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Gibt es für Special Agent Aloysius Pendergast nach all den Jahren noch eine schon nicht mehr für möglich gehaltene Wiedervereinigung mit seiner tot geglaubten Frau?

Wie schon kürzlich beim direkten Vorgänger „Revenge: Eiskalte Täuschung“ möchte ich auch beim 12. Buch um den eigenwilligen FBI-Agenten Aloysius Pendergast gleich mal eine kleine Warnung voranstellen: „Fear: Grab des Schreckens“ ist kein eigenständiger Teil der Reihe, sondern bildet den Abschluss der sogenannten Helen-Trilogie, einer dreiteiligen Mini-Serie innerhalb der Gesamtreihe. Inhaltlich dreht sich dabei alles um Pendergasts Ehefrau Helen, die vor Jahren bei einem gemeinsamen Jagdausflug in Afrika von einem Löwen zerfleischt wurde. Es ist also nicht unbedingt ratsam, „Fear“ ohne Kenntnisse der beiden Vorgänger „Revenge“ und „Fever“ zu lesen, denn es besteht die große Gefahr, dass man bei den fortgeführten Handlungssträngen und den zahlreichen Nebencharakteren nur Bahnhof versteht.

Der Abschluss der Helen-Trilogie um Agent Pendergasts Ehefrau

Über die Geschichte selbst möchte ich an dieser Stelle gar nicht so viel erzählen, um Spoiler weitestgehend zu vermeiden. Hier verrät nämlich (wieder einmal) der Klappentext viel zu viel und nimmt eine dramatische Entwicklung der Story gleich vorweg – die Verlage lernen es anscheinend nie. Inhaltlich setzt „Fear“ wenig überraschend nahtlos dort an, wo „Revenge“ spektakulär aufgehört hat, folglich geht es schon in den ersten Hörbuchminuten wieder ordentlich zur Sache und man bekommt in Sachen Spannung und Dramatik einiges geboten. Wer meine Rezensionen zu den ersten beiden Büchern der Trilogie gelesen hat, der weiß, dass mich diese nicht sonderlich überzeugen konnten und ich gerade vom Mittelband eher enttäuscht war. Das lag zum einen an der sehr wirren Story, aber auch an dem seltsam farblosen Auftritt der Hauptfigur selbst. Somit waren meine Erwartungen an den großen Schlussakt auch nicht sonderlich hoch – ich wurde jedoch positiv überrascht.

Aloysius Pendergast zeigt endlich Gefühle

Einerseits schöpfen die Autoren Douglas Preston und Lincoln Child in Bezug auf Agent Pendergast endlich das Potenzial aus, welches die Story ihnen schon seit Beginn der Trilogie geboten hat. Der sonst so kühle und kontrollierte FBI-Agent zeigt sich nun endlich mal von einer anderen Seite und es wird für den Leser endlich deutlich, dass ihm das Schicksal seiner Frau Helen mehr mitnimmt, als es bisher den Anschein hatte. Während sich Pendergast im Vorgänger meist eiskalt und fast schon unsympathisch durch das Buch folterte und ballerte, bekommt man nun die lang ersehnten Einblicke in sein Gefühlsleben – und das auf eine derart drastische Weise, dass man sich zwischenzeitlich ernsthafte Sorgen um das Wohl des Agenten machen muss und Institutionen der Reihe wie die Männerfreundschaft zwischen Pendergast und seinem Polizei-Freund Vincent D’Agosta plötzlich bedenklich wackeln. Nach dem langweiligen und blassen Auftritt in „Revenge“ ist diese Pendergast-Darstellung eine wahre Freude und bringt die Figur dem Leser auch wieder deutlich näher, nachdem man zuvor schon fast ein wenig geneigt war, sich von ihm abzuwenden.

