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In seinem dritten Fall bekommt es der Journalist Henning Juul mit einem grausamen Mord und einem brisanten Justizskandal zu tun.

Als der Osloer Journalist Henning Juul von der Online-Zeitung „123nyheter“ für einen Bericht in ein örtliches Pflegeheim geschickt wird, ahnt er noch nicht, was für ein grausiges Verbrechen sich dort abgespielt hat: Die 83-jährige Erna Pedersen wurde brutal ermordet, zudem hat der Täter der wehrlosen und dementen Frau zwei Stricknadeln in die Augen gestochen. Nicht nur die Heimbewohner und -mitarbeiter sind fassungslos, auch Henning Juul kann sich diese sinnlose Gewalt gegen eine alte Frau nicht erklären – auch wenn der Reporter bei ersten Ermittlungen herausfindet, dass Pedersen in ihrer aktiven Zeit als Lehrerin ein äußerst strenges Vorgehen an den Tag gelegt hat, das ihr an der Schule eine Menge Feinde einbrachte. Doch dies liegt bereits Jahrzehnte zurück, woher kommt also ausgerechnet jetzt dieser scheinbar grenzenlose Hass gegen das Opfer?

Jede Menge Arbeit für Journalist Henning Juul

„Verleumdet“ von Thomas Enger ist der dritte Kriminalroman um den norwegischen Journalisten Henning Juul und stellt diesen gleich vor drei große Herausforderungen: Beruflich bekommt es Juul mit dem oben geschilderten Mord im Pflegeheim zu tun, der nicht nur aufgrund der ungeheuren Brutalität Rätsel aufgibt, auch das Motiv für die Tat ist zunächst völlig ungewiss. Die beiden weiteren Baustellen liegen vorrangig im privaten Bereich des Reporters, denn nach wie vor strebt Henning nach der Aufklärung des Todes seines Sohnes, der vor zwei Jahren bei einem Wohnungsbrand ums Leben kam. Juul hat inzwischen zahlreiche Hinweise dafür gesammelt, dass der Brand absichtlich gelegt wurde und will den oder die Verantwortlichen dafür nun endlich zur Rechenschaft ziehen. Und auch der letzte Handlungsstrang betrifft den Journalisten persönlich, denn seine Schwester wird der sexuellen Nötigung bezichtet. Besonders brisant an der Angelegenheit: Trine Juul-Osmundsen ist Norwegens amtierende Justizministerin, sodass die die Vorwürfe einen landesweiten Skandal auslösen.

Drei spannende Storylines in einem Buch

Es kommt also ein Haufen Arbeit auf Thomas Engers Hauptfigur zu und wer die ersten beiden Bände der Reihe kennt, dürfte nun vielleicht das schlimmste befürchten, denn es war auch ohne drei parallel verlaufende Erzählstränge immer schon nicht leicht, dem Autor zu folgen, da in Engers Krimis immer sehr viele Nebencharaktere auftreten. Das ist zwar auch in „Verleumdet“ wieder so, trotzdem lassen sich die drei Fälle diesmal recht gut auseinander halten, da diese zumindest in der ersten Hälfte inhaltlich doch recht klar voneinander abgegrenzt sind. Für den Subplot um Hennings verstorbenen Sohn empfiehlt es sich aber, die Vorgänger gelesen zu haben, schließlich erstreckt sich diese Story nun schon über das insgesamt dritte Buch hinweg und es ist in dieser Angelegenheit zuvor schon eine ganze Menge passiert.

Sehr guter Norwegen-Krimi mit kleinen Makeln bei der Auflösung

Bis ins Schlussviertel hinein ist „Verleumdet“ der meiner Meinung nach bisher stärkte Band der Reihe, was ganz einfach daran liegt, dass wirklich alle drei Handlungsstränge großen Reiz haben und überdies packend geschrieben sind. Zudem wird das Erzähltempo dadurch auf einem sehr hohen Niveau gehalten, sodass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt. Allerdings fallen die letzten Kapitel für mich dann doch etwas ab, da es Enger nicht in jeder Hinsicht überzeugend gelingt, die losen Fäden zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen. Außerdem nimmt Henning Juul bei der Aufklärung eher eine Nebenrolle ein und wird fast schon in die Zuschauerrolle gedrängt, was schade ist, da gerade die guten Ermittlerfähigkeiten des Journalisten die Reihe für mich in den ersten beiden Büchern ausgezeichnet haben. Zudem wird es langsam etwas nervig, dass der Autor beim Schluss seiner Romane immer den gleichen Kniff einsetzt und auch Band Nr. 3 wieder mit einem Cliffhanger abschließt. Dagegen ist zwar grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings ist sich dieser in allen drei bisherigen Büchern auch inhaltlich sehr ähnlich, sodass sich Engers Masche langsam etwas abnutzt. Dennoch ist auch „Verleumdet“ wieder ein sehr guter und cleverer Kriminalroman geworden, der Fans der Reihe sicher nicht enttäuschend wird. Dafür sorgt auch Oliver Siebecks wieder einmal tadellose Lesung der Hörspielfassung.

Fazit:
Inhaltlich der bisher spannendste Teil der Reihe, allerdings trübt das etwas bemüht wirkende Ende den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck (8/10).

Verleumdet
Autor: Thomas Enger; Originaltitel: Blodtåke; Sprecher: Oliver Siebeck; Spieldauer: 9 Std. 57 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Random House Audio, Deutschland; Veröffentlicht: 11. November 2013; Preis: 20,95 €.

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