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Einige Jahre nach einem verheerenden Krieg zwischen Zombies und der Menschheit sammelt ein Autor Augenzeugenberichte, um die Geschehnisse der globalen Katastrophe aufzuarbeiten.

In einer nicht allzu fernen Zukunft hat sich die Weltpopulation dramatisch verringert. Ursache dafür ist ein jahrelanger Krieg, der als der Erste Z-Weltkrieg in die Geschichtsbücher einging. Seinen Namen erhielt dieser Krieg durch den schier übermächtigen Gegner, mit dem sich die Weltbevölkerung plötzlich konfrontiert sah: Zombies. Wie eine Epidemie verbreitete sich das Zombie-Virus mit rasender Geschwindigkeit über den gesamten Erdball und sorgte für die Auslöschung ganzer Nationen und die Eliminierung nahezu der gesamten Menschheit. Mehrere Milliarden fielen der Zerstörungswut der Untoten-Armeen zum Opfer, bis die Menschheit die Situation doch noch einigermaßen unter Kontrolle bekommen konnte.

Eine Aufarbeitung des Ersten Zombie-Weltkrieges

Jahre nach dem Ende des Z-Weltkrieges wurde der Autor Max Brooks im Auftrag einer Kommission der Vereinten Nationen mit der Aufarbeitung der Katastrophe beauftragt und führte zu diesem Zweck eine Vielzahl von Interviews mit Überlebenden und Augenzeugen. Er bereiste für seine Recherchen zahlreiche Länder, um die tragischen Ereignisse chronologisch und historisch korrekt zu rekonstruieren und untersuchte zum einen die Ursache für den Ausbruch der Zombie-Seuche, aber auch die Art und Weise wie die Menschen in den verschiedenen Regionen der Erde mit der Plage umgegangen sind. Herausgekommen ist dabei eine umfassende und vielschichtige Betrachtung der vielleicht schlimmsten Katastrophe der Menschheitsgeschichte.

Achtung: Keine Komödie, kein Roman zum Film!

Vor der Lektüre von „World War Z: Operation Zombie“ gilt es erst einmal, den etwas irreführenden Informationen über das Buch entgegenzuwirken und somit vor falschen Erwartungen an das Werk von Max Brooks zu bewahren. So deutet der ursprüngliche und sehr unpassende Titel des Buches, „Wer länger lebt, ist später tot – Operation Zombie“, darauf hin, dass man es hier möglicherweise mit einer amüsanten und schwarzhumorigen Komödie über Zombies zu tun bekommt. Das ist eindeutig nicht der Fall. Der anlässlich des Filmstarts von Brad Pitts Hollywood-Blockbuster „World War Z“ modifizierte und aktuelle Titel der Lektüre suggeriert aber ebenfalls eine nicht angemessene Erwartungshaltung an das Buch. So ist „Operation Zombie“ nicht wirklich als Buch zum Film zu bezeichnen, vielmehr liefert Max Brooks‘ Werk nur die lose Vorlage für die Verfilmung.

Eine Interview-Sammlung mit Überlebenden des Zombie-Krieges

„Operation Zombie“ bietet nämlich keine zusammenhängende Geschichte, sondern ist „nur“ eine Interview-Sammlung mit Beteiligten des Zombie-Weltkrieges. Es gibt keine Hauptfiguren, mit denen man sich identifizieren oder mitfiebern könnte und die wie Brad Pitt im Film gegen den Ausbruch der Katastrophe ankämpfen, denn das Schlimmste haben die im Buch erwähnten Personen bereits überstanden. Der Krieg ist seit rund einem Jahrzehnt vorbei und so liest sich Max Brooks‘ Chronik eher wie ein Sachbuch. Wer nun aber trockene Vorträge erwartet, liegt ein weiteres Mal daneben, denn die einzelnen Beiträge sind nicht nur sehr unterhaltsam, sondern durch die grundverschiedenen Redner auch noch sehr abwechslungsreich.

