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Hauptkommissar Claudius Zorn und sein Kollege Schröder bekommen es mit einem grausigen Leichenfund zu tun: Ein jugendlicher Radfahrer wurde mit einem Drahtseil geköpft…

Der drückend heiße Sommer macht nicht nur Hauptkommissar Claudius Zorn zu schaffen, sondern scheint auch den kriminellen Gestalten der Stadt die Lust am Verbrechen zu nehmen – auf den Schreibtischen der Polizei herrscht gähnende Leere und eine harmlose Einbruchserie in einer Schrebergartenanlage ist für Zorn die größte und eigentlich auch einzige Herausforderung. Das ändert sich jedoch schlagartig, als eine männliche Leiche im Stadtwald gefunden wird. Den Ermittlern bietet sich ein Bild des Grauens, denn dem Toten wurde der Kopf fast vollständig abgetrennt. Offenbar war der Junge mit seinem Fahrrad in den Grünanlagen unterwegs und wurde bei einer Abfahrt von einem zwischen Bäumen gespannten Metallseil erfasst und geradezu enthauptet.

Die Enthauptung eines 16-jährigen gibt der Polizei Rätsel auf

Bei der Leiche handelt es sich um den 16-jährigen Björn Groth und für Claudius Zorn stellt sich die Frage, ob dieser gezielt einem hinterhältigen Mordanschlag zum Opfer fiel oder ob der Täter sein Ziel willkürlich gewählt hat. Da der Jugendliche aber jeden Morgen zur gleichen Zeit seine Runde im Wald gedreht hat, geht der Hauptkommissar schnell von einer geplanten Tötung aus – doch wer sollte ein Motiv haben, den eher als Außenseiter geltenden Jungen zu töten? Zum Glück kann Zorn bei seinen Ermittlungen wieder auf seinen Kollegen Schröder zurückgreifen, der erst kurz zuvor aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Für Zorn eine Erlösung, denn endlich hat er wieder jemanden, der für ihn die lästige Laufarbeit erledigen kann…

Der zweite Fall für den mürrischen Claudius Zorn und seinen Kollegen Schröder

„Zorn – Tod und Regen“ zählte für mich persönlich zu den Krimi-Entdeckungen des letzten Jahres – weniger wegen der zwar spannenden, aber auch nicht gerade herausragenden Story, sondern wegen des ungewöhnlichen und höchst unterhaltsamen Ermittlerduos. Glücklicherweise gönnt Autor Stephan Ludwig dem mürrischen Hauptkommissar Claudius Zorn und seinem Kollegen, dem „dicken Schröder“, dann auch gleich eine ganze Krimireihe und schickt das ungleiche Team auch in „Zorn – Vom Lieben und Sterben“ wieder auf Mörderjagd.

Erfreuliche Weiterentwicklung des ungleichen Ermittlerduos

Allerdings hat sich das Verhältnis zwischen Zorn und Schröder im zweiten Band etwas verändert und letzterer ist nicht mehr nur reiner Laufbursche und zum stillschweigenden Ausführen von Befehlen verdammt, sondern wird von seinem Vorgesetzten inzwischen merklich respektvoller behandelt – was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass Schröder bei ihrem letzten gemeinsamen Fall seinen unermüdlichen Einsatz fast mit dem Leben bezahlt hätte. Und obwohl Schröder zu Beginn des Buches nach mehrmonatigem Aufenthalt endlich aus dem Krankenhaus entlassen wird, so ist er doch noch lange nicht der Alte – und wird es vermutlich auch so schnell nicht wieder werden. Das ist aber auch gut so, denn dadurch ist eine spürbare Entwicklung der beiden Hauptfiguren feststellbar, was man auch nicht von besonders vielen Krimiserien behaupten kann. Natürlich wird der dickliche Kollege von Zorn auch weiterhin für das Erledigen unangenehmer Aufgaben vorgeschoben, doch der im Vorgänger schon oft angedeutete eigene Wille des fleißigen Gehilfen tritt nun immer öfter auch in den Vordergrund. Zudem hat Stephan Ludwig in Bezug auf diese Figur auch noch eine überraschende Enthüllung auf Lager, die für einen ganz neuen Blickwinkel ihr gegenüber sorgt. Leider muss dafür Claudius Zorn im zweiten Band etwas zurückstecken und dessen Charakterentwicklung beschränkt sich vor allem darauf, dass er nicht mehr ganz so oft das faule Arschloch heraushängen lässt wie im Auftaktroman.

