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Als Teenagerin wurde Sarah Farber entführt und jahrelang in einem Kellerverlies gefangengehalten. Jahre später wird sie erneut mit ihrer traumatischen Vergangenheit konfrontiert, als ihr Peiniger auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden soll…

In ihrer Jugend verbringt Sarah fast jede freie Minute mit ihrer Freundin Jennifer. Nachdem deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, erstellen die beiden Mädchen die „Niemals-Liste“, auf denen sie alle scheinbar beiläufigen Alltagshandlungen notieren, die sie möglicherweise in Gefahr bringen könnten und daher unter allen Umständen vermieden werden müssen. Einer von vielen Punkten auf der Liste: Niemals zu Fremden ins Auto steigen. Als Sarah und Jennifer eines Tages nach einer Party nach Hause wollen, vernachlässigen sie ihre Regeln jedoch ein einziges Mal und rufen sich ein Taxi – mit fatalen Folgen. Als die Mädchen das nächste Mal die Augen öffnen, befinden sie sich gefesselt und halbnackt in einem dunklen Kellerverlies – und mit ihnen noch zwei weitere junge Frauen…

Eine junge Frau muss sich mit den Schrecken ihrer Vergangenheit auseinandersetzen

Zehn Jahre später ist Sarah eine erwachsene Frau und hat seit ihrer Befreiung mit den Folgen ihres Martyriums zu kämpfen. Sie traut sich immer noch nicht aus dem Schutz ihrer Wohnung heraus, hat so gut wie keine sozialen Kontakte und wird regelmäßig von Panikattacken heimgesucht. Ihre Freundin Jennifer hatte noch weniger Glück: Sie hat die Gefangenschaft nicht überlebt und wurde von dem sadistischen Peiniger zu Tode gequält – allerdings konnte ihre Leiche von den Ermittlern nie gefunden werden. Als Sarah dann aber erfährt, dass ihr Entführer nun aus dem Gefängnis entlassen und wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden soll, ist sie gezwungen ihre selbst auferlegte Isolation aufzugeben und sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Um die Umwandlung der Strafe in eine Bewährungsstrafe zu stoppen, bleibt ihr nur eine Möglichkeit: Sie muss alles daran setzen, Jennifers Leiche zu finden, denn nur so kann der Täter auch wegen Mordes belangt und seine Entlassung verhindert werden.

Schwierige Thematik, sensible Herangehensweise

Es ist gewiss kein leichter Stoff, den sich die Amerikanerin Koethi Zan als Aufhänger für ihren ersten Roman herausgesucht hat: Junge Frauen werden entführt, jahrelang gefangengehalten und missbraucht – und all das in der Regel ohne Aussicht auf Rettung, denn das Martyrium der Opfer bleibt meist im Verborgenen. Dass es sich bei diesem Szenario keinesfalls um reine Fiktion handelt, zeigen nicht zuletzt das Schicksal von Natascha Kampusch und die aktuellen Ereignisse in den USA. Koethi Zan hat aus dieser Situation aber keinen voyeuristischen Folter-Porno gemacht, sondern nähert sich dem Thema mehr auf der psychologischen Ebene und widmet sich verstärkt der Verarbeitung und dem Umgang mit solchen traumatischen Erlebnissen. Hierbei fällt auf, dass jede der drei überlebenden Frauen auf ihre eigene Weise mit ihrer Vergangenheit umgeht. Sarah konnte mit den damaligen Ereignissen immer noch nicht abschließen und verkriecht sich in ihrem Appartment, ihre Mitgefangene Christine lebt weiter, als wäre nichts gewesen und die emotionale Tracy hat sich äußerlich und innerlich radikal geändert und reagiert sehr aggressiv auf ihre Mitmenschen.

