Irondead_Rezi

Der Privatdetektiv und ehemalige Polizist Quinn Devlin wird von dem wohlhabenden Unternehmer Stanley Jacobs beauftragt, die rätselhafte Diebstahlserie zu untersuchen, bei der immer wieder wertvolle Baumaterialien aus dessem Betrieb gestohlen werden. Bei einem angesetzten Treffen der beiden taucht Jacobs dann aber unerwartet nicht auf und lässt lediglich durch einen Botenjungen mitteilen, dass Devlins Hilfe in diesem Fall nicht mehr benötigt werde. Der Detektiv reagiert verwundert und verfolgt heimlich den Jungen, der ihn zu einer alten Fabrikhalle führt. Dort angekommen stößt Devlin auf eine furchteinflößende Kreatur, der er nur mit Glück entkommen kann. Von dieser seltsamen Begegnung aufgerüttelt will er seinen Auftraggeber zur Rede stellen, wird dabei aber von dessen Nichte abgeblockt, die dem privaten Ermittler nur auf hartnäckiges Nachfragen gesteht, dass von Stanley Jacobs seit Tagen jede Spur fehlt – und ausgerechnet Devlin soll den vermissten Unternehmer nun ausfindig machen…

Monsterjagd im Dublin des frühen 20. Jahrhunderts

Als eher wenig an Fantasy interessierter Leser kann ich mit den Werken des deutschen Bestsellerautors Wolfgang Hohlbein im Allgemeinen meist nicht wirklich viel anfangen – sein aktuelles Werk „Irondead: Der zehnte Kreis“ hat mich dann aber doch neugierig gemacht. Dieser Titel lockte nämlich nicht nur mit der historischen Kulisse der irischen Hauptstadt Dublin, sondern zudem mit einem mysteriösen Thrillerplot mit monströsen Geschöpfen, der dann auch noch parallel zum Bau der Titanic spielt. Dieser Mix klang für mich äußerst vielversprechend und zu meiner Freude legte „Irondead“ dann auch einen wirklich guten Auftakt hin. Man muss nicht lange auf die erste Begegnung mit einem der angekündigten Geschöpfe warten und dieses dramatische und sehr atmosphärisch geschilderte Aufeinandertreffen wirft dann zugleich auch eine Menge Fragen auf, welche die Neugier auf die Geschichte weiter vorantreiben.

Mystery-Krimi trifft auf Steampunk-Elemente

Das Grundgerüst der Handlung bildet dabei ein vermeintlich recht simpel gestrickter Krimiplot: Ein einflussreicher Geschäftsmann, der maßgeblich am Bau des damals größten Kreuzfahrtschiffes der Welt beteiligt ist und seit geraumer Zeit von Materialdiebstählen geplagt wird, verschwindet plötzlich spurlos, und ein Privatdetektiv mit wenig glorreicher Vergangenheit bei der Polizei Dublins soll den Vermisstenfall aufklären. Das alleine wäre durch den historischen Titanic-Hintergrund schon nicht uninteressant, wird aber durch den Einsatz zahlreicher Steampunk-Elemente noch einmal deutlich aufgepeppt. Und da Wolfgang Hohlbein seinen Lesern in dieser Hinsicht schon recht früh einige Einblicke in das Wesen der Gegenspieler in dieser Geschichte gewährt, lässt man sich von „Irondead“ in der ersten Hälfte nur allzu bereitwillig mitreißen.

Zu viele Wiederholungen stumpfen ab

Leider hält die Anfangseuphorie nicht allzu lange an, was nicht daran liegt, dass der Story die Puste ausgehen würde – eigentlich ist eher das Gegenteil das Problem. Es gibt einfach viel zu viele Actionszenen, die nach dem immer gleichen Schema ablaufen, was auf Dauer einfach sehr emüdend ist und spätestens in der dritten oder vierten Wiederholung kaum noch die Aufmerksamkeit des Lesers fesseln kann. Da hilft es auch wenig, dass Hohlbein sein viktorianisches Setting sehr solide beschreibt und auch mit einer angenehm düsteren Atmosphäre punkten kann. Irgendwann ist nämlich ganz einfach der Punkt erreicht, an dem die Story aufgrund der ewig gleichen Elemente nicht mehr vorwärts kommt und sich gefühlt nur noch im Kreis dreht. Hier wird dann leider auch offensichtlich, dass Hohlbein auch bei der Charakterzeichnung eher oberflächlich vorgegangen ist und es nicht schafft, auch nur eine der Figuren richtig interessant zu machen – stattdessen nerven auch hier immer gleich ablaufende Konflikte. Was ich bei „Irondead“ auch überhaupt nicht verstanden habe, ist warum der Autor ständig (unglaublich offensichtliche) Anspielungen auf Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle und den berühmten Wissenschaftler Nikola Tesla macht, ohne diese in irgendeiner Weise zu erklären oder zu rechtfertigen – für mich also reine Effekthascherei. Gleiches gilt im Übrigen auch für den weitestgehend unbedeutenden Titanic-Bezug der Geschichte…

Gute Anfangsphase, langweilige zweite Hälfte

Somit fällt mein Urteil zu „Irondead: Der zehnte Kreis“ trotz der guten Anfangphase doch recht ernüchternd aus. Die Geschichte ist maximal bis zur Hälfte interessant und hat zum Ende hin komplett mein Interesse verloren, die Charaktere bleiben blass und sind auch nicht allzu sympathisch und viele Wiederholungen ziehen das Buch nur unnötig in die Nähe. Da kann sich Sascha Rotermund als wirklich überzeugender Sprecher der Hörbuchfassung noch so sehr ins Zeug legen und gekonnt eine dichte Atmosphäre aufbauen – wenn es die Handlung nicht schafft, meine Aufmerksamkeit zu fesseln, spielt die gute Lesung irgendwann auch kaum noch eine Rolle. Für eingefleischte Hohlbein-Fans mag „Irondead“ vielleicht noch empfehlenswert sein, bei mir ist der Mystery-Fantasy-Steampunkt-Thriller-Mix leider durchgefallen.

Irondead: Der zehnte Kreis
  • Autor:
  • Sprecher: Sascha Rotermund
  • Länge: 18 Std. 53 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Audible GmbH
  • Erscheinungsdatum: 17. July 2014
  • Preis 29,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
5/10
Fazit:
"Irondead" fängt stark an und lockt mit vielen Geheimnissen und stimmiger Atmosphäre, lässt aber in der zweiten Hälfte ebenso stark nach und langweilt mit Wiederholungen und blassen Charakteren.

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