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Bei einem missglückten Banküberfall einer Terrorgruppe wird die Freundin den Anführers schwer verletzt. Dieser schwört dem Chefermittler daraufhin bittere Rache…

Seit Monaten treibt eine terroristische Gruppe in den Vereinigten Staaten ihr Unwesen und zieht eine Spur der Verwüstung durch das Land. Die „Socialist American Reconstruction Army“ (SARA) sorgt immer wieder mit Anschlägen und medienwirksam inszenierten Aktionen für Aufsehen, ohne dass die Gesetzeshüter dem Treiben der Gruppe Einhalt gebieten können. Auch Jack Donovan, Special Agent beim ATF, dem Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives, ist es bisher nicht geglückt, den Terroristen das Handwerk zu legen. Zwischen ihm und dem Anführer der Gruppe, dem charismatischen Alexander Gunderson, ist inzwischen ein wahrer Wettstreit entbrannt, der sich vor allem für Donovan fast zu einer Besessenheit entwickelt hat.

Tödliches Duell zwischen Top-Terrorist und Top-Agent

Dieses Duell wird noch verschärft, als die SARA im Rahmen ihrer neuesten Aktion eine Bankfiliale stürmt und während der anschließenden Polizeiaktion das Personal und die Kunden der Bank als Geiseln nimmt. Zwar gelingt es Gunderson und seinen Leuten, trotz der Belagerung die Flucht zu ergreifen, doch Jack Donovan nimmt persönlich die Verfolgung der Terroristen auf. Schließlich schafft es der Agent, den Fluchtwagen von der Straße zu drängen und in einen Unfall zu verwickeln. Gunderson kann sich zwar aus dem Autowrack retten und entkommen, seine Frau Sara, die ebenfalls der Terrorgruppe angehört, bleibt jedoch leblos am Unfallort zurück. Die Verletzungen der Frau sind so schwer, dass sie ins Koma fällt – ohne die Aussicht, jemals wieder daraus zu erwachen. Vom Verlust seiner Frau rasend vor Wut, beschließt Gunderson, sich an Jack Donovan persönlich zu rächen und ihm ebenfalls das Liebste zu nehmen…

Niedrige Erwartungen…

Robert Gregory Brownes „Devil’s Kiss“ ist mal wieder einer der Vertreter der berühmt-berüchtigten Schublade „Gratis-Downloads, die jahrelang auf dem Sub vor sich hinvegetieren“. Der Klappentext klingt dabei gar nicht mal so schlecht, allerdings haben mich die doch sehr durchschnittlichen Bewertungen lange vom Hören des Hörbuches abgehalten. Die Erwartungen waren also sehr niedrig angesetzt, und manchmal sorgt ja gerade das für positive Überraschungen. „Devil’s Kiss“ gelingt dies zumindest teilweise.

… aber überraschend kurzweilig

Positiv überraschen kann auf jeden Fall schon mal die Anfangsphase des Buches. Hier bietet Robert Gregory Browne nämlich ein derartiges Action-Feuerwerk, dass man als Hörer kaum zum Luftholen kommt. Ein Banküberfall, eine Geiselnahme, eine explosive Flucht, eine spektakuläre Verfolgungsjagd, ein dramatischer Unfall – über Langeweile kann man sich in den ersten Kapiteln jedenfalls nicht beschweren. Auch die Ausgangssituation wird vom Autor schnell und einfach dargelegt, denn im Prinzip ist die Story ein simples Duell zwischen Terrorist Alex Gunderson und ATF-Agent Jack Donovan, die sich beide ein unerbittliches Katz-und-Maus-Spiel liefern. Dieses gerät jedoch völlig außer Kontrolle, als Gundersons Frau bei der Verfolgungsjagd stirbt (bzw. nur noch von Maschinen am Leben gehalten werden kann) und der Kriminelle aus Rache zum ultimativen Gegenschlag ausholt.

Actionreicher No-Brainer

So simpel der Plot in den Grundzügen auch erscheinen mag – er ist zumindest in der ersten Hälfte unerwartet kurzweilig. Zwar findet man als Leser weder in dem zwar charismatischen, aber auch brutalen Gunderson noch in dem als Vater einer jugendlichen Tochter versagenden Jack Donovan einen großen Sympathieträger, richtig notwendig ist dies zum Mitfiebern aber auch nicht. Störender ist da schon eher, dass Brownes Schreibstil sich zuweilen den Testosteron-strotzenden Charakteren des Romans anpasst und häufig sehr vulgär und machohaft ausfällt – was hin und wieder bei mir die ein oder andere Fremdschäm-Attacke ausgelöst hat. Als gehobene Literatur fällt „Devil’s Kiss“ nicht nur deshalb gnadenlos durch, als spannender No-Brainer schlägt sich das Buch aber durchaus passabel.

Seltsam esoterische zweite Romanhälfte

Kritisch wird es dann ungefähr bei der Hälfte des Romans: Hier kann der Autor mit einer faustdicken Überraschung aufwarten – was gut ist –, allerdings schlägt die Story dann eine sehr eigenartige Richtung ein – was ich persönlich nicht ganz so gut fand. Aus dem actionreichen Spannungsroman wird dann nämlich ein esoterischer Mystik-Thriller. Zwar ist diese Wendung sicherlich originell, ob man mit dem übersinnlichen Touch aber etwas anfangen kann, ist wohl wirklich Geschmackssache – zumal der Klappentext diesen Genre-Mix nun wirklich nicht vermuten lässt. „Devil’s Kiss“ ist nichtsdestotrotz weiterhin kurzweilig und unterhaltsam, verliert dadurch aber auch noch den letzten Funken Realismus des zuvor ohnehin schon sehr wilden Action-Thrillers. Für Thriller-Fans ist das Buch daher mit Vorsicht zu genießen, zumindest sollte man vorher wissen, worauf man sich einlässt. Wenn man sich an den Mystery/Fantasy-Elementen nicht stört, bietet Browne hier sicherlich kurzweilige Unterhaltung – mir persönlich wäre eine Fortführung der bodenständigeren ersten Buchhälfte jedoch lieber gewesen.

Fazit:
Anspruchsloser, aber durchaus kurzweiliger Action-Thriller, der in der zweiten Hälfte jedoch eine sehr eigenartige und gewöhnungsbedürftige Mystik-Richtung einschlägt (6/10).

Devil's Kiss
Autor: Robert Gregory Browne; Sprecher: Erich Räuker; Originaltitel: Kiss Her Goodbye; Spieldauer: 8 Std. 49 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Audible GmbH; Veröffentlicht: 17. Juli 2007; Preis: 20,95 € (9,95 € im Flexi-Abo).

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