Vielschichtige Charakterzeichnung mit kleineren Unstimmigkeiten

Allerdings gibt es bei der ansonsten sehr realitätsnahen und gelungenen Charakterdarstellung der Opfer einen kleinen Schönheitsfehler, denn dafür dass Sarah fast sieben Jahre nicht ihr Haus verlassen konnte, kann sie sich doch überraschend schnell wieder an den Umgang mit dem Rest der Welt gewöhnen und geht relativ selbstbewusst den Weg zurück zu den schrecklichen Ort ihrer Vergangenheit – diese rasche Wandlung wirkte auf mich etwas unglaubwürdig, auch wenn die drohende Freilassung des Peinigers ein durchaus verständliches Motiv dafür sein mag. Davon einmal abgesehen wissen die Figuren in ihrer psychischen Komplexität aber zu überzeugen und ermöglichen es dem Leser, sich gut in die verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen.

Eindringlich, aber nicht voyeuristisch

Positiv ist auch die Erarbeitung der Story, denn Koethi Zan zieht die Geschichte ihres Romans auf zwei verschiedenen Zeitebenen auf. Der überwiegende Teil der Handlung spielt in der Gegenwart und beschäftigt sich mit Sarahs Nachforschungen rund um den persönlichen Hintergrund ihres sadistischen Entführers, es gibt aber auch in regelmäßigen Abständen kleine Rückblenden, welche die Zeit der Entführung umfassen. Diese Passagen zeigen sehr eindringlich, welche Schrecken und Grausamkeiten den Mädchen in der Gefangenschaft widerfahren sind, ohne dabei allerdings effektheischend auf explizite Gewalt- und Missbrauchszenen zu setzen. Trotz der verschwiegenen Details sind die Schilderungen aber dennoch sehr bedrückend und oft nur schwer erträglich.

Viel Drama, wenig Thrill

Allerdings fehlt es der Geschichte in meinen Augen etwas an emotionalen Höhen und Tiefen, denn bis auf oben genannte Ausnahmen ist der Roman doch sehr sachlich und nüchtern und lässt es auch inhaltlich ein wenig an Überraschungen mangeln. Stilistisch ist das Buch zwar gefällig geschrieben und auch durchaus kurzweilig, allerdings fehlt es der Story eindeutig an Thrill. Es gibt kaum Momente, die dem Leser das Herz mal etwas höher schlagen lassen, sei es durch ein wenig Action oder eine unvorhergesehene Wendung. Für ein Buch, dass als „Thriller“ vermarktet wird, war mir da doch insgesamt einfach zu wenig Aufregung enthalten. Man sollte also besser nicht mit den falschen Erwartungen herangehen, für mich handelt es sich bei „Danach“ eher um ein vielschichtiges Psycho-Drama als um einen handfesten Thriller.

Maria Koschny als einfühlsame Sprecherin

Zum Schluss gibt es aber noch ein Lob für die Sprecherin der Hörbuchversion, gelesen wird die Geschichte nämlich von Maria Koschny. Deren Stimme kennen viele vermutlich aus der ersten Verfilmung der „Hunger Games“-Trilogie, denn Koschny ist die deutsche Synchronstimme von Hollywoodstar und Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence. Die Sprecherin liefert in „Danach“ eine sehr überzeugende Vorstellung ab und bringt die vielschichtigen Charaktere mit ihrer differenzierten Lesung gut rüber, klang mir aber an manchen wenigen Stellen etwas zu selbstbewusst für eine vermeintlich gebrochene Persönlichkeit wie Sarah Farber.

Fazit:
Vielschichtiges und eindringliches Thriller-Drama, das zwar eher wenig Nervenkitzel, dafür aber eine intensive psychologische Auseinandersetzung mit dem Thema „Traumabewältigung“ bietet. Wer es gerne etwas ruhiger mag und auf handfeste Action verzichten kann, macht mit Koethi Zans Romandebüt nicht viel falsch (7/10).

Hörbuchcover
Autor: Koethi Zan; Originaltitel: The Never List; Sprecherin: Maria Koschny; Spieldauer: 9 Std. 18 Minuten (ungekürzt); Anbieter: Argon Verlag; Veröffentlicht: 2013; Preis: 24,95 €.

Link zum Hörbuch


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