The Bone Season_Rezi

Im Jahr 2059 werden viele Großstädte der Welt von Scion, einem globalen und äußerst mächtigen Sicherheitsunternehmen, kontrolliert, darunter auch London, die Heimat der 19-jährigen Paige Mahoney. Wie eine ganze Reihe von Menschen verfügt auch Paige über außergewöhnliche und übernatürliche Fähigkeiten: Sie ist eine Traumwandlerin und in der Lage, in die Traumlandschaften anderer einzudringen und somit deren Gedanken zu lesen. Allerdings werden Hellseher wie Paige von der Gesellschaft und der Regierung als große Bedrohung angesehen und rigoros verfolgt, weshalb es die junge Frau wie viele ihrer Art in den Londoner Untergrund verschlagen hat, wo sie für eine geheime Zelle namens „Die Sieben Siegel“ für einen der kriminellen Anführer arbeitet – in dem Bewusstsein, dass jede Unachtsamkeit ihre Entdeckung und somit ihren sicheren Tod bedeuten kann. Als Paige eines Tages tatsächlich enttarnt und gefangengenommen wird, sieht die 19-Jährige schon ihrer sicheren Hinrichtung entgegen – doch Scion hat mit der Traumwandlerin noch weitaus schlimmere Pläne…

Auftaktband der 7-teiligen Fantasy-Reihe von Samantha Shannon

Der Roman „The Bone Season“ der jungen Engländerin Samantha Shannon gilt als die Fantasy-Überraschung des Jahres 2013 und die Autorin wird von vielen bereits mit Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling verglichen – immerhin sind in Shannons Buchreihe auch sieben Bände vorgesehen und diese werden sogar im gleichen Verlag wie die Rowling-Werke verlegt. Für eine 22-Jährige ein ganz schöner Erwartungsdruck, dem der Debütroman aber nach weitestgehend einheilliger Kritiker- und Lesermeinung durchaus gerecht werden kann. Somit war natürlich auch ich sehr neugierig auf den Auftaktband, ließ mich aber von dem vielerorts als sehr kompliziert beschriebenen Einstieg in die Geschichte noch eine Weile abschrecken – und wer einen Blick auf die der Handlung vorangehende Aufzählung der Charakterklassen wirft, wird vermutlich erst einmal ein wenig erschrecken: Hier wird man nämlich mit nicht weniger als rund 50 verschiedenen Bezeichnungen erschlagen, von denen man 90% wahrscheinlich noch nie zuvor gehört hat. An dieser Stelle am besten schnell weiterblättern und sich ins kalte Wasser stürzen, denn so schlimm wie befürchtet ist der Einstieg in Shannons futuristisches Szenario bei weitem nicht.

Originelles Setting, packende Atmosphäre, spannende Charaktere

Im Prinzip lässt sich die Welt im Jahr 2059 wie folgt darstellen: Es gibt verschiedene Arten von Hellsehern, die auf unterschiedliche Wege in die Gedanken oder Träume von anderen Menschen eindringen können. Aufgrund dieser Fähigkeit werden diese Begabten von dem Sicherheitsunternehmen Scion unterdrückt und verfolgt, sodass die Gejagten weitestgehend aus dem Untergrund agieren und auf kriminelle Weise ihr Geld verdienen, indem sie sich einem der verschiedenen Syndikate anschließen – so wie die Protagonistin Paige Mahoney. An den verschiedenen Einteilungen wie „Soothsayers“, „Mediums“, „Augurs“ oder „Clairvoyants“ hält man sich besser nicht zu sehr auf, um gleich zu Anfang einer großen Verwirrung zu entgehen. Verhältnismäßig leicht fällt es, sich von der schon auf den ersten Seiten sehr intensiven Atmosphäre einnehmen zu lassen. Schon direkt zu Beginn wird ein überall präsentes Gefühl der Bedrohung aufgebaut und die prekäre Situation der Hauptfigur ist sofort verständlich: Ein falscher Schritt und die Exekutierung durch die Regierung ist nahezu unvermeidlich. Noch beklemmender wird die Stimmung, wenn sich der Schauplatz von den Straßen Londons in die Strafkolonie „Sheol I“ verlagert und sich Paige mit weitaus schlimmeren Geschöpfen als den Sicherheitskräften Scions auseinandersetzen muss. Hier hat Samantha Shannon wirklich einige sehr beeindruckende und teilweise auch sehr beängstigende Charaktere geschaffen, die aber nicht plump als böse, sondern erstaunlich differenziert dargestellt werden – vor allem die Figur des „Warden“ habe ich als sehr faszinierend und interessant empfunden. Gerade die „Beziehung“ zwischen ihm und Paige wird dadurch zu einer hochspannenden Angelegenheit, die für mich zu einer der großen Stärken der Handlung zählt.

