Buchcover
Autor: Joseph Finder
Umfang: 480 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsdatum: 6. August 2007
Originaltitel: Killer Instinct
Preis: 12,00 € (Taschenbuch, leider nicht mehr lieferbar)

Klappentext:
Jason Steadman ist der Inbegriff des lieben Kollegen. Alle mögen den intelligenten, gut aussehenden Mitarbeiter, der beste Voraussetzungen hat, Karriere in der Firma zu machen. Doch etwas fehlt ihm zum großen Sprung nach oben: der Killerinstinkt. Da kommt der im Irakkrieg erprobte Ex-Marine Kurt Semko gerade richtig. Er bietet ihm einen Job im Sicherheitsdienst an. Plötzlich sind alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, und alle Rivalen bleiben auf der Strecke.

Meine Buchbesprechung:
Jason Steadman hat eigentlich ein angenehmes Leben: Er hat einen guten Job bei der amerikanischen Niederlassung eines japanischen Elektronikkonzerns, ist bei seinen Kollegen beliebt und zuhause wartet eine attraktive und intelligente Frau auf ihn. Wenn es nach Jason gehen würde, könnte es auch durchaus so weitergehen, denn er ist mit seiner jetzigen Position und dem damit verbundenen Gehalt mehr als zufrieden und schätzt seinen geregelten Tagesablauf. Als er seiner Frau dann aber beiläufig erzählt, dass in seiner Firma einer der Gebietsleiter zur Konkurrenz gewechselt ist und sechs weitere Top-Leute mitgenommen hat, sieht Kate die große Möglichkeit zum sozialen Aufstieg gekommen. Schließlich könnte ihr Mann doch den freigewordenen Posten einnehmen und in ein paar Jahre ein Vermögen verdienen. Allerdings ist Jason aber natürlich nicht der einzige Bewerber auf die Stelle und hat auch nur Außenseiterchancen, da ihm einfach der gewisse Killerinstinkt fehlt.

Der rapide Aufstieg eines Plasmabildschirm-Verkäufers

Dann nimmt Jasons Leben jedoch eine unverhoffte Wendung – und das ausgerechnet aufgrund eines Verkehrsunfalls, nachdem er bei der Fahrt mit seiner Frau telefoniert hat und von der Strecke abgekommen ist. Als nämlich wenig später der Abschleppwagen eintrifft, kommt er mit dem Fahrer Kurt Semko ins Gespräch und die beiden entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft für Baseball. Da Jasons schwächelndes Firmenteam einen neuen Pitcher gut gebrauchen könnte, lädt er Kurt ein, die Mannschaft beim nächsten Spiel zu verstärken – und hat keine Ahnung, welche Konsequenzen er mit dieser harmlosen Einladung auslöst…

Ein sympathischer Durchschnittsbürger wird zur großen Karriere „gedrängt“

„Masterplan“ von Joseph Finder ist wieder eines dieser Bücher, von dem ich wohl nie etwas mitbekommen hätte, wenn es mich bei den „weißen Buchwochen“ der Mayerschen nicht so vom Mängelexemplar-Wühltisch angelächelt hätte. Der Klappentext klang nach einem Wirtschaftsthriller im Stil von John Grishams „Die Firma“ und für den günstigen Preis musste ich da einfach zuschlagen. Über die übliche Wartezeit in dem „Kann ich irgendwann mal lesen“-Bereich meines SUBs landete der Titel dann endlich auch auf meinem Lesetisch – und ist kurz danach auch wieder verschwunden, denn „Masterplan“ war derart kurzweilig und spannend, dass ich die knapp 500 Seiten in gut drei Tagen verschlungen habe.

