Narbenkind_Rezi

Obwohl die Ermittlungen um die Mordserie an einer Reihe von ausländischen Jungen, die illegal nach Schweden eingewandert waren, noch nicht abgeschlossen sind, wird der Fall sehr zum Unwillen von Kommissarin Jeanette Kihlberg und ihres Kollegen Jens Hurtig erst einmal auf Eis gelegt. Die Erfolgsaussichten auf eine Aufklärung seien zu diesem Zeitpunkt zu gering, zudem gäbe es nach Ansicht ihrer Vorgesetzten Fälle mit höherer Priorität – wie den Mord an einem einflussreichen Geschäftsmann, der auf äußerst brutale Weise getötet wurde. Die enorme Grausamkeit der Tat deutet auf einen Racheakt hin, allerdings fehlen Kihlberg und Hurtig weder ein mögliches Motiv noch Hinweise auf die Identität des Mörders. Aus diesem Grund wird auch die Psychologin Sofia Zetterlund in die Ermittlungen miteinbezogen, die mit der Erstellung eines Täterprofils zum Durchbruch verhelfen soll – denn die Mordlust des Killers ist noch längst nicht gestillt…

Der zweite Band der Victoria-Bergmann-Trilogie, aber nur eine bedingte Fortsetzung

„Narbenkind“ ist nach „Krähenmädchen“ der zweite Band der von den Kritikern hochgelobten „Victoria-Bergmann-Trilogie“ aus der Feder des schwedischen Autorenduos Jerker Eriksson und Håkan Alexander Sundquist, veröffentlicht unter dem gemeinsamen Pseudonym Erik Axl Sund. Allerdings knüpft die Fortsetzung zunächst nur bedingt an die Handlung des Auftaktromans an, denn der Fall um die Mordserie an illegal eingewanderten Jungen wird von den Autoren erst einmal beiseite geschoben – was nach den Enthüllungen am Ende von „Krähenmädchen“ etwas ärgerlich ist, denn es wirkt ein wenig so als würde man hier bereits früh auf den dritten Teil der Reihe vertrösten wollen. Im Fokus der Geschichte steht stattdessen diesmal eine weitere Reihe brutaler Mordfälle, deren Opfer durchweg prominente schwedische Geschäftsleute sind. Da auch zu diesem Fall wieder die Psychologin Sofia Zetterlund hinzugezogen wird, ist das Trio aus dem ersten Band schnell wieder vollständig – was auch gut ist, denn schließlich gibt es gerade in der Konstellation Jeanette Kihlberg & Sofia Zetterlund noch einige Dinge, die aufgearbeitet werden müssen.

Ein menschlicher Abgrund folgt auf den nächsten

Trotz des neuen Falls ist die Thematik des zweiten Buches aber die gleiche wie zuvor, denn erneut schwebt das brisante und häufig schwer verdauliche Thema „Missbrauch“ wie ein Damoklesschwert über der Handlung. Und wer den Vorgänger gelesen hat – was zum Verständnis von „Narbenkind“ wirklich unbedingt notwendig ist –, der weiß auch dass die beiden Autoren hier sehr in die Tiefe gehen und ihre Leser mit Schicksalsschlägen und traumatischen Erlebnissen fast schon erschlagen. Dies ist die große Stärke, aber dabei erneut auch ein Schwachpunkt des Buches: Zum einen gehen die Schilderungen über die bewegte Vergangenheit der Charaktere schon sehr nahe und wirken sehr verstörend und schockierend, andererseits tragen Eriksson und Sundquist für meinen Geschmack wieder etwas zu dick auf. Oft hat man während der Lektüre das Gefühl, alle Figuren der Handlung lassen sich entweder in Opfer oder Täter einteilen und man findet kaum jemanden, der nicht in irgendeiner Form von der Missbrauchs-Thematik unmittelbar betroffen ist. Diese extreme Dichte an schlimmen Einzelschicksalen kollidiert meiner Meinung nach erneut etwas mit der Glaubwürdigkeit der Geschichte.

Erneut sehr nüchtern erzählt und dadurch häufig etwas zäh

Damit verbunden ist ein weiteres großes Problem von „Narbenkind“, das vor allem in der Hörbuchversion sehr deutlich wird. Durch die vielen ähnlichen Figurenhintergründe kann man die Vielzahl an Haupt- und Nebencharakteren irgendwann kaum noch auseinanderhalten, sodass man sich in der komplexen Handlung schnell verzettelt und den Faden verliert. Erschwerend kommt hier hinzu, dass der Stil des Duos wie schon im ersten Buch sehr nüchtern und sachlich ausfällt – dem einen mag diese kühle Herangehensweise an ein derart brisantes Thema gefallen, auf mich hat diese Schreibweise häufig aber schlicht nur ermüdend gewirkt. In der Printausgabe fällt dies möglicherweise nicht so sehr ins Gewicht, doch gerade beim Hörbuch schweift man aufgrund der fehlenden Dramatik und der behäbig erzählten Handlung nur allzu leicht mit den Gedanken ab. Thomas M. Meinhardt leistet zwar wie schon im Auftaktband solide Arbeit und passt mit seiner eher zurückhaltenden Lesung gut zum nüchternen Charakter des Romans, man wird aber eben auch nicht wirklich mitgerissen, wie es für ein als Psychothriller vermarktetes Buch einfach irgendwann der Fall sein sollte. Zwar legt auch „Narbenkind“ zum Ende hin wieder etwas zu, da man aber auf den großen Knalleffekt vergeblich wartet, bleibt der zweite Band leider hinter dem auch schon häufig zähen Vorgänger zurück. Allerdings habe ich mittlerweile so viel Zeit in diese Reihe investiert, dass ich mich im November wohl auch noch durch den Trilogie-Abschluss „Schattenschrei“ durchackern werde – mit der Hoffnung, dass die Auflösung der Story das Durchhalten wert ist.

Narbenkind
  • Autor:
  • Sprecher: Thomas M. Meinhardt
  • Original Titel: Hungerelden
  • Reihe: Victoria Bergmann #2
  • Länge: 14 Std. 19 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Erscheinungsdatum: 15. September 2014
  • Preis 10,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Das Autorenduo Eriksson/Sundquist bleibt seinem Stil treu und bietet auch in "Narbenkind" schwer verdauliche Einzelschicksale, der nüchterne Schreibstil und die behäbig erzählte Handlung stellen die Leser aber erneut auf eine Geduldsprobe.

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