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Nachdem ein berüchtigter Kölner Lokalpolitiker ermordet aufgefunden wird, muss ein pensionierter Kommissar aushelfen, um den rätselhaften Fall zu lösen…

Als die beiden Erzrivalen Alemannia Aachen und der 1. FC Köln im neuen Aachener Tivoli-Stadion aufeinandertreffen, ist das halbe Rheinland wie elektrisiert. Bei all der Aufregung um das große Fußballspiel bekommt niemand mit, wie mitten im Trubel die Leiche eines Mannes unweit des Stadions abgelegt wird. Erst am Morgen danach spricht sich die Nachricht in der Stadt herum und als die Gerüchte die Runde machen, es könnte sich bei dem Toten um den vermissten Kölner Lokalpolitiker Wolfgang Kardinal handeln, stürzen sich die Medien umgehend auf den Fall.

Der Mord an einem berüchtigten Kölner Lokalpolitiker spaltet die Gemüter

Unterdessen wird der pensionierte Kriminalkommissar Rudolf-Günther Böhnke von einem besorgten alten Mann aufgesucht, der ein seltsames Anliegen hat: Walter Lipperich bittet den Ex-Polizisten, seinen verschwundenen Sohn zu suchen, weil er befürchtet, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassene Mann könnte mit dem Leichenfund am Aachener Tivoli in Verbindung stehen und möglicherweise sogar eigenhändig den Tod Kardinals herbeigeführt haben, um sich für einen bereits Jahre zurückliegenden Vorfall zu rächen. Doch der beunruhigte Vater ist nicht der einzige, der im Fall des ermordeten Politikers Böhnkes Mithilfe einfordert…

Der vierte Fall für den pensionierten Kommissar Böhnke

Um es gleich vorweg zu sagen: Hätte es Kurt Lehmkuhls „Kardinalspoker“ nicht zufällig im Rahmen der Kindle-Gratistage als kostenlosen Download gegeben, wäre ich wohl gar nicht erst auf den rheinischen Lokalkrimi aufmerksam geworden. Der Klappentext hat mich dann auch nicht sonderlich angesprochen und so ist das eBook dann erst einmal für eine Weile auf meinem digitalen SUB gelandet, bis ich mich im Verlauf meines Urlaubs mal daran gemacht habe, die ganzen Gratis-Bücher abzuarbeiten. Was ich auch nicht wusste und was anhand von Buchcover und Inhaltsbeschreibung auch nicht sonderlich ersichtlich ist: „Kardinalspoker“ ist bereits der vierte Fall für den pensionierten Kommissar Böhnke – was sich im Verlauf des Buches auch deutlich bemerkbar macht, denn es tauchen mehrfach offensichtlich aus den Vorgängern bekannte Nebencharaktere auf, deren Mitwirken Neueinsteigern etwas rätselhaft erscheinen könnte.

Eine Hauptfigur, die eigentlich keine Hauptfigur ist

Warum es aber gerade dieser Rudolf-Günther Böhnke zur Hauptfigur einer Krimireihe geschafft hat, ist mir allerdings auch nach der Lektüre noch schleierhaft. Ich weiß nicht, ob Böhnke bereits im ersten Roman der Serie den Polizeidienst schon hinter sich hatte, doch ein Kommissar im Ruhestand als Protagonist einer Krimiserie erschien mir direkt von Beginn an etwas befremdlich, zumal Böhnke auch nicht gerade als motivierter Ermittler auftritt, der nach der aktiven Karriere immer noch nicht die Finger von der Polizeiarbeit lassen kann. Stattdessen hat er sich in die rheinische Provinz zurückgezogen, wo er mit seiner Lebensgefährten ein beschauliches (= langweiliges) Leben führt. Dort wird er dann unverhofft von dem Vater eines Ex-Sträflings aufgesucht, der ihn bittet, herauszufinden, ob sein Sohn in den Mord an besagtem Kölner Lokalpolitiker verwickelt ist. Wer sich jetzt schon darüber wundert, warum der Alte ausgerechnet einen Polizisten im Ruhestand damit beauftragt, für den kommt es noch etwas absurder: Der Vater ist auf Böhnke zugekommen, weil dieser bereits vor Jahren an der Verhaftung seines Sohnes beteiligt war (!), sich aber damals eher für eine Anklage wegen Totschlags anstatt wegen Mordes ausgesprochen hat – nun ja.

Der mürrische und auf mich wenig sympathisch wirkende Böhnke hat aber nicht sonderlich Lust auf die Ermittlungen und wird erst aktiv, als auch noch der Kölner Bürgermeister aus ähnlich absurden Gründen mit einem ähnlich absurden Anliegen auf ihn zukommt und um seine Mithilfe bittet. Der ermordete Wolfgang Kardinal hat nämlich schon zu Lebzeiten stark polarisiert und nun befürchtet die halbe Kölner Lokalpolitik, dass während der Mordermittlung der Polizei brisante Dokumente über die Mitglieder des Stadtrats ans Tageslicht kommen könnten, die Kardinal während seiner politischen Karriere als Faustpfand angesammelt hatte. Die Art und Weise, wie Kurt Lehmkuhl seinen Protagonisten fast schon in die Geschichte hineinprügelt, wirkte auf mich doch irgendwie sehr gekünstelt. Überhaupt spielt Böhnke im Verlauf der Story eine sehr merkwürdige Rolle und machte auf mich eher den Anschein einer Marionette, die von allen möglichen Nebenfiguren in die gewünschte Richtung gesteuert wird. Im Prinzip hätte man ihn auch komplett weglassen können und die Story wäre vermutlich nicht viel anders ausgegangen – eigentlich ein vernichtendes Urteil über die Hauptfigur eines Romans.

Klischeebehaftet und nur mäßig spannend

Die Geschichte selbst ist unterhaltsam, ohne aber allzu sehr an der Spannungsschraube zu drehen. Insgesamt bietet Lehmkuhl hier solide Krimikost, ohne seine Leser jedoch vor allzu große Herausforderungen zu stellen. Leider greift der Autor gerade in den politischen Passagen auf so manche Klischees zurück, wodurch der Roman manchmal mehr wie eine Satire statt wie ein ernstzunehmender Kriminalroman wirkt – da dies vermutlich aber nicht so beabsichtigt war, fällt es manchmal schwer, dem Buch die nötige Ernsthaftigkeit abzunehmen. Somit ist „Kardinalspoker“ nicht viel mehr als ein passabler Kriminalroman mit rheinischem Lokalkolorit, den man aber guten Gewissens im Ladenregal stehen lassen kann.

Fazit:
Unspektakulärer Rheinland-Krimi mit durchschnittlicher Story und einem Ermittler, der sich nur mäßig als Protagonist einer Buchreihe eignet (5/10).

BuchcoverAutor: Kurt Lehmkuhl; Umfang: 272 Seiten; Verlag: Gmeiner; Erscheinungsdatum: Februar 2012; Preis: Taschenbuch 9,90 €/eBook 8,99 €.

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