Das liegt zum einen an der sympathischen Hauptfigur, in die man sich so wunderbar einfach hineinversetzen kann, da Jason Steadman den Stereotyp des Durschnittsbürgers nahezu perfekt verkörpert, nun ja, sagen wir besser: des gehobenen Durchschnittsbürgers, denn viele würden Jason wohl um sein angenehmes Leben beneiden. Einen guten Job, eine schöne Frau, ein nettes kleines Häuschen – Jason Steadman hat allen Grund zur Zufriedenheit und würde ohne seine Frau Kate wohl auch in zwanzig Jahren noch auf dem gleichen Level stehen. Kate stammt jedoch aus einer ehemals wohlhabenden Familie und ist aus ihrer Jugend einen höheren Lebensstandard gewöhnt, wozu sie selbst aber mit ihrer nahezu ehrenamtlichen Arbeit für eine Wohltätigkeitsstiftung so gut wie nichts beiträgt. Insgeheim hofft sie aber immer noch auf eine Rückkehr zu ihrem gewohnten Standard, weshalb sie Jason immer wieder antreibt, doch etwas mehr beruflichen Ehrgeiz an den Tag zu legen – erst recht, wo doch jetzt ein lukrativer Posten in der Firma frei geworden ist. Und weil Jason ein folgsamer Ehemann und generell eher der Typ „Ja-Sager“ ist und auch möglichen Streitigkeiten lieber aus den Weg geht, reißt er sich zusammen und spricht mutig bei seinen Vorgesetzten vor.

Eine schicksalhafte Begegnung und eine wundersame Glückssträhne

Natürlich wissen aber auch die, dass Jason nicht unbedingt der Typ für knallharte Verhandlungen und einen rücksichtlosen Führungsstil ist, und so darf sich Steadman eigentlich kaum ernsthafte Hoffnungen auf die Beförderung machen – wenn nicht der folgenreiche Autounfall und die Begegnung mit Kurt Semko wäre. Kurt war mal bei den Marines und wurde dann unehrenhaft aus dem Dienst entlassen, nachdem er einen Vorgesetzten aufgrund einer folgenschweren Fehlentscheidung attackiert und die Nase gebrochen hat. Mit diesem Makel im Lebenslauf findet er keine Arbeit und schlägt sich daher als Aushilfe im Abschleppdienst eines Freundes durch. Wie das dann nun mal so läuft: Die beiden Männer verstehen sich sofort, Jason schleust Kurt als externe Verstärkung ins Firmenbaseballteam ein und vermittelt ihm einen Job beim Sicherheitsdienst von Entronics. Ab diesem Zeitpunkt läuft für Jason praktisch alles wie von selbst: Seine Rivalen um die Beförderung werden plötzlich von einer seltsamen Pechsträhne heimgesucht und es gehen bei Präsentationen Vorführgeräte kaputt oder Autopannen lassen wichtige Kundentermine platzen. Außerdem verschafft ihm Kurt hin- und wieder nützliche Informationen, die Jason helfen, den ein oder anderen Kunden von einem Zuschlag für Entronics zu überzeugen.

Unterhaltsame Businessgeschichte wird zum spannenden Thriller

Als Leser fiebert man dabei die ganze Zeit mit dem Protagonisten mit und entwickelt wie er eine gewisse Freude an den zunehmenden Annehmlichkeiten des Lebens. Man freut sich über eingeholte Großaufträge und insgeheim auch über das Pech der Konkurrenten und wird wie Jason fast schon ein wenig süchtig nach dem immer steileren Aufstieg, vor allem weil alles so einfach scheint und man sich von einem regelrechten Rausch mitreißen lässt. Natürlich ahnt man wie Jason, dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann, aber wenn dann wieder ein Lob vom Chef rausspringt sind alle Bedenken plötzlich wie weggewischt. Steadman verhält sich zwar unglaublich naiv, das ist aber nur zu gut nachvollziehbar. Erst als die mysteriösen Zwischenfälle über das Maß harmloser Streiche hinausgehen, merkt Jason schließlich, in welchem Dilemma ersteckt – was für den Leser natürlich schon abzusehen war, zumal der kurze Prolog bereits eine kleine Vorschau auf die sich anbahnende Katastrophe liefert. Ab diesem Wendepunkt wird aus der lockerleichten Businessgeschichte ein handfester Thriller, und Joseph Finder macht es dem Leser verdammt schwer, das Buch vor der Auflösung wieder aus der Hand zu legen.