Sehr gelungener Auftaktband, der Lust auf mehr macht

Da „The Bone Season“ wie erwähnt der Auftakt einer 7-teiligen Reihe ist, verwendet Shannon verständlicherweise natürlich recht viel Zeit auf die Beschreibung ihres Settings und die Einführung der Charaktere. Das heißt aber nicht, dass die Geschichte selbst langweilig oder mager ausfallen würde – das Buch ist zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise langweilig und fesselt bis zum packenden Ende, das natürlich wenig überraschend mit einem kleinen Cliffhanger endet, aber dennoch einen guten Abschluss dieses ersten Bandes bietet. Gerade für den ersten Teilabschnitt einer derart umfassenden Reihe fällt der Schluss sehr dramatisch aus und schraubt die Erwartungen für die kommenden Bücher ganz schön in die Höhe – das macht es umso ärgerlicher, dass der zweite Band „The Mime Order“ kürzlich erst von Oktober 2014 auf Januar 2015 verschoben wurde.

BoneSeason

The Bone Season
  • Autor:
  • Deutscher Titel: The Bone Season – Die Träumerin
  • Reihe: The Bone Season #1
  • Umfang: 466 Seiten
  • Verlag: Bloomsbury
  • Erscheinungsdatum: 20. August 2013
  • Preis Geb. Ausgabe 14,88 €/eBook 1,04 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
9/10
Fazit:
Grandioser Reihenauftakt, der mit einem originellen und komplexen Setting, einer sehr gelungenen düsteren Atmosphäre und hochinteressanten Charakteren fesselt.

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7 Antworten zu diesem Beitrag

  • Hey Ho ^^

    Ich fand den Anfang ja etwas ermüdend, all diese Informationen die da an allen Ecken und Ende auf einen niedergehen uh…heftig! Vor allem hab ich auch den Fehler gemacht mir den Glossar anzugucken bevor ich mit der eigentlichen Geschichte angefangen habe.
    Ansonsten fand ich es “nur“ gut. Vielleicht lag es auch daran dass ich es auf deutsch gelesen habe (wenn man das als Entschuldigung durchgehen lassen kann) und die deutsche Ausgabe gute 200 Seiten dicker ist und mir der Schreibstil doch arg zäh vorkam. Oder daran, dass ich doch etwas mehr erwartet hatte wegen des Die-neue -J.K. Rowling-Hypes. Ich werde aber nochmal ’ne Reread auf englisch wagen 🙂

    • Ich habe mir den Anfang echt schlimmer vorgestellt aber nach den Infoblättern mit den Charakterklassen etc. hab ich auch wirklich das Schlimmste befürchtet 😀

  • Hallo Sebastian,
    Ich habe das Buch „leider“ als Hörbuch gehört, was keine so gute Idee war. Gerade weil so viel erklärt wird und so viel neues auf einen einprasselt. Ich glaube kurz bevor ich mir den 2. Band hole, lese ich den ersten Teil auch noch mal.
    Danke für die tolle Zusammenfassung.
    Lieben Gruß Miri

    • Als Hörbuch stelle ich mir das ganze auch wirklich schwierig vor, beim Buch kann man ja immer noch schnell zurückblättern und schwierige Passagen nochmal lesen, beim HB ist mir sowas immer zu mühsam…

      War das Hörbuch denn gekürzt oder ungekürzt?

  • Endlich sind wir uns mal NICHT einig! Juhu! 😉
    Ich habe ‚The Bone Season‘ als Hörbuch gehört, und mir ging es so wie Pimi – das hat nicht gut funktioniert. Zu viele Infos, und man kann nicht zurückblättern oder etwas nachschlagen. Da wäre die Print-Ausgabe besser gewesen.
    Aber auch so fand ich das ganze Buch in Sachen world building einfach überfrachtet. Die Story wurde unter der komplexen Welt immer wieder begraben. Auch kam ich mit der wankelmütigen Psychologie der Heldin nicht gut klar.
    Ich werde die Reihe vermutlich nicht weiter verfolgen.

    • Ich fand ja gerade das World Building und die damit verbundene Atmosphäre so gut, das ist endlich mal wieder eine Welt in der ich mich über mehrere Bücher hinweg gerne aufhalten würde.

      Vielleicht war bei dir auch wirklich das Hörbuch die falsche Wahl, in der Printversion fand ich die ganzen Informationen gar nicht mal soooo erschlagend…

      • Ja, kann sein, dass es wirklich größtenteils am Hörbuch lag. Aber ich bin in mich gegangen, und ich denke trotzdem, dass es mich auch beim Lesen der Druckversion immer mal geärgert hätte, dass die Story zugunsten von noch mehr world building pausieren muss. Nun ja. Hätte, wäre, wenn… Das Weiterhören oder -lesen hat’s mir jedenfalls verhagelt. Du wirst ja berichten!