IMG_5837
Die Welt steht vor der vielleicht größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte und nur ein Mann kann das verhindern – dieser hat allerdings sein Gedächtnis verloren…

Die Welt ist in Aufruhr: Eine gefährliche Pandemie breitet sich mit rasender Geschwindigkeit über den gesamten Planeten aus und hat bereits zahlreiche Todesopfer gefordert und Tausende von Menschen infiziert. Täglich bringen Nachrichtenagenturen neue Schreckensmeldungen über die sogenannte „Manila-Grippe“, deren Verbreitung weder die Politik noch die Weltgesundheitsorganisation bisher weder verhindern noch eindämmen konnte. Da inzwischen fast jedes Land von der Pandemie betroffen ist, wird der Impfstoff immer knapper und auch die Industrienationen bleiben von der Seuche nicht verschont: Flughäfen werden aus Sicherheitsgründen gesperrt und wahre Menschenmassen unter Quarantäne gestellt, sodass ein Großteil des normalen Alltags zum Erliegen kommt.

Ein Obdachloser mit Gedächtnisverlust als Retter der Menschheit?

Von der weltweiten Ausnahmesituation bekommt ein Mann jedoch nicht allzu viel mit, denn dieser hat momentan wirklich andere Sorgen: In Berlin ist ein Obdachloser nämlich auf der Suche nach seinen Erinnerungen und er hat keine Ahnung, wie er überhaupt auf den kalten Straßen der deutschen Hauptstadt gelandet ist. Sein einziger Verbündeter ist ein seltsamer Kauz namens Oskar, der „Noah“, wie der Mann ohne Gedächtnis wegen einer Tätowierung auf seinem Handballen genannt wird, unter seine Fittiche nimmt, ihn in Suppenküchen mit Nahrung versorgt und seinen Unterschlupf mit ihm teilt. Je mehr Zeit Oskar aber mit dem geheimnisvollen Fremden verbringt, desto größer ist die Verwirrung, die Noah bei ihm auslöst – denn der Mann verfügt über Fähigkeiten, die für einen Obdachlosen mehr als außergewöhnlich sind. Zudem weist Noah eine Schussverletzung auf, für die weder er selbst noch Oskar eine plausible Erklärung haben…

Der neue Thriller von Bestsellerautor Sebastian Fitzek

Ich gebe es offen zu: Obwohl ich seit Jahren großer Sebastian-Fitzek-Fan bin, habe ich mich noch nie so wenig auf eine Neuerscheinung von ihm gefreut, wie es nun bei „Noah“ der Fall war. Zu tief saß bei mir noch die Enttäuschung, die sein letzter Psychothriller bei mir hervorgerufen hatte, denn „Der Nachtwandler“ konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen und hat mich mit seinem absurd überkonstruiertem Ende richtiggehend verärgert. Trotzdem konnte ich mich jedoch nicht davon abhalten, auch bei seinem neuen Werk die Hörbuchversion vorzubestellen, wenngleich mich der Klappentext eher wenig bis gar nicht angesprochen hat. Die Erwartungen an „Noah“ waren also nicht besonders hoch, was häufig ja die besten Voraussetzungen sind, um sich von einem Buch überraschen zu lassen.

Ein Thriller von globalem Ausmaß

Überraschend ist bei „Noah“ auf jeden Fall schon einmal der Einstieg, denn wohl zum ersten Mal (?) beginnt Fitzeks Roman nicht in Deutschland, sondern rund 10.000 Kilometer davon entfernt auf einer Müllkippe auf den Philippinen: In dem Slum Lupang Pangako trifft man als Leser auf eine bitterarme Familie bestehend aus einer blutjungen alleinerziehenden Mutter und ihren beiden Kindern, von denen das jüngere erst vor wenigen Tagen das Licht der Welt erblickt hat. Schon diese wenigen ersten Minuten reichen, um ein erschütterndes Bild dieses Lebensraums zu zeichnen: Dreckig, unhygienisch, unerbittlich und insgesamt betrachtet einfach ein Ort, an dem Leben kaum eine richtige Chance hat.

Zur Abwechslung mal KEIN Psychothriller

Auch die nächste Station passt so gar nicht zu den Psychothrillern, die man von Sebastian Fitzek eigentlich gewohnt ist. Zwar ist Berlin als Schauplatz alles andere als ungewöhnlich, dafür aber die titelgebende Hauptfigur, um den sich in diesem Buch fast alles dreht. Noah ist nämlich kein Arzt, Journalist oder Anwalt, wie es in Fitzeks Romanen sonst eher der Fall ist, sondern steht am anderen Ende der Gesellschaftsschichten – denn Noah ist obdachlos. Spätestens hier merkt dann auch der letzte, dass man es hier nicht mit einem Psychothriller zu tun hat, sondern dass Sebastian Fitzek passend zu seinem Verlagswechsel von Droemer Knaur zum Lübbe-Verlag offenbar auch erzählerisch neue Wege geht. Denn „Noah“ ist deutlich größer angelegt als seine bisherige Werke.

