Tage war er damals in der Gefangenschaft der Mörderin und ihren grausamen Folterungen und Psychospielen schutzlos ausgeliefert – zehn Tage, die aus dem erfolgreichen Polizisten und lebensfrohen Familienvater ein menschliches Wrack gemacht haben, dass ohne seine extreme Abhängigkeit von Medikamenten kaum noch seinen Alltag bewältigen kann und zu keiner emotionalen Bindung zu Frau und Kindern mehr fähig ist. Trotzdem soll Archie nun wieder in den Polizeidienst treten und ein weiteres Mal die Ermittlungen in einem erschütternden Serienkiller-Fall leiten: Ein Wahnsinniger macht scheinbar unaufhaltsam Jagd auf junge Mädchen und die Polizei wird aufgrund des Fehlens von Spuren und Hinweisen zum hilflosen Zuschauen verdammt. Nun soll Archie den Mörder stoppen, muss sich dabei aber auch den teuflischen Dämonen seiner Vergangenheit stellen…

Was ist schlimmer als ein Serienmörder? Richtig, eine SerienmörderIN!

Ein Ermittler, der die Ergreifung eines Serienkillers beinahe nicht überlebt hätte und nach einer langen Auszeit wieder reaktiviert wird, um eine neue Mordserie zu stoppen – einen Thriller mit einer solchen Ausgangssituation habe ich vor einigen Wochen erst mit „Red Dragon“ von Thomas Harris gelesen, dem ersten Auftritt des berüchtigten Serienmörders Hannibal Lecter. Fast identisch beginnt jedoch auch „Heartsick“ von Chelsea Cain: Auch ihr Protagonist Archie Sheridan ist nach einem verhängnisvollen Fall schwer traumatisiert aus dem Dienst ausgetreten und wird nun von seinen ehemaligen Vorgesetzten und Kollegen um Mithilfe gebeten. Der wohl auffälligste Unterschied zum Harris-Roman: Cains Teufel in Menschengestalt ist kein kannibalischer Intellektueller, sondern… eine Frau, noch dazu eine äußerst attraktive und gebildete, die als Psychologin sogar an den Ermittlungen gegen sich selbst mitgewirkt und die Ermittler auf eine falsche Fährte gelockt hat – bis es zu den eingangs erwähnten zehn Tagen kam, die das Leben beider dominierender Charaktere von „Heartsick“ unwiderruflich verändert haben.

Wie man geschickt einen Mythos um einen Gegenspieler aufbaut…

Was damals genau passiert ist, darum macht die Autorin lange Zeit ein großes Geheimnis und ködert ihre Leser lediglich sehr geschickt mit einigen spärlich gesäten Erinnerungsfetzen, in denen Archie auf sein Martyrium in den Fängen von Gretchen Lowell zurückblickt. Abgesehen davon macht sich die Serienmörderin in der Geschichte lange Zeit rar, schwebt aber dennoch wie eine schwarze Gewitterwolke über der gesamten Handlung. Man erfährt weder Details über ihre Mordserie noch über die Einzelheiten ihres seltsamen Verhältnisses zu Archie Sheridan und selbst mit Äußerlichkeiten hält sich Chelsea Cain auffällig zurück. So wird schon früh ein regelrechter Mythos um Gretchen Lowell aufgebaut, lange bevor diese dann auch aktiv in die Handlung eingreift. Diese Aura des Geheimnisvollen und zugleich Verstörenden sorgt schnell für einen hohen Suchtfaktor der Lektüre, da man unbedingt mehr über die Hintergründe erfahren möchte.

Ein gebrochener Ermittler, der den Genre-Klischees trotzt

Archie Sheridan ist als Ermittler aber mindestens ebenso interessant wie seine Gegenspielerin, auch wenn auf den ersten Blick alles nach dem typischen Klischee eines gebrochenen Polizisten aussieht, dem der Beruf scheinbar alles genommen hat. Trotz gescheitertem Familienleben und besorgniserregender Medikamentenabhängigkeit hebt sich Archie aber wohltuend von seinen Genre-Kollegen ab, nicht zuletzt weil sich Cain auch dieser Figur auf ungewöhnliche, aber sehr wirkungsvolle Weise nähert. Sie stellt ihren Lesern nämlich die Journalistin Susan Ward zur Seite, aus deren Sicht man dem Detective nach und nach seine Geheimnisse entlockt – zumindest diejenigen, die er ihr preisgeben will. Zudem kommt Sheridan trotz all seiner offensichtlichen Probleme erfreulich umgänglich daher und trägt sein Leid bei weitem nicht so schwermütig zur Schau wie es bei manch anderer Reihe der Fall ist. Das macht ihn zusätzlich sympathisch und erleichtert die Identifikation mit der Ermittlerfigur.

Spannender Thriller mit faszinierendem Psycho-Duell

Dann wäre da natürlich auch noch die eigentliche Handlung des Thrillers mit der Mordserie an den Teenie-Mädchen, wenngleich diese bei all der Faszination um Archie und Gretchen fast schon wie eine Dreingabe wirkt. Trotzdem ist auch dieser Teil der Story für sich genommen spannend, temporeich und voller böser Überraschungen, auch wenn die Auflösung dieses Handlungsstranges vielleicht nicht ganz so spektakulär ausfällt. Dennoch ist „Heartsick“ vor allem aufgrund der extrem interessanten Charaktere ein grandioser Thriller, den man als Fan des Genres unbedingt gelesen haben sollte und der auch für die nachfolgenden Bände der Reihe knisternde Spannung verspricht. Denn Chelsea Cain hat mit Gretchen Lowell eine beängstigende Figur geschaffen, neben der ein Ungeheuer wie Hannibal Lecter fast schon wie ein netter alter Mann wirkt – und ihre Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt…

Heartsick
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Furie
  • Reihe: Gretchen Lowell #1
  • Umfang: 432 Seiten
  • Verlag: Macmillan
  • Erscheinungsdatum: 11. September 2014
  • Preis PB 17,31 €/eBook 4,38 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Hochspannender und verstörender Serienkiller-Thriller, der neben der packenden Story vor allem von dem faszinierenden Duell der beiden ungemein interessanten Hauptfiguren lebt.

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