Eine Reise über den gesamten Globus und durch alle Gesellschaftsschichten

Alles nimmt dabei seinen Anfang in China, wo der Ausbruch der Zombie-Plage vermutet wird. Brooks befragt dort einen Landarzt, der den vermeintlichen „Patient Null“, den ersten Träger des Virus, untersucht hat. Über weitere Augenzeugenberichte erfährt man dann, wie sich die Zombies auf die umliegenden Länder ausgebreitet haben und wie die ersten Reaktionen der Regierungen auf die sich anbahnende Katastrophe waren. Je mehr Personen der Autor interviewt, desto globaler wird seine Rekonstruktion des Krieges, sodass sich nach und nach ein sehr detailliertes Gesamtbild der Situation ergibt. Gelungen ist auch, dass Brooks nicht nur Regierungsmitarbeiter, Ärzte oder Angehörige des Militärs befragt, sondern auch ganz „normale“ Menschen, die sich plötzlich mit der Zombie-Epidemie konfrontiert sahen. So kommt der frühere Stabschef des ehemaligen US-Präsidenten genauso zu Wort wie eine geistige behinderte junge Frau oder ein von der Hiroshima-Bombe geblendeter und fortan geächteter Japaner. Das sorgt nicht nur für viel Abwechslung, sondern auch für einen sehr realistischen Gesamteindruck des Buches.

Aufgrund der realistischen Aufmachung auch für Zombie-Skeptiker geeignet

Das Schöne an „Operation Zombie“ ist nämlich unter anderem, dass man wahrlich kein Zombie-Fan sein muss, um an der Lektüre seine Freude zu haben. Bei einem Großteil der Interviews könnte man die Zombie-Plage ohne Probleme durch eine tödliche Krankheit ersetzen – die Reaktionen der Menschen und Regierungen wären vermutlich nicht viel anders ausgefallen. Natürlich kommen auch die Zombie-Anhänger auf ihre Kosten und es gibt Berichte über die zahlreichen Schlachten und Anleitungen, wie den Untoten am besten beizukommen ist – blutige Splattereinlagen wie aus billigen Horrorfilmen sucht man aber in der Regel vergebens. Stattdessen spielt z.B. Politik eine wichtige Rolle, denn Brooks richtet seinen Blick auch auf Krisengebiete wie den Nahostkonflikt oder das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea und darauf, welche Auswirkungen der Z-Weltkrieg auf die ohnehin schon angespannte Situation der Staaten hatte – oftmals mit überraschendem Ausgang. Allerdings musste ich zum Ende des Buches leider feststellen, dass „Operation Zombie“ leider ein wenig die Puste ausgegangen ist. Gerade in den letzten Berichten nutzt sich das Konzept doch ein wenig ab, da sich die Erzählungen immer mehr ähneln und sich die Wiederholungen häufen. Außerdem bietet das Buch in meinen Augen keinen wirklich zufriedenstellenden Abschluss, sodass immer noch einige Fragen zum „World War Z“ offenbleiben.

David Nathan in Höchstform

Wer sich für das Buch interessiert, dem kann ich abschließend nur dazu raten, sich „Operation Zombie“ in der Hörbuchversion zu Gemüte zu führen. Diese wird gesprochen von Michael Pan und David Nathan – einer interessanten Kombination, denn Michael Pan heißt mit Geburtsnamen Michael Nathan und ist niemand geringerer als der Vater von David Nathan. Allerdings klingt Pan nicht einmal ansatzweise wie sein Sohn, sondern eher ein wenig nasal und quengelig, was aber nicht abwertend klingen soll. Wer Pans Stimme als „Data“ aus den alten Star Trek-Filmen, als Asterix aus den Realverfilmungen und als Erzähler der Cartoon-Serie „Spongebob Schwammkopf“ kennt, wird aber vielleicht verstehen was ich damit meine. Zudem spricht er auch lediglich die kurzen Einleitungssätze zu den einzelnen Augenzeugenberichten, während David Nathan sozusagen die Hauptarbeit leistet – dies aber wieder einmal auf sehr beeindruckende Weise. Durch die vielen verschiedenen Interviewpartner bekommt Nathan Gelegenheit, nahezu sein gesamtes Repertoire abzurufen und überzeugt u.a. mit russischem, französischen oder Hamburger Akzent sowie wie oben erwähnt auch als geistig zurückgebliebenes Mädchen, sodass das Hörbuch fast schon Hörspielcharakter hat.

Fazit:
Originelle und hochinteressante Interpretation des altbekannten Zombie-Themas, das durch eine differenzierte Betrachtung und hohen Realismus überzeugt. Das etwas schwächelnde Schlussviertel wird durch die grandiose Sprecherleistung von David Nathan mehr als kompensiert (8/10).

Hörbuchcover
Autor: Max Brooks; Originaltitel: World War Z: An Oral History of the Zombie War; Sprecher: David Nathan, Michael Pan; Spieldauer: 14 Std. 03 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Random House Audio, Deutschland; Veröffentlicht: 2011; Preis: 8,95 €.

Link zum Hörbuch


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