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Um einen unerbittlich tobenden Bürgerkrieg zu beenden, wird James Bond in einen afrikanischen Kleinstaat geschickt – und gerät mitten in einen blutigen Kampf um Macht und Bodenschätze…

Zanzarim, Afrika: Seit langem tobt am Delta des Zanza River ein brutaler Bürgerkrieg um wertvolle Ölreserven. Der in der Flussregion beheimatete Volksstamm beansprucht die Bodenschätze für sich und hat sich mit der Proklamation der „Demokratischen Republik von Dahum“ vom Staat Zanzarim abgespalten – was die Regierung natürlich nicht so einfach hinnehmen will und die Rebellen unnachgiebig bekämpft. Dabei können sie nicht zuletzt auf die Unterstützung Großbritanniens zählen, das als ehemalige Kolonialmacht die Regierung von Zanzarim mit Waffenlieferungen unterstützt – schließlich haben die Briten selbst ein gesteigertes Interesse an den dortigen Ölvorkommen.

James Bond auf Undercover-Einsatz im afrikanischen Bürgerkrieg

Da die Rebellen aber trotz dieser Allianz nicht kleinzukriegen sind, schickt der britische Geheimdienst seinen besten Mann in das Krisengebiet: James Bond, Doppel-0-Agent mit der Lizenz zum Töten. Er soll sich als Auslandskorrespondent einer französischen Nachrichtenagentur in das von den Rebellen besetzte Gebiet einschleusen und deren Führer Solomon Adeka ausfindig machen – und dem Bürgerkrieg endlich ein Ende bereiten. Doch Bonds Mission klingt auf dem Papier einfacher, als sie tatsächlich ist, denn niemand weiß, wo sich Adeka überhaupt aufhält…

Offizieller James-Bond-Roman von William Boyd

Obwohl Bond-Schöpfer Ian Fleming seit fast 50 Jahren tot ist, erscheinen auch weiterhin in regelmäßigen Abständen neue Romane um den vielleicht berühmtesten Geheimagenten der Literatur- und Filmgeschichte. 2011 erst reihte sich Bestsellerautor Jeffery Deaver mit seinem offiziellen Bond-Roman „Carte Blanche“ in diese Reihe ein und mit William Boyd versucht sich nun ein weiterer prominenter Autor im Auftrag von Ian Fleming Publications an einem neuen Abenteuer für den Mann „im Geheimdienst ihrer Majestät“. Boyd hält sich in „Solo“ dabei weitestgehend an die Bond-Biografie von Ian Fleming und präsentiert einen 45-jährigen Agenten, der im Jahr 1969 auf Auslandsmission geht.

Reizvolles Setting mit viel Konfliktpotenzial

Das Setting ist mit dem fiktiven afrikanischen Staat gut gewählt und wird durch den zeitlosen Konflikt um Bodenschätze zu einem interessanten Schauplatz und reizvollen Brennpunkt, der sich in den Grundzügen nicht groß von heutigen Kriegsschauplätzen auf dem Schwarzen Kontinent unterscheidet. Die lokale Regierung und einheimische Rebellen liefern sich einen unerbittlichen Bürgerkrieg, der seit Monaten viele Opfer kostet und die ohnehin schon durch Armut und Hunger arg gebeutelte Bevölkerung zusätzlich belastet. Da die Briten selbst an den Ölreserven des Staates interessiert sind, greifen sie ihm mit Waffenlieferungen unter die Arme – und wundern sich inzwischen, warum trotz ihrer Unterstützung immer noch keine Ruhe eingekehrt ist und die Rebellen immer noch Widerstand leisten können. Als Schlüsselfigur wird der General und Rebellenführer Solomon Adeka betrachtet, der mit seiner taktischen Erfahrung und ungemeinen Popularität der Hauptgrund für die Stärke der Widerständler zu sein scheint – und von Bond auf seiner Undercover-Mission unschädlich gemacht werden soll.

Über weite Strecken langweilige Story

Klingt spannend und nach Stoff für ein packendes Bond-Abenteuer mit knackiger Action, raffinierten Wendungen und einer starken Hauptfigur? Ist es aber leider nicht. William Boyds Roman braucht gefühlte Ewigkeiten, um in die Gänge zu kommen und ist in den ersten zwei Dritteln nicht viel mehr als einfach nur langweilig. Stundenlang plätschert die Geschichte vor sich hin, ohne das überhaupt eine richtige Geschichte erkennbar ist: Bond kämpft sich durch den afrikanischen Untergrund, liefert sich hin und wieder ein spannungsarmes Scharmützel mit zwielichtigen Söldnern und springt in regelmäßigen Abständen mit einer der klassischen Bond-Schönheiten in die Kiste, die alle nur auf den gutaussehenden und charmanten Agenten gewartet zu haben scheinen – mehr Story ist nicht.

Farblose Hauptfigur und fehlende Bond-Atmosphäre

Blöderweise ist aber auch Bond selbst langweilig und farblos wie in kaum einem anderen Bond-Roman. Nicht nur seine Anziehungskraft auf die weiblichen Nebencharaktere bleibt ein Rätsel, auch seine Agentenfähigkeiten werden kaum dem Ruf von 007 gerecht – oder würde Flemings Bond seine Tarnung vergeigen, weil er sich am Flughafen einen Leihwagen auf den eigenen Namen (!) gemietet hat? Boyd verleiht seinem Protagonisten kaum emotionale Tiefe und langweilt stattdessen mit immer wiederkehrenden kulinarischen Präferenzen des Agenten. Hätte ich nicht die von Dietmar Wunder (deutsche Synchronstimme von Bond-Darsteller Daniel Craig) gelesene Hörbuchversion von „Solo“ gehört, wäre bei mir über weite Strecken nicht mal im Ansatz ein gewisses Bond-Feeling aufgekommen.

Erst im Schlussdrittel spannend

Gerade als ich die Hoffnung auf Besserung bei diesem Roman schon fast aufgegeben hatte, legte „Solo“ dann aber doch noch eine unerwartete und überraschend deutliche Steigerung hin. Dabei wird ersichtlich, dass die ersten zwei Drittel des Buches im Prinzip nicht viel mehr als ein überlanger Prolog für die eigentliche Geschichte waren, bei der auch der Titel des Buches dann endlich einen Sinn ergibt. In der Schlussphase kann William Boyd dann doch noch mit der ein oder anderen gelungen Wendung aufwarten und sorgt so zumindest für einen versöhnlichen Abschluss des Romans – wenngleich das Ende fast schon ein weiteres Bond-Abenteuer aus der Feder des Autors androht. Vielleicht sollte Boyd aber zuvor einmal bei Jeffery Deaver anklopfen und sich von ihm in Sachen Bond-Atmosphäre, Story und Spannung ein wenig Nachhilfeunterricht geben lassen – denn wie man den Bond-Franchise gekonnt fortführt, hat dieser mit „Carte Blanche“ zuletzt eindrucksvoll vorgemacht.

Fazit:
Mäßiges Bond-Abenteuer mit zwar interessantem Setting, aber über weite Strecken gähnend langweiliger Story und einer blassen Hauptfigur (5/10).

Hörbuchcover
Autor: William Boyd; Sprecher: Dietmar Wunder; Originaltitel: Solo; Spieldauer: 09 Std. 06 Minuten (ungekürzt); Anbieter: HörbucHHamburg HHV GmbH; Veröffentlicht: 01. Oktober 2013; Preis: 19,50 € (9,99 € im Flexi-Abo).

Link zum Hörbuch


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