Wie ein Hollywood-Katastrophen-Blockbuster

Das zeigt sich zum Beispiel auch darin, dass die Handlung nicht auf einen Ort beschränkt ist, sondern sich über den gesamten Erdball erstreckt und zwischen Berlin, den Vereinigten Staaten, den Philippinen und den Niederlanden hin- und herspringt. Nicht nur dadurch wirkt „Noah“ oft wie ein Hollywood-Blockbuster, wozu auch das Katastrophenszenario mit der Menschheitsbedrohenden Manila-Grippe einen großen Teil beiträgt. Allerdings kann auch der Berliner Handlungsstrang Anleihen an so manchem erfolgreichen Kinofilm kaum verhehlen. So wirkt der gedächtnislose und angeschossene Obdachlose mit den unerwarteten Nahkampffertigkeiten, immer wieder auftauchenden Erinnerungsfetzen und mächtigen Verfolgern oft wie ein zweiter Jason Bourne und sein schrulliger Verbündeter Oskar mit seinen paranoiden Verschwörungstheorien wie der von Mel Gibson verkörperte Taxifahrer aus „Fletchers Visionen“. Und die Story von einer drastischen Reduzierung der Weltbevölkerung zur Bekämpfung von Armut, schwindenden Rohstoffen und einer kaum noch aufzuhaltenden Zerstörung der Umwelt hat man erst vor kurzem so ähnlich in Dan Browns „Inferno“ gelesen.

Spannende Verschwörungsstory mit aktueller Thematik

Macht aber nichts, denn die Vermischung vieler bekannter Elemente zu einem weltumspannenden Verschwörungs-Öko-Thriller funktioniert fast über die gesamte Länge der Geschichte erstaunlich gut und ist nicht nur durchgehend spannend und unterhaltsam, sondern darüber hinaus auch lehrreich und gibt Anstoß zu eigenen Gedanken rund um akute globale Probleme der Menschheit. Fitzek bindet in seine Thriller-Story viele erschreckende Fakten ein, die in ihrer Wirkung oft genauso schockierend sind wie so manche überraschende Wendung im Plot. Natürlich trägt der Autor an der ein oder anderer Stelle auch etwas dick auf und treibt die Ausgangsidee dabei auf die Spitze, aber das ist hier auch durchaus legitim, um die Botschaft seiner Geschichte beim Lesern ankommen zu lassen. Angenehm ist dabei auch, dass Fitzek bei der Darstellung seines Schreckensszenarios nicht mit belehrendem Zeigefinger vorgeht, sondern weitestgehend neutral auf die Problemsituation aufmerksam macht und diverse Standpunkte dazu aufzeigt. So gibt er im (übrigens sehr interessanten) Nachwort selbst zu, dass er in „Noah“ viele Fragen aufgeworfen hat, auf die er selbst jedoch keine Antworten habe. So viel offen zur Schau gestellte Hilflosigkeit tut zur Abwechslung auch mal ganz gut.

Kein typischer Fitzek, aber ein packender Unterhaltungsroman

Insgesamt betrachtet ist „Noah“ für mich somit eine positive Überraschung, an der ich nicht allzu viel auszusetzen habe. Die Story ist gut, spannend und eigentlich komplett ohne Längen, die Charaktere durchaus sympathisch (sofern sie es denn sein sollen) und die aktuelle Thematik interessant und oft wirklich erschreckend. Den durch die Pandemie ausgelösten globalen Ausnahmezustand hätte man vielleicht noch etwas eindringlicher darstellen können, hier waren mir das Schreckensszenario und seine Auswirkungen oft einfach nicht präsent genug. Auch das Ende konnte mich nicht voll überzeugen, weil die Story eigentlich auf den großen Knall zum Schluss ausgelegt ist und dieser dann aber ausbleibt und die Geschichte fast ein wenig im Sande verläuft. Manchmal hätte ich mir auch mehr eigene Ideen des Autors gewünscht und weniger Anleihen aus bekannten literarischen und filmischen Vorlagen, dies ist aber aufgrund der gekonnten Zusammenführung der einzelnen Elemente verschmerzbar. Wenn „Noah“ richtungsweisend für einen neuen Stil von Sebastian Fitzek ist, so bin ich damit insgesamt mehr als zufrieden. Man sollte nur eben keinen Psychothriller erwarten, denn das ist sein neuestes Werk ganz eindeutig nicht. Wer aber zum Beispiel die Bücher von Andreas Eschbach mag, der wird hier sicherlich voll auf seine Kosten kommen.

Fazit:
Ein für den Autor eher ungewöhnlicher Thriller-Blockbuster, der mit spannender Story und oft erschreckend aktueller Thematik aber gekonnt Unterhaltung und Information miteinander verknüpft (8/10).

Noah
Autor: Sebastian Fitzek; Sprecher: Simon Jäger; Spieldauer: 15 Std. 10 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Lübbe Audio; Veröffentlicht: 20. Dezember 2013; Preis: 29,95 € (9,95 € im Flexi-Abo).

Link zum Hörbuch


Fatal error: Uncaught Error: Call to undefined function MRP_show_related_posts() in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/themes/Monster/single.php:19 Stack trace: #0 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-includes/template-loader.php(78): include() #1 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-blog-header.php(19): require_once('/www/htdocs/w00...') #2 /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/index.php(17): require('/www/htdocs/w00...') #3 {main} thrown in /www/htdocs/w00e036f/buechermonster/wp-content/themes/Monster/single.php on line 19