Variant_Rezi

Der 17-jährige Benson Fisher hat in seinem jungen Leben schon einiges durchgemacht und seit seinem 5. Lebensjahr nicht weniger als 33 Pflegefamilien durchlaufen. Als seine Bewerbung für ein Stipendium an der Maxfield Academy Erfolg hat, scheint es für Benson endlich einmal bergauf zu gehen und das langersehnte normale Leben mit Freunden zum Greifen nahe. Doch der Neuankömmling muss schon bei seiner Ankunft erkennen, dass Maxfield keine gewöhnliche Schule ist: Hinter hohen Mauern und einem undurchdringlichen Wald gibt es keine Lehrer, dafür aber strenge Regeln, permanente Kameraüberwachung und keinen Weg nach draußen. Statt in dem erhofften Internatsalltag findet sich Benson somit in einem ausbruchssicheren Gefängnis wieder, in dem skrupellose Gangs knallhart ums Überleben kämpfen und jedes Fehlverhalten rigoros bestraft wird. Für Benson Fisher gibt es nur einen Ausweg aus dem Albtraum: Er muss unbedingt einen Weg finden, Maxfield Academy so schnell wie möglich wieder zu verlassen…

Maxfield Academy: Internats-Albtraum mal anders

Meine absoluten Lieblingsgeschichten sind solche, bei denen man absolut keine Ahnung hat, was überhaupt passiert und man dem Geschehen die ganze Zeit mit einer Mischung aus Faszination und Verstörung folgen kann – so zuletzt bei mir geschehen bei „The Maze Runner“ von James Dashner. Leider sind gute und spannende Geschichten, bei denen man als Leser wirklich komplett ahnungslos gelassen wird, eher selten und so hat es mich umso mehr gefreut, dass Robison Wells (richtig, der jüngere Bruder von Dan Wells) mit „Variant“ genau in diese Kerbe schlägt. Die Illusion, man hätte es bei seinem Buch mit einer gewöhnlichen Young-Adult-Internatsgeschichte zu tun, hält nämlich gerade einmal für ein paar Seiten. Sobald man gemeinsam mit dem Protagonisten Benson Fisher die Tore der Maxfield Academy durchschritten hat, überkommt einen auch schon ein sehr ausgeprägtes Gefühl des Unwohlseins, das schnell in Panik und Entsetzen umschlägt.

Zwischen totaler Überwachung und brutaler Gewalt

Maxfield Academy entpuppt sich nämlich als Bildungseinrichtung mit bestenfalls als unkonventionell zu bezeichnenden Erziehungsmethoden. Die Schüler werden weitestgehend sich selbst überlassen und was mit der völligen Abwesenheit von Lehrkräften zunächst wie ein Paradies für jeden Teenager klingt, wird schnell zu einem Albtraum: Jeder Schritt der Schüler wird mit Kameras überwacht, der Tagesablauf ist fest reguliert und wer sich nicht an die Regeln hält oder seine Aufgaben nicht erledigt, wird knallhart bestraft. Die Jugendlichen haben sich dabei mit der Zeit zu drei Gangs zusammengeschlossen: Die elitäre „Society“ ist streng auf die Einhaltung der Regeln fixiert, die einschüchternden „Havocs“ legen ein eher anarchisches Verhalten an den Tag und die weitestgehend neutralen „Vs“ halten sich aus dem Ärger möglichst heraus und arrangieren sich bestmöglich mit ihrem unfreiwilligen Schicksal.

Beklemmendes Gefühl der Bedrohung

Nun üben Internatsgeschichten seit jeher einen gewissen Reiz auf mich aus, Robison Wells‘ Maxfield Academy wirkt mit seiner Mischung aus Schule und Gefängnis aber besonders faszinierend. Man hat beim Lesen wirklich keine Ahnung, was der Zweck dieser Einrichtung ist, warum die Jugendlichen dort gegen ihren Willen gefangengehalten werden und was es mit den Aktivitäten wie z.B. regelmäßigen Paintball-Duellen auf sich hat. Als Leser solidarisiert man sich umgehend mit Benson Fisher, der am liebsten sofort wieder die Flucht ergreifen will und verstört ist von der Gleichgültigkeit der anderen Schüler, die sich mit ihrem Dasein scheinbar abgefunden haben und aus Angst vor Strafen jeglichen Widerstand gegen ihre unsichtbaren Wärter verweigern. Das gesamte Konzept der Academy ist dabei gut durchdacht und es ist wirklich erschreckend, wie mit einem Punktesystem und sozialen Zwängen ein ungeheurer psychologischer Druck auf die Schüler ausgeübt wird. Diese allgegenwärtige Paranoia überträgt sich schnell auch auf den Leser, sodass man das permanente Gefühl der Bedrohung nach Betreten der Schule nicht mehr abschütteln kann.

Absoluter Pageturner mit einem außergewöhnlichen Plottwist

„Variant“ ist spannend geschrieben und überzeugt mit einem sehr eingängigen Schreibstil, sodass man förmlich durch die Seiten fliegt. Ständig ist man dabei wie Benson auf der Suche nach Hinweisen auf den Sinn und Zweck der Maxfield Academy und ist von den dauernden Abblockversuchen und der Mauer des Schweigens ebenso frustriert wie die Hauptfigur. Für einen absoluten Schockeffekt sorgt Robison Wells aber gegen Mitte des Buches, als er mit einem wahnwitzigen Plottwist alles bisherige auf den Kopf stellt. Ich werde den Teufel tun nun etwas über den Inhalt zu verraten, aber entweder wird man diese unglaubliche Wendung abgöttisch lieben (wie ich) oder das Buch an dieser Stelle enttäuscht weglegen – die Enthüllung ist nämlich wirklich krass und führt das Buch in eine ganz andere Richtung als erwartet. Leider gibt es nach diesem Punkt eine kleine Schwächephase und die Geschichte verliert etwas an Fahrt, was Robison Wells zum Ende hin jedoch glücklicherweise wieder korrigieren kann. Und weil „Variant“ Teil einer Dilogie ist, gibt es natürlich auch noch den obligatorischen Cliffhanger zum Schluss – doch zum Glück ist der zweite Band „Feedback“ bereits längst erschienen. Für wen eine Mischung aus Internatstory und Maze Runner verlockend klingt, der sollte sich „Variant“ jedenfalls unter keinen Umständen entgehen lassen!

Variant
  • Autor:
  • Deutscher Titel: Du kannst keinem trauen
  • Reihe: Variant #1
  • Umfang: 373 Seiten
  • Verlag: HarperTeen
  • Erscheinungsdatum: 26. September 2011
  • Preis Geb. Ausgabe 11,81€/PB 7,30 €/eBook 1,02 €
Cover:
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Gesamt:
8/10
Fazit:
Packenden Jugendthriller, der mit einem erschreckenden Setting und einer spannenden und wendungsreichen Story zum absoluten Pageturner entwickelt und nur kurz vor Schluss eine kleine Schwächephase durchläuft.

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