Blutige_Spiele_Rezi

In einer nicht allzu fernen Zukunft sorgt ein Wettbewerb alle vier Jahre dafür, dass die ganze Welt den Atem anhält: Der Gladiatoren-Kampf gentechnisch erschaffener Monster, die im Rahmen der Olympischen Spiele gegeneinander antreten. In jahrelanger Vorbereitungszeit streben die teilnehmenden Nationen wie besessen danach, immer bessere und furchteinflößendere Kreaturen in ihren Laboren zu erzeugen und damit die prestigeträchtige Goldmedaille in dem unerbittlichen Technik-Krieg zu gewinnen. Vor allem die Supermächte lassen dem Wettkampf eine extrem hohe Bedeutung zukommen und haben die besten Wissenschaftler ihres Landes auf die Forschungen angesetzt – darunter auch Silas Williams, ein brillianter Genetiker, dessen Schöpfungen den USA in allen bisherigen Austragungen der Gladiatorenkämpfe den Sieg eingebracht haben. Doch da auch die anderen Nationen nicht schlafen, lassen die Verantwortlichen die Baupläne für Silas‘ Arbeit diesmal von einem Supercomputer erstellen – eine Entscheidung mit fatalen Konsequenzen…

Ein Gladiatorenkampf von Gen-Monstern als Machtkampf der Supermächte

Ich weiß, man sollte lobpreisenden Vergleichen der Werbeindustrie nicht allzu viel Glaubwürdigkeit schenken, doch wenn ein Buch mit den Worten „Jurassic Park meets The Hunger Games“ beworben wird, kann ich beim besten Willen nicht daran vorbeigehen. Und das Szenario von Ted Kosmatkas Sci-Fi-Thriller „Blutige Spiele“ klingt so vielversprechend: Alle vier Jahre tragen die Nationen dieser Welt ihre Machtkämpfe in einer Gladiatorenarena aus, wo sie bestialische Kreaturen gegeneinander antreten lassen – ein mediales Ereignis der Superlative, das andere Sportereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaften oder den Super Bowl locker in den Schatten stellt. Mit Milliarden an Forschungsgeldern und unglaublichem Arbeitseinsatz gibt es ein ständiges Wettrüsten um die abgefahrensten und blutrünstigsten Kreaturen, bei deren Erschaffung es nur eine einzige Regel gibt: Es darf keine menschliche DNA verwendet werden.

Super Ausgangsidee, aber wenige stimmige Umsetzung

Die Ausgangsidee des Romans ist super, doch leider wirkt Kosmatkas Setting von Anfang an nicht stimmig. Man hätte die Gladiatorenkämpfe dem Leser wunderbar als eigenständiges Ereignis verkaufen können, doch der Autor kam blöderweise auf die hirnrissige Idee, diesen Wettbewerb in die Olympischen Spiele einzugliedern – oder auch nicht, denn bis auf die Medaillenvergabe hat das Ereignis so gut wie nichts mit den restlichen Disziplinen zu tun und wird sogar getrennt von diesen im Land des Siegers ausgetragen, das bisher natürlich immer die USA waren. Sowas mag vielleicht nicht jeden Leser stören, doch mir als großem Olympiafan sträuben sich bei dieser Konstellation die Haare, denn Kosmatkas blutige Monsterkämpfe widersprechen vermutlich jedem einzelnen Satz der olympischen Charta und sind mit dem olympischen Gedanken nicht im geringsten vereinbar. Auch seine Begründung, dass man das genetische Wettrüsten als Ausgleich für das strikte Dopingverbot in allen anderen Sportarten ins Leben gerufen hat, wirkt doch sehr lächerlich. Monsterkämpfe und Olympia passen einfach überhaupt nicht zusammen.

Lange Einführungsphase, farblose Charaktere

Leider nimmt der eigentliche Wettkampf dann auch nur einen Bruchteil der Geschichte ein und bis es überhaupt dazu kommt, muss man sich erst einmal durch Stunden der Vorbereitung kämpfen, in denen die Erzeugung der Kreatur und die damit verbundenen Komplikationen geschildert werden. Das ist zwar zwischendurch durchaus interessant und nicht wirklich langweilig, nimmt aber viel zu viel Raum ein, zumal „Blutige Spiele“ auch keine starken Charaktere bietet, die einen an die Hand nehmen und durch die Story ziehen können. Es ist völlig ok, bei einem derartigen Unterhaltungsroman zugunsten der Spannung auf tiefergehende Charakterisierungen zu verzichten, aber Silas Williams und seine Mitstreiter und Kontrahenten sind so dermaßen austauschbar, dass man am Ende der Geschichte eigentlich nicht einen einzigen Charakterzug der Figuren herausstellen könnte – es bleibt schlicht nichts hängen.

Passabler SciFi-Thriller, aber es wäre deutlich mehr drin gewesen

Die Wettkämpfe selbst sind dann durchaus gut gelungen und bieten packende und deftige Monster-Action, allerdings offenbart der Autor auch hier erzählerische Schwächen. So konzentriert sich z.B. im Vorfeld alles auf das Duell der Supermächte USA und China, die dann aber bereits in der ersten Runde gegeneinander antreten müssen – ein guter und logischer Spannungsaufbau geht definitiv anders. Leider stolpert man immer wieder über solche Ungereimtheiten, die der gerade im letzten Drittel eigentlich recht unterhaltsamen Geschichte ständig kleine Dämpfer verpassen. Dass die Story darüber hinaus völlig vorhersehbar ist, ist dagegen aus meiner Sicht verzeihbar, schließlich überrascht auch ein Meisterwerk wie „Jurassic Park“ nicht gerade mit einem originellen Ende – das muss ein solches Buch aber auch nicht. Insgesamt ist „Blutige Spiele“ letztlich ein passabler Sci-Fi-Thriller, der durchaus Unterhaltungswert besitzt, sich aber immer wieder selbst das Leben schwer macht. Man hätte meiner Meinung nach wirklich mehr aus der guten Ausgangsidee herausholen können und auch die seltsam unpassende Nebenhandlung mit einem befremdlichen Zusammenspiel von virtueller Realität und wirklichem Geschehen ist eher missglückt. Wer Geschichten wie „Jurassic Park“ oder „Godzilla“ mag, kann hier aber auch dank der sehr guten Lesung von Detlef Bierstedt schon auf seine Kosten kommen – man sollte seine Erwartungen nur nicht zu hoch ansetzen.

Blutige Spiele
  • Autor:
  • Sprecher: Detlef Bierstedt
  • Original Titel: The Games
  • Länge: 13 Std. 20 Min. (ungekürzt)
  • Verlag: Audible GmbH
  • Erscheinungsdatum: 1. April 2014
  • Preis 24,95 € (9,95 € im Audible-Flexi-Abo)
Charaktere:
Story:
Atmosphäre:
Sprecher:
Gesamt:
6/10
Fazit:
Solider Monster-Thriller mit guter Ausgangsidee, der sich aber mit dem nicht stimmigen Szenario und öden Charakteren letztlich selbst im Weg steht.

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