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Als Sherlock Holmes‘ Haushälterin Mrs. Hudson den Meisterdetektiv und seinen Partner Dr. Watson mit einem üppigen und überaus köstlichen Abendmahl erfreut, ahnt Holmes sofort, dass damit die Bitte um einen großen Gefallen verbunden ist: Eine enge Freundin von Mrs. Hudson, Sibyl Price, geht nämlich seit Jahren durch die Hölle und muss eine schier unfassbare Anzahl an Schicksalsschlägen erleben. Immer wieder sterben Menschen aus dem engen Umfeld von Mrs. Price und es scheint fast so, als würde ein Fluch auf der äußerst fürsorglichen und sozial engagierten Frau liegen. Nach dem kürzlichen Tod ihrer Haushälterin und deren kleiner Tochter nimmt Mrs. Hudson nun das Heft in die Hand und bittet Sherlock Holmes und Dr. Watson, sich mit dieser rätselhaften Todesserie zu befassen und das Martyrium von Sibyl Price endlich zu beenden…

Sherlock Holmes ermittelt in einer rätselhaften Todesserie

„Der Engel von Hampstead“ ist die vierte Folge aus der von Titania Medien produzierten Hörspielreihe „Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ und punktet wie schon die Vorgänger mit einer sehr professionellen Umsetzung und einer wirklich stimmungsvollen Atmosphäre. Dies beginnt schon bei der eindringlichen Beerdigungsszene, bei der das Dilemma von Sherlock Holmes aktueller Klientin offenbart wird: Wieder sind zwei Menschen gestorben, die Mrs. Hudsons Freundin sehr nahe standen, und reihen sich damit ein in eine mysteriöse Todesserie von inzwischen erschreckendem Ausmaß. Die besorgte Mrs. Hudson kann nicht mehr mit ansehen, wie ihre enge Freundin ein Leid nach dem anderen ertragen muss und fleht ihren Mieter Sherlock Holmes förmlich, sich des Falls anzunehmen – eine Bitte, die dieser seiner Haushälterin natürlich nicht ausschlagen kann.

Gewohnt starke Sprecherleistungen

Also geht es für Holmes und Watson hinaus aufs Land in den noblen Londoner Stadtteil Hampstead, wo die beiden sich umgehend in die Ermittlungen stürzen und zunächst einmal mit der langen Reihe an Schicksalsschlägen im Leben der Sibyl Price vertraut gemacht werden. Das Setting ist dabei nicht zuletzt aufgrund der geografischen Lage eher beschaulich und auch die Figurenkonstellation mehr als überschaubar, sodass die einzelnen Charaktere diesmal verhältnismäßig viel Raum haben, um sich zu entfalten. Das gilt besonders für Mrs. Hudson, die in Form von Sprecherin Regina Lemnitz wohl ihren bisher stärksten Auftritt in dieser Hörspielserie bekommt. Doch auch Anja Kruse als tragische Figur der Sibyl Price kann neben dem mittlerweile eingespielten Duo von Joachim Tennstedt (Holmes) und Detlef Bierstedt (Watson) überzeugen.

Schwacher und sehr vorhersehbarer Kriminalfall

Dies gilt jedoch in keinster Weise für den Kriminalfall, der für geübte Krimifans eine Unterforderung erster Güte ist. Ohne große Kombinationsgabe ist der Täter nämlich im Prinzip schon entlarvt, bevor Sherlock Holmes überhaupt mit den Ermittlungen beauftragt wird – die Geschichte ist also nicht einmal fünf Minuten lang spannend. Um diesen Fall zu lösen, benötigt es sicherlich nicht die außergewöhnlichen Fähigkeiten eines Meisterdetektivs, da wäre Mrs. Hudson mit ein bisschen Nachdenken wohl auch noch selbst drauf gekommen. Inhaltlich ist die vierte Runde der Titania-Reihe also wie schon der Vorgänger eher eine Enttäuschung, auch wenn die wie immer gut aufgelegten Sprecher und die atmosphärische Geräuschkulisse sehr viel dieser Ernüchterung auffangen und dieses Hörspiel letztlich doch noch unterhaltsam machen. Langsam müssen sich die Produzenten aber wirklich einmal auf das Schreiben guter Geschichten konzentrieren, denn sich immer nur auf das gute Personal zu verlassen, reicht irgendwann auch nicht mehr aus…

Der Engel von Hampstead
  • Autor:
  • Sprecher: Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt, Regina Lemnitz, Anja Kruse
  • Länge: 74 Minuten
  • Verlag: Titania Medien
  • Erscheinungsdatum: 18. Mai 2012
  • Preis CD 9,88 €/MP3-Download 5,99 €
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Gewohnt atmosphärisches Hörspiel, das erneut mit starken Sprechern auftrumpft, inhaltlich mit dem unglaublich offensichtlichen Kriminalfall aber nicht überzeugen kann.

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