Erneut absurde, aber viel besser verständliche Story

Mein zweiter großer Kritikpunkt an den ersten zwei Dritteln der Trilogie war die wirre Story, deren einzelne Handlungsstränge scheinbar völlig zusammenhanglos verliefen und auf diese Weise keinen richtigen Lesefluss aufkommen ließen. Auch hier hat sich einiges zum Guten gewendet, denn Preston und Child gelingt es deutlich besser, die vielen kleinen Puzzlestücke zu einem stimmigen und verständlichen Gesamtbild zusammenzufügen. Die Geschichte ist in „Fear“ sehr viel geradliniger und stringenter, wenngleich auch diesmal der ein oder andere Nebenschauplatz eröffnet wird. Ob wirklich jeder davon für die Handlung unbedingt notwendig gewesen wäre (wie z.B. der etwas überflüssige Subplot um Corrie Swanson), sei einmal dahingestellt – sie schaden dem Buch aber auch nicht. Allerdings fragt man sich zuweilen schon, ob man die Geschichte um Helen Pendergast wirklich auf drei umfangreiche Bücher ausbreiten musste – denn rückblickend wirkt ein nicht gerade geringer Teil der beiden Vorgänger wie unnötiges Füllmaterial, das nur für ärgerliche Verwirrung der Leserschaft sorgte.

Spannend, schockierend, überraschend, mysteriös

Natürlich geht es auch in „Fear“ wieder sehr wild zu und die Story bietet erneut einige absurde Wendungen – aber das Konzept der Autoren funktioniert endlich wieder. Wer realistische Thriller lesen will, ist bei der Pendergast-Reihe eh völlig falsch – ich verlange von Preston und Child fast schon einen wahnsinnigen Plot mit schockierenden Überraschungen und unfassbaren Ereignissen. Denn das ist meiner Meinung genau das, was die Reihe seit ihren Anfängen auszeichnet, bei den letzten Büchern aber leider etwas verloren gegangen ist. Ich möchte beim Lesen einfach das Gefühl haben, dass ich keiner Tatsache allzu sicher sein kann und von einem Moment auf den anderen alles auf den Kopf gestellt werden kann – und das ist bei „Fear“ zu meiner großen Freude wieder der Fall. Selbst die beim Vorgänger von mir so kritisierten Nazi-Klischees haben mich bei diesem Buch kaum noch gestört und passten nun deutlich besser zur Story. Darüber hinaus gibt es auch endlich wieder die lange vermissten Horror- und Mysteryelemente, die vor allem der Nebenplot um eine grausige und unmöglich erscheinende Mordserie mit sich bringt.

Der beste Pendergast seit langem

Es ist also tatsächlich das eingetreten, worauf ich kaum noch zu hoffen geglaubt habe: „Fear: Grab des Schreckens“ ist ein absolut würdiger Abschluss der Helen-Pendergast-Story geworden und in meinen Augen eindeutig der beste Teil der Trilogie, weil er sich eben wieder auf die Stärken der Reihe besinnt. Natürlich ist die Story neutral betrachtet völlig unsinnig und zum Haare raufen, aber sie ist eben auch verdammt spannend, temporeich und voller Überraschungen – also genau das, was ich von einem Pendergast-Roman erwarte. Da es Douglas Preston und Lincoln Child endlich auch gelungen ist, ihre Hauptfigur etwas menschlicher erscheinen zu lassen und die perfekte Fassade des charismatischen FBI-Agenten deutlich zum Wanken bringen, ist „Fear“ meiner Meinung nach der beste Pendergast-Thriller seit langem. Zu den grandiosen Frühwerken wie „Relic“ oder „Attic“ fehlt zwar noch ein Stück, aber Pendergasts 12. Auftritt gibt mir wieder Zuversicht, dass die Reihe ihren Zenit noch nicht überschritten hat.

Fazit:
Spannender und dramatischer Abschluss der Helen-Trilogie, der endlich wieder an die starken frühen Auftritt Pendergasts anknüpfen kann (8/10).

Fear
Autoren: Douglas Preston, Lincoln Child; Sprecher: Detlef Bierstedt; Originaltitel: Two graves; Spieldauer: 17 Std. 53 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Argon Verlag; Veröffentlicht: 20. Juni 2013; Preis: 29,95 € (9,95 € im Flexi-Abo).

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