Sind wir mal ehrlich: „Masterplan“ ist bei weitem nicht so raffiniert wie die guten Werke von John Grisham und das Konzept hat man als Leser recht schnell durchschaut. Trotzdem schafft es Finder, dass man sich nur schlecht wieder von dem Buch lösen kann, sobald man einmal damit angefangen hat. In der ersten Hälfte ist das zu großen Teilen auf die Hauptfigur zurückzuführen, die man einfach gerne bei ihrem Aufstieg begleitet. Hierbei hilft auch, dass der Autor seinen Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen lässt, was zuweilen ganz schön selbstironisch ist und dadurch richtig Spaß macht. Die Faszination des zweiten Teils besteht darin, dass man unbedingt wissen will, wie Jason aus der scheinbar ausweglosen Situation wieder herauskommt. Egal was er versucht, immer ist ihm sein Gegner einen Schritt voraus und scheint fast in Jasons Kopf schauen zu können. Ob Finder dabei nicht an der ein oder anderen Stelle übertreibt und das perfide Spiel vielleicht etwas zu teuflisch wird, ist eigentlich egal, denn man bekommt eh nicht groß Zeit, um über solche Dinge nachdenken zu können. Eigentlich gibt es nur einen richtig großen Schwachpunkt an der Geschichte, der aber leider verhältnismäßig schwer wiegt. Die Figur, auf der die ganze Story aufbaut, ist nämlich in ihrem persönlichen Hintergrund komplett unglaubwürdig, was dem Leser aber erst zum Ende hin auffällt. Um das zu erklären, muss ich leider ein wenig vorweggreifen, daher ACHTUNG SPOILER:Denn dass ein Mann, der über derartige Fähigkeiten und Beziehungen verfügt wie der Ex-Marine Kurt Semko und dabei im späteren Verlauf fast wie der Satan persönlich rüberkommt, nicht in der Lage sein soll, sich einen besseren Job als bei einem Abschleppdienst zu verschaffen, kann ich dem Autor beim besten Willen nicht abkaufen. Mit all diesen Kontakten und der Macht, die Semko über den Besitz gewisser Informationen leicht gewinnen kann, sollte es für ihn eine Kleinigkeit sein, auch mit dem makelhaften Lebenslauf eine große Karriere auf die Reihe zu bekommen. SPOILER ENDE

Schlussfazit:
„Masterplan“ von Joseph Finder ist ein sehr spannender Roman, der zwar als reiner Wirtschaftsthriller betrachtet nicht in der Liga der ganz Großen mitspielen kann, aber trotzdem über die gesamte Distanz bestens unterhält. Zwar ist die Story wenig komplex und die Entwicklung der Geschichte recht einfach durchschaubar, doch sie ist so packend und flüssig geschrieben, dass man trotzdem immer weiterlesen möchte. Das liegt zu einem großen Teil an der sympathischen Hauptfigur, mit der man sich sehr leicht identifizieren und deren Verhalten man auf Anhieb nachvollziehen kann. Völlig naiv rennt Jason Steadman ins Verderben und lässt das auch ohne großen Widerstand zu, obwohl er wie der Leser ahnen muss, dass sein Aufstieg nicht mit rechten Dingen zugeht und das nicht lange gutgehen kann.

Kurzweiliger und spannender Wirtschaftsthriller mit dickem Logikschnitzer

Gerade das Schlussdrittel verläuft auf einem sehr hohen Spannungsniveau und „Mastermind“ würde locker in die hohen Wertungsregionen vorstoßen, wenn nun einmal nicht der Patzer mit der unglaubwürdigen Nebenfigur wäre, mit der die Handlung aber nun einmal steht und fällt. Vielleicht wäre das nicht so gravierend gewesen, wenn Joseph Finder zum Ende hin nicht so dick aufgetragen oder einen anderen Einstieg für diese Figur gewählt hätte – in dieser Version jedenfalls schreit es so laut nach Logikfehler, dass sich das einfach negativ auf die Wertung auswirken muss. Trotzdem bleibt „Mastermind“ gute Unterhaltungsliteratur, der man absolut eine Chance geben sollte, denn diese kurzweilige Light-Version eines Grisham-Romans macht wirklich Spaß.

Meine Wertung: 7/10

Informationen:
„Mastermind” von Joseph Finder ist im Heyne-Verlag erschienen und hat einen Umfang von 480 Seiten. Das Buch ist leider nicht mehr lieferbar und nur z.B. noch über den Amazon-Marketplace erhältlich. Vielleicht habt ihr jedoch Glück und entdeckt das Buch mal auf den Wühltischen der Buchhandlung eures Vertrauens.


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