Stellenweise etwas unbeholfener Schreibstil

Trotz der wieder einmal sehr gelungenen Figurenkonstellation konnte mich „Vom Lieben und Sterben“ aber in der ersten Buchhälfte nicht wirklich überzeugen. Das liegt nicht einmal an der erneut nicht außergewöhnlich raffinierten Story, die zwar manchmal ein wenig zu konstruiert wirkt, dafür aber mit durchgehender Spannung und einer soliden Auflösung überzeugt. Mein Problem lag hier vielmehr an Ludwigs Schreibstil, der auf mich stellenweise einen doch sehr primitiven Eindruck machte. Ein Krimi muss für mich nun wahrlich keine große Literatur sein, aber häufig waren mir die Dialoge und Beschreibungen des Autors doch etwas zu plump und unbeholfen. Bei den Gesprächen zwischen Zorn und Schröder bin ich mir durchaus bewusst, dass dieser hakelige Stil mitunter wohl so gewollt ist und zum einen den trockenen Humor der beiden transportiert, auf der anderen Seite aber auch die Unsicherheit der beiden Männer zeigt, wenn es um das Ausdrücken der eigenen Gefühle bzw. zwischenmenschliche Aspekte geht. Doch auch abgesehen davon hatte ich zeitweise das Gefühl, ich hätte es bei diesem Roman mit einem selbstverlegten und kostengünstigen eBook zu tun, welches ohne großes Lektorat auskommen musste. Fehlerhaft ist der Text dabei keinesfalls, er wirkt auf mich nur nicht richtig rund. Darüber hinaus waren mir viele der humorigen Einlagen um Zorn und Schröder teilweise auch einfach zu albern und erschienen mir so, als würde man auf Teufel komm raus den nächsten Lacher erzwingen wollen. Das legt sich dann aber ab der Hälfte und ist mir im späteren Verlauf auch nicht mehr unangenehm aufgefallen.

Etwas schwächer als der Vorgänger, aber immer noch ein guter Krimi

„Vom Lieben und Sterben“ kann daher für mich nicht ganz an den sehr guten Vorgänger anknüpfen. Es ist immer noch ein unterhaltsamer und spannender Kriminalroman mit einem tollen Ermittlerduo, kann aber die ein oder andere oben angesprochen Schwäche kaum verbergen. Am stärksten ist das Buch meiner Meinung nach immer dann, wenn das ständige Necken und Triezen der beiden Ermittler durch überraschend ernste Momente unterbrochen wird, weil diese unerwarteten Tiefgang mit sich bringen und gerade in Bezug auf Schröder intime Einblicke in dessen Seelenleben erlauben. Ich bin gespannt, ob Stephan Ludwig im (bereits erhältlichen) dritten Band der Reihe „Zorn – Wo kein Licht“ diese ernsteren Passagen weiter ausbauen oder den Schwerpunkt weiterhin auf Klamauk und Sarkasmus legen wird. Insgeheim hoffe ich auf ersteres, denn der angedeutete Tiefgang steht dem Buch in meinen Augen durchaus gut zu Gesicht.

Fazit:
Routinierte und erneut amüsante Fortsetzung der Reihe um das ungleiche Ermittlerduo Zorn und Schröder, die zwar manchmal etwas albern wirkt, dafür aber auch gelegentlich mit unerwarteter Ernstigkeit überrascht (7/10).

Zorn
Autor: Stephan Ludwig; Umfang: 368 Seiten; Verlag: Fischer Verlage; Erscheinungsdatum: 04. Oktober 2012; Preis: Taschenbuch 8,99 €/eBook 8